Auf schmalem Grat

Finja fragte in ihrem Kommentar, ob es mir gut geht. Die kleine Frage hat mich sehr beschäftigt, weil ich sie nicht beantworten kann.

Ja. Und nein.

Ich fühle mich wie auf einem Grat, zu beiden Seiten geht es steil bergab. Ein kleiner Fehltritt und es geht abwärts.

Der Urlaub war schön, aber mein Becken spielte nicht mit. Rückfall, oder wie auch immer man das nennt. Massive Schmerzen, dann Taubheit. Meine Hausärztin vermutet einen Bandscheibenvorfall, besteht auf einem MRT. Das erste Wort, das mir in den Kopf kommt, als ich den Befund lese, ist – vernichtend. Weichteilmetastase, Unterbauch, 1,6cm.

Plötzlich interessiert keinen mehr mein Becken, meine Muskeln, mein Kreunzbein, meine Schmerzen. Jetzt ist nur noch das wichtig. Weichteilmetastase im Unterbauch.

Die Welt ist zu Ende. Wieder einmal.

Bis Professor Koryphäe kommt und die richtige Idee hat. Das MRT sah meine letzte Heparininjektion nach dem langen Flug, Thromboseprophylaxe, linker Unterbauch.

Also alles beim Alten?

Ja. Und nein. Ich habe immer noch Probleme mit dem Becken, dem Kreuzbein, dem Ischias. Und meine Zuversicht ist dahin, mein Vertrauen in meinen Körper ist dahin. Es geht jetzt schon seit August so, über ein halbes Jahr, und langsam glaube ich nicht mehr, dass das noch mal wieder weg geht. Und dieser letzte Schlag hat alles Gute, was nach dem Urlaub da war, zu Nichte gemacht. Es ist jetzt schon einen Monat her, aber es hängt mir immer noch nach. Es hat so viel Kraft gekostet, dass ich schon wieder urlaubsreif bin.

Ich habe keine Energie gerade, mich mit dem Krebs oder meinem Ischias zu beschäftigen. Ich ignoriere das alles, so gut es geht, aber auch das tut mir nicht gut. Es lähmt mich, raubt mir die Lust an allem. Ich funktioniere, aber mehr auch nicht.

Und Ende April ist das nächste offizielle Staging.

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