21. Mai 2012 um 19:48 (jetzt)
Tags: Angst, Überlebenszeit, Brustkrebs, Egoismus, Gesundheit, Joggen, Krebs-Tagebuch, Lebensqualität, Schlafen, Schlafstörung, Stress, Traum erfüllen, Zeit nutzen, Zufriedenheit, Zweifel
Selten hat mich etwas so beschäftigt wie dieses Bewerbungsverfahren. Wieder und wieder spuken Situationen durch meinen Kopf, vergangene und mögliche zukünftige, und ich komme nicht richtig zur Ruhe. Ich war so darauf gepolt gewesen, dass sich das bald entscheidet … und nun zieht es sich wie ein Kaugummi.
Das tut mir nicht gut, ich bin unruhig und kann gerade wieder nicht abends nicht einschlafen. Komme morgens nicht raus und bin leichter reizbar. Doof.
Und das Ganze setzt mich als Bewerber, sollten sie mich wirklich nehmen, sehr unter Druck. Wer so sorgfältig ausgesucht wurde, darf nicht versagen. Ich führe jetzt schon im Geiste Gespräche, sollte das alles rauskommen. Erst letztens ist jemand, den ich über das Netz kenne, in der Probezeit wieder gekündigt worden, weil eine Krankheit verschwiegen wurde.
Ich muss mich sehr am Riemen reißen, nicht zu kneifen. Ich will diesen Job und gleichzeitig habe ich Angst, dass ich damit gegen die Wand fahre. Vielleicht wäre es besser, wenn … Nein, wäre es nicht! Basta.
Ich hoffe nur, dass dieses Elend nächste Woche ein Ende hat. So oder so.
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9. Mai 2012 um 22:42 (jetzt)
Tags: Angst, Assessmentcenter, Überlebenszeit, Bewerbung, Bewerbungsgespräch, Brustkrebs, dünnhäutig, Egoismus, emotional, Gesundheit, Krebs-Tagebuch, Lebensqualität, Staging, Stress, Traum erfüllen, Wünsche, Zukunft, Zweifel
Eigentlich ein schlechter Titel, denn er suggeriert etwas Negatives. Dabei sind die Befunde der Untersuchungen super! Und auch, dass ich morgen ein weiteres Gespräch habe, ist ja positiv zu sehen. Und doch stimmt der Titel, denn er bezieht sich auf meine Nervosität …
Jetzt, wo die Untersuchungen vorbei sind, geht die Aufregung darüber langsam wieder weg. Noch hat sie mich nicht ganz verlassen, so schnell geht das leider nicht. Und doch muss ich jetzt zusehen, dass ich abschalte, um mich auf das Gespräch morgen vorzubereiten.
Ich habe Schiss davor, dass das mit meinem derzeitigen Arbeitgeber schief geht. Ich habe keinen Urlaub genommen, habe ein paar Sachen “aufgespart”, die ich im Zug arbeiten kann. Es weiß keiner, dass ich unterwegs sein werde. Ich hoffe, es kommen nicht so viele Anrufe … ich will mich nicht verraten, dass ich nicht da bin.
Und dann das Gespräch … je länger ich mich mit dem neuen Job beschäftige, desto lieber möchte ich ihn haben. Das macht mich natürlich nicht wirklich entspannt für morgen.
Mit meiner Psychologin hatte ich letzte Woche auch über das Thema “schlechtes Gewissen” wegen der Bewerbung gesprochen. Den Zahn hat sie mir gezogen. Sie meinte, ich sollte das nicht so eingeschränkt sehen. Ich könnte überhaupt nicht einschätzen, ob es der Firma nicht etwas bringen würde, selbst wenn ich nur ein Jahr für sie tätig sein könnte (sie hat es absichtlich überspitzt ausgedrückt). Also kein Grund zum schlechten Gewissen. Sie fand es außerdem völlig legitim, so eine persönliche Sache wie eine Erkrankung für sich zu behalten – zu meinem Schutz, aber auch zum Schutz der anderen. Denn aus Erfahrung wissen wir ja alle, wie schwer sich manche Mitmenschen damit tun, einem Krebskranken normal gegenüber zu treten. Das schaffen nicht so viele.
Recht hat sie, es steht mir zu, mich zu bewerben, und ich habe es verdient, den Job zu bekommen, wenn Qualifikation und der Nasenfaktor stimmen. Die Quali passt, und den Rest werden wir morgen sehen.
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7. Mai 2012 um 14:58 (jetzt)
Tags: Angst, Antihormontherapie, Antithrombose, Überlebenszeit, Brustkrebs, Clexane, CT Thorax, Gesundheit, Krebs-Tagebuch, Metastase, MRT Abdomen, Schlafen, Schlafstörung, Staging, Sterben, Stress, Thrombose und Fliegen, Tod, Wünsche, Zeit, Zukunft
Montag:
Mehr schlecht als recht ist das Wochenende rum gegangen. Es ist so ätzend, morgens aufzuwachen und fast augenblicklich krampft sich der Magen zusammen.
Hingefahren, im Stau gestanden, gerade noch rechtzeitig gekommen, sofort dran gekommen.
Dann warten. Warten.
Warten.
Das Gespräch dann war eher kurz – alles unverändert. Alles gut.
Die Ärztin wusste sogar noch, dass ich nach dem letzten Mal in Urlaub gefahren bin und fragte, wie es gewesen sei. Wir sprachen dann noch kurz über den emotionalen Stress, den das immer macht und sie sagte, nach 10 Jahren wird das wohl mal besser. Bei mir nicht, sagte ich dann, wo doch nach 8,5 Jahren die Metastasen gekommen waren. Das musste sie dann zugeben, dass ich die Ängste wohl nie los werde.
Nee, sicher nicht. Aber mich hat ihr spontaner Spruch trotzdem gefreut, war er doch für mich ein Signal – sie hält es für möglich, dass es noch ein paar Jahre so weiter geht. Ich habe nichts dagegen
Dienstag:
Ich hatte wieder die übliche Diskussion mit den Damen am Empfang wegen des Faxen des Berichts. Sie weigerten sich, das zu machen, es sei ihnen vom Chef verboten worden. Man wisse ja schließlich nicht, wer am anderen Ende das Fax in Empfang nehmen würde. Ich hatte ein Vollmacht mitgebracht, extra für den Befund, unterzeichnet von mir und mit der Faxnummer. Und doch wollten sie es nicht tun.
Boh, ich hatte einen so dicken Hals, ich hätte fast nicht in die Röhre gepasst! Dazu werde ich dem Chef der Praxis einen Brief schreiben, ich finde, das geht so nicht.
Den Befund jedenfalls kriegte ich dann heute von meiner onkologischen Praxis, ich hatte sie gebeten, mir den gleich weiterzuleiten, wenn sie ihn bekommen.
Alles gut, auch hier.
Uff. Und sogar ist noch eine der Läsionen in der Leber nicht mehr auffindbar. Hah, die will ich auch nicht wieder haben!
Einen Besprechungstermin wird es mit Professor Koryphäe dieses Mal nicht geben, er ist unterwegs. Und glücklicherweise gibt es ja auch nichts zu besprechen
So allmählich nimmt die eine Aufregung wieder ab und die andere kommt. Aber dazu nachher mehr. Wenn ich noch den Nerv habe …
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4. Mai 2012 um 23:24 (jetzt)
Tags: Angst, Brustkrebs, CT Thorax, dünnhäutig, emotional, Gesundheit, Joggen, Krebs-Tagebuch, Lebensgefühl, Schlafen, Schlafstörung, Staging, Sterben, Stress, Zweifel
Bis gestern war alles gut. Da habe ich mehr an das Gespräch nächste Woche gedacht als an das Staging. Abends kippte das, und plötzlich war nichts anderes mehr wichtig als die Untersuchungen nächste Woche. Da lag ich im Bett herum, konnte nicht schlafen und die Gedanken kreisten.
Und heute morgen war sie dann endgültig angekommen, die Angst, die tief im Bauch sitzt und so viel Energie kostet. Die einfach alle Motivation erdrückt, die das Arbeiten beinahe unmöglich macht. Angst, die dunkel und schwer in mir liegt und mich runterzieht.
Da kann der Kopf noch so häufig sagen “warte ab, hast doch keinen Grund, nervös zu sein”. Aber er kommt gegen den Bauch nicht an.
Meine Psychologin heute konnte sich das nur anhören, nickte zu meinen Plänen für das Wochenende. Auch wenn sie nichts Neues beitragen konnte, hinterher fühlte ich mich trotzdem besser, wie auch immer sie das geschafft hat.
Aber das war vorhin …
Und so gilt es, das Wochenende zu überstehen, bis ich Montag Morgen zum CT gehen kann. Lieber Besuch kommt am Wochenende, Laufen will ich und noch mal ins Studio. Die Zeit wird rumgehen, so wie immer. Aber es ist ein totes Wochenende, irgendwie, denn die Angst ist immer mit dabei.
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25. April 2012 um 23:38 (jetzt)
Tags: Angst, Überlebenszeit, Bewerbung, Brustkrebs, dünnhäutig, Gesundheit, Krebs-Tagebuch, Psychoonkologie, Staging, Stress, Tod, Traum erfüllen, Zukunft, Zweifel
Es kam, wie es kommen musste.
Ich hatte die Wahl, die unverbindliche zweite Runde (“nur” ein kleines Assessmentcenter) entweder am Freitag vor dem Staging anzutreten (und damit den nächsten Psychotermin zu kippen) oder am Donnerstag nach dem Staging.
Pest gegen Cholera.
Beides totaler Mist. Vor dem Staging gehe ich auf dem Zahnfleisch und hinterher brauche ich auch immer Tage, um von dem Trip wieder runter zu kommen. Später wollten sie das Gespräch nicht, weil es sonst alles zu knapp würde. Vorher ging auch nicht. Was für ein Elend.
Und immer schön professionell und höflich am Telefon bleiben, obwohl mir einfach nur zum Heulen zu Mute war, weil eigentlich beides nicht geht. Ich habe mich irgendwann drauf zurück gezogen, dass ich klären muss, ob ich einen beruflichen Termin verschieben kann, und versprach am nächsten Tag zurückzurufen.
Warum tue ich mir das überhaupt an? Warum nicht alles so lassen, wie es ist? Ist die Belastung durch das 15-wöchige Staging nicht schon genug? Muss ich mir da noch einen neuen Job aufladen? Samt Kündigung und Aufräumen im alten Job und Einstellen auf den neuen?
Warum?
Weil mein derzeitiger Arbeitgeber wenig Rücksicht auf lange erkrankte Mitarbeiter nimmt (die kommen alle nicht wieder …). Weil ich es entweder jetzt tue oder nie. Je länger ich warte, desto schlechter werden meine Karten. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt (meine Kolleginnen haben auch nur ein Jahr weniger Berufserfahrung, sind aber 10 Jahre jünger …), vor allem mit der Krankheit. Jetzt geht es mir gut. Jetzt hat eine sanfte Therapie die Metastasen im Griff. Wie lange? Keine Ahnung. Mit meinen gut 1,5 Jahren gelte ich als langzeitstabil. Vielleicht hält es noch mal so lange, vielleicht ist es damit schon in zwei Wochen vorbei.
Ich muss dauernd dran denken, was für ein gefährliches Spiel ich hier treibe. Was passiert, wenn ich nicht noch ein Jahr gesund bleibe (bis die Probezeit vorbei ist)? Dann habe ich mich selbst ins Aus manövriert, und das gehörig. Keine Ahnung, ob man mich behalten würde. Mal ganz abgesehen davon, die Leute, mit denen ich wirklich gerne zusammenarbeiten möchte, zu enttäuschen (weil ich sie getäuscht habe).
Ich habe am nächsten Tag angerufen und den Donnerstag nach dem Staging bestätigt. Wenn es schlecht ausfallen sollte, nehme ich mich eh aus dem Rennen, dann habe ich andere Sorgen als ein Bewerbungsgespräch.
Ich habe keine Ahnung, ob ich das alles hinkriege. Kann ich das aushalten? Den Druck vom Staging und vom zweiten Gespräch? Oder versemmele ich das Assessmentcenter eh in so einer Situation? Es kam schon der Gedanke “vielleicht ist es besser, wenn es nicht klappt”, aber der ist gefährlich. Selbst-erfüllende Prophezeiung …
Vielleicht lache ich in fünf Jahren darüber, weil es mir dann immer noch gut geht und ich einen (verzeiht) geilen Job in einer schwierigen Lage ergattert habe. Vielleicht auch nicht.
Nur die Zeit wird zeigen, ob ich es richtig mache. Aber versuchen muss ich es, sonst habe ich schon aufgehört zu leben.
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22. April 2012 um 15:57 (jetzt)
Tags: Antihormontherapie, Überlebenszeit, Bewerbung, Brustkrebs, Gesundheit, Joggen, Krebs-Tagebuch, Lebensgefühl, Staging, Stress, Wünsche, Zufriedenheit, Zukunft, Zweifel
… hatte es in sich.
Der Marathon ging geschlagene 4 Stunden (statt der anvisierten 3) und am Ende hatte ich Probleme, dem letzten Gesprächspartner uneingeschränkt zu folgen. Da war dann einfach Ende meiner Konzentration.
Wie ist es gelaufen? Keine Ahnung. Hinterher hatte ich ein ganz gutes Gefühl, ich glaube, ich habe mich ganz gut präsentiert. Von der Qualifikation her passe ich perfekt. Je länger das allerdings her ist, desto mehr Sachen fallen mir ein, die ich in diesen 4 Stunden gesagt habe, die man negativ auslegen könnte. Nicht, dass ich mich an alles erinnern würde, was ich so gesagt habe.
Egal. Entweder es passt oder es passt nicht. Jetzt heißt es Warten auf die zweite Runde – oder die Absage. Falls es zur nächsten Runde kommt, hoffe ich inständig, dass das nicht in die Nähe des nächsten Stagings fällt. Ich wüsste nicht, wie ich das wuppen soll 
Und so lange versuche ich auch, die Gedanken in Zaum zu halten, dass ich eine Mogelpackung bin. Das beschäftigt mich doch sehr. Ich komme aber immer wieder zu dem gleichen Ergebnis – wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte der Krebs schon gewonnen, weil ich nicht mehr an eine Zukunft glauben würde.
Meine Nasennebenhöhle (und leider auch der Rest von mir) wird inzwischen mit einem Antibiotikum bombardiert. Also weiter kein Sport, und ich versuche mich mit Spaziergängen und Walken über Wasser zu halten. Wirken tut das AB, das merke ich, leider schlagen aber auch die Nebenwirkungen voll durch (Durchfall, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit). Ich wusste schon, warum ich das erst nach dem Bewerbungsgespräch angefangen habe.
Noch so eine Woche brauche ich wirklich nicht …
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15. April 2012 um 20:22 (jetzt)
Tags: Angst, Überlebenszeit, Bewerbung, Brustkrebs, dünnhäutig, emotional, Freundschaft, Gesundheit, Joggen, Krebs-Tagebuch, Lebensgefühl, Psychoonkologie, Schlafen, Staging, Sterben, Stress, was schaffen, Zeit nutzen, Zufriedenheit, Zweifel
Ich komme derzeit kaum zum Nachdenken, und das ist nicht gut. Normalerweise läuft die Denkmaschine beim Joggen auf Hochtouren, kann ich auch mal Gedanken abschließen, und der Problempegel sinkt etwas. Aber ich habe derzeit die Empfehlung lieber nicht zu joggen, da meine Nasennebenhöhlen noch immer mit dem Urlaubsbakterium kämpfen (seit mittlerweile 6 Wochen). Daraus resultierende Kopfschmerzen (ja, von der Nase, Jenneke, das hat nix mit Krebs zu tun) und Zahnentzündung, latentes Krankheitsgefühl. Immerhin schlafe ich gut …
Devise ist jetzt, es ruhig anzugehen, und da zählt eine Stunde Puls 168 beim Joggen nicht dazu. Ausgerechnet jetzt
Das fehlt, ich bin heute einfach so raus gegangen, musste mal ein wenig Strecke machen, wenn auch gehender Weise. Denn ich will nicht, dass der Stand zu Unterkante Oberlippe wird, und alles überläuft …
Es sind derzeit so viele Baustellen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch (mit allen dran hängenden Ängsten, Zweifeln und Bedenken), Treffen mit einer lieben Freundin (die gerade wegen Burnout aus der Klinik kam), meinem Mann geht es derzeit auch nicht so wirklich gut, mein eigenes Hadern mit der Psychologie (meiner und der meiner Psychologin), dringend fälliger Gartenarbeit, und dem Gefühl, dauernd keine Zeit zu haben.
Aber ein Gutes hat es: in drei Wochen ist das nächste Staging, und ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken …
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15. April 2012 um 11:09 (jetzt)
Tags: Angst, Überlebenszeit, Bewerbungsgespräch, Brustkrebs, Gesundheit, Krebs-Tagebuch, Lebensgefühl, neuer Job, Reaktionen, Wünsche, Zeit, Zeit nutzen, Zukunft, Zweifel
… und immerhin ein Bewerbungsgespräch (eher einen Bewerbungsmarathon von 3 Stunden) gewonnen.
Drückt mir die Daumen
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11. April 2012 um 19:02 (jetzt)
Tags: Angst, Brustkrebs, dünnhäutig, emotional, Krebs-Tagebuch, Lebensqualität, Psychoonkologie, Staging, Sterben, Stress, Traum erfüllen, Zufriedenheit, Zukunft, Zweifel
Muss mal ein bisschen Motzen. Ich fühle mich von meiner Psychologin veräppelt, und das ist nicht gut.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich mich nicht belastbar fühle, dass ich gestresst bin, Arbeit, Freizeit oder Krebs, keine Ahnung (oder alles zusammen). Meine Psychologin wollte jedenfalls nix von “ich bin nicht mehr so belastbar” hören. Sie münzte das um in “ich könnte, wenn ich wollte. Aber ich will nicht mehr.”
Ach? Meine Prioritäten wären dabei, sich zu verschieben, ich will jetzt einfach mehr für mich machen und weniger arbeiten.
Ihr Ziel ist es, dass ich mit meiner Lebenssituation besser klar komme. Ist auch mein Ziel. Aber mir einzureden, meine Freizeit wäre mir jetzt wichter als die Arbeit … mit Verlaub, das war schon immer so. Ich habe immer sehr viel Zeit in meine Hobbies gesteckt. Natürlich gab es Zeiten, wo das etwas zurückgestanden ist, weil beim Job gerade viel zu tun war. Aber grundsätzlich geändert hat sich meine Einstellung jetzt nicht (allenfalls 2002, als der Krebs kam).
Darauf jetzt abzuheben, kommt mir vor wie … Manipulation? Mich für dumm verkaufen? Mir was einzureden, damit ich mich toll fühle? Ich weiß nicht. Es fühlt sich an, als würde sie mich auffordern, mich vor den Tatsachen zu drücken, und das will ich nicht.
Sie hält mich eh für zu rational. Meine Aussage, der Krebs wird irgendwann wieder wachsen, das ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit, ich weiß nur nicht, wann das passiert, hat sie nicht kommentiert. Weil sie das nicht dementieren kann, nehme ich an. Ich rechne damit, dass ich irgendwann eine Chemo machen werde, beim nächsten Progress oder wann auch immer. Krankengeld ist 70% vom Gehalt. Kein Problem, aber wenn ich jetzt Stunden reduziere, wird es ein Problem. Keine Unabhängigkeit mehr. Keine teuren Urlaube mehr. Aber solche Überlegungen zählen offenbar nicht, sie hebt nur auf mein Gefühl ab, dass ich gestresst bin. Wie sehr es mich allerdings stressen würde, wenn wir unser Haus nicht mehr bezahlen können, darüber scheint sie sich keine Gedanken zu machen. Hat ja nichts mit dem Krebs zu tun.
Ich weiß, ich bin ungerecht. Aber irgendwie funktioniert das so bei mir nicht. Ich bin da nun mal Realist und kenne die Fakten, ich will mir das nicht Schönreden. Oder es ist nicht der richtige Ansatz, mich zu erreichen. Oder nicht die wahre Baustelle. Oder ich bin einfach beratungsresistent und es ging mir wirklich besser, wenn ich das so sehen könnte. Vielleicht bemühe ich mich nicht genug? Ich weiß nicht.
Es war als Krisenintervention vor Staging gedacht, aber seit dem letzten Staging jetzt hatte ich drei Termine. Und jetzt noch einen vor dem nächsten. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Über meine Progressionsangst haben wir fast gar nicht gesprochen. Statt dessen steht im Arztbrief über unser erstes Treffen sinngemäß: Strategien im Falle eines unerwartet schlechten Befunds beim Staging erarbeiten. Unerwartet? Das hinterläßt bei mir das Gefühl von “ich rede mir meine Angst ein”. Ich glaube, seit ich das gelesen habe, hat das Ganze einen Knacks bekommen.
Lösung? Vielleicht muss ich sie nach einer Empfehlung für einen Niedergelassenen fragen und dann halt warten, ehe ich da regelmäßige Gespräche machen kann. Keine Ahnung. Ich finde das nicht grundsätzlich schlecht, aber so …
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6. April 2012 um 12:12 (jetzt)
Tags: Brustkrebs, dünnhäutig, Egoismus, emotional, Gesundheit, Joggen, Krebs-Tagebuch, Lebensgefühl, Lebensqualität, Psychoonkologie, Unzufriedenheit, Zeit nutzen
Vier Tage frei, und ich habe das Gefühl, es ist nötig. Nur gut vier Wochen nach dem Urlaub. Irgendwie gibt mir das zu denken. So viele Stunden gearbeitet habe ich nicht, zwischen 40 und 43 pro Woche. Früher hat mir das nix ausgemacht. Wieso jetzt? Kann ich nix mehr ab? Die Krankheit schlägt jetzt doch zu, keine Belastbarkeit mehr?
Letztes Jahr war sehr entspanntes Arbeiten angesagt (es war einfach nicht so viel zu tun). Jetzt ist die normale Quote wieder erreicht, übermäßig viel ist es nicht. Hatte schon mehr. Meinen Kollegen geht es vielfach ähnlich – Anpassungsstörung an die normale Arbeitsbelastung und Unzufriedenheit mit diesen schwammigen Aussagen der neuen Geschäftsleitung nach der Übernahme.
Also bin gar nicht ich das unbedingt? Vielleicht ist es gar nicht die Menge der Arbeit, vielleicht ist es das ganze Umfeld? Warum sonst schreibe ich Bewerbungen? Meine eine Kollegin meinte, ich wäre nicht mehr gefordert. Huch, genaues Gegenteil von “zu viel Arbeit” … Also was jetzt?
Wie auch immer – ich habe nicht übermäßig viel gearbeitet, und trotzdem habe ich dieses “keine Zeit”-Gefühl, obwohl das definitiv nicht stimmt. Ich nehme mir viel Zeit für mich (morgens vor dem Arbeiten, abends noch der Sport). Es liegt wohl eher daran, dass ich so viele Dinge gerne tue, zu denen ich letztes Jahr gut Zeit hatte. Der ganze Sport kam dazu. Jetzt geht nicht mehr alles, versuche ich aber trotzdem … Freizeitstress. Wäre ja nicht schlimm, wenn ich es als positiv empfinden würde. Tue ich aber nicht.
Ich mag das nicht, diese latente Unzufriedenheit, wenn ich nicht recht festmachen kann, woher sie kommt. Arbeit? Freizeitgestaltung? Oder doch der Krebs? Unklar. Und dann kann ich das auch nicht abstellen. Aber es hilft nix, weiter Grübeln bis ich dahinter gekommen bin.
Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf die freien Tage! Ich wünsche Euch ein entspanntes Osterfest, viel Lachen und einen Haufen bunte Eier!
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