Antihormontherapie (Juli 2002)

Mein Tumor ist stark hormonrezeptorabhängig. Also wurde beschlossen im Anschluss an die Chemotherapie die Therapie auf dieser Schiene weiterzuführen.
Und so beginnt die sanfte Therapie, wie die Ärzte das nennen, im Juli 2002. Jeden Monat eine Spritze Zoladex und jeden Tag eine Tablette Arimidex. Drei Jahre soll das laufen, vielleicht fünf. Die Spritzen sind dick, ein Implantat in das Fettgewebe. Solange der Port noch jeden Monat gespült werden muss, machen das die Schwestern dort. Sie haben immer mehr Angst davor als ich, so schlimm finde ich das nicht. Oder mein Bauchunterfettgewebe ist so unempfindlich, keine Ahnung.
Die Folgen des künstlichen Klimakteriums kommen bald. Hitzewallungen ohne Ende, der Blutdruck geht hoch, 210 zu 150 keine Seltenheit, glücklicherweise nach kurzer Zeit wieder vorbei. Manchmal hämmert das Herz ohne Grund, vor allem abends, wenn ich schlafen will. Natürlich fallen diese Hitzenanfälle auf, ich rede mich raus bei Leuten, die keine Ahnung haben. Morgens tun mir alle Gelenke weh, mal eben in der Nacht zur Toilette gehen ist eine Qual. Jeden Morgen brauche ich eine ganze Zeit, ehe ich mich normal bewegen kann. Doch das lässt nach ein paar Monaten wieder nach.
Nur die Schlafprobleme nicht. Ich kann hundemüde sein, im Sessel schlafen, sobald  ich im Bett liege, bin ich hellwach. Meine Mutter erzählt Ähnliches. Klar, habe ich immer gedacht, das ist doch Einbildung. Entweder man ist müde oder nicht. Nein, das ist keine Einbildung. Die Schlafprobleme schwanken – eine Zeitlang kann ich nicht einschlafen, kann dann aber wenigstens fünf Stunden am Stück schlafen. Dann wieder schlafe ich schnell ein, bin aber alle zwei Stunden wach. Es schlaucht. Es nervt.

Und ich nehme zu. Im Laufe des ersten Jahres sind es neun Kilo, dann kommt es zum Stillstand, hält sich zwei Jahre, bis es dann langsam wieder etwas runter geht. Auch wenn das eigentlich Pillepalle ist – es hat mich doch belastet. Ich bin nie sonderlich schlank gewesen (sonst hätte der Herr Professor ja auch keine so schöne Bauchrolle vorgefunden), doch jetzt war ich beinahe fett. Und kriege es lange Zeit nicht in den Griff … Was letztendlich den Ausschlag gibt, dass das Gewicht wieder runtergeht, weiss ich nicht. Schade eigentlich, ich könnte es jetzt gut gebrauchen …

Alles in allem wirklich eine sanfte Therapie (im Gegensatz zur Chemo), doch ich bin froh, als es nach fünf Jahren vorbei ist (Juli 2007). Mein Körper braucht fast fünf Monate, ehe ich wieder eine Regelblutung habe. Das allerdings habe ich nicht vermisst …

Und während der ganzen Zeit lief natürlich die Nachsorge.

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