bauchgesteuert

Das CT hat mich sonst immer schon entspannt. Wenn CT gut, alles gut. Das hat in meinem Kopf funktioniert, ich konnte mich schon mal ein bisschen abregen. Es hängt ja schließlich alles zusammen.

Leider funktioniert es dieses Mal nicht, und ich bin jetzt nervöser als vor dem CT. Durchfall und alles … Ich konnte mich beim Arbeiten heute kaum konzentrieren, und alles war eine Anstrengung – mich aufzuraffen und meine Gedanken dabei zu behalten.
Warum? Weil mich das MRT von August 2012 in einen Abgrund gestoßen hat nach einem guten CT? Weil ich befürchte, die Probleme im Iliosakralgelenk haben doch was mit Metastasen zu tun? Weil es mir nicht aus dem Kopf geht, dass diese gebrochene Rippe doch was mit Krebs zu tun hat? Wenn sie nicht gesehen wurde im Dezember … was haben sie noch übersehen?

Vielleicht sind es einfach zu viele kleine Punkte, die sich summieren und mich aus der Bahn werfen. Ich habe derzeit kein Zutrauen in meinen Körper und nicht in die Untersuchungen. Meine Stimmung ist am Boden, und ich habe einfach nur Angst, dass jetzt doch noch was hinterher kommt. Ich weiß nicht, wie ich morgen den Tag rumbringen soll, bis ich dem Befund nachtelefonieren kann. Und wie ich den Mut dazu aufbringen soll.

Ich mag es nicht, wenn ich so drauf bin, so bauchgesteuert, doch der Kopf hat einfach keine Chance, dagegen anzukommen, egal wie gut die Argumente auch sein mögen 😦

Läufer-Anatomie für Fortgeschrittene

Es gab bisher einen Samstag mit schönem Wetter. Ich war in der Woche davor eine kleine Runde mit 3,5 Kilometern gelaufen. Das wollte ich jetzt wieder, aber die Sonne schien so schön, und überhaupt hat mir das Laufen viel, viel Spaß gemacht an dem Tag. Am Ende war es dann eine normale Runde von 6 Kilometern. Ich war kaputt, aber glücklich.

Tja, die Quittung kam dann am nächsten Tag. Erst dachte ich, es wäre ein Muskelkater, der meiner linken Po-Backe so zusetzt, aber Muskelkater hämmert nicht, wenn man sich nicht bewegt. Muskelkater macht keinen Dauerschmerz, wenn man im Bett liegt. 😦 Nach dem Alarm bezüglich meines Beckens im letzten August wegen der Metastasen ging in meinem Kopf wieder die Post ab. Schade, dass das nicht auch mit einer Schmerztablette besser wird …

Am Montag danach hatte ich meinen letzten Physio-Termin und nun kam die Anatomie-Lehrstunde. Im Becken gibt es etwas, das nennt sich Iliosakralgelenk. Das ist der Übergang von Beckenknochen in Richtung Wirbelsäule, und es kann ganz fürchterlich weh tun, wenn man es nicht richtig behandelt. Offenbar hatten die 6 Kilometer meinem Becken den Rest gegeben. Das passiert bei Läufern manchmal, und übrigens, Ihr Becken ist schief, da kann das noch schneller mal kommen.
Die Physio hat gedrückt und gedehnt, getapt und mit Reizstrom versorgt, und tatsächlich war es am nächsten Tag viel besser. Und auch wenn ich wusste, das kommt vom Laufen … der Gedanke an die Metastasen hat mich nicht losgelassen. Letztes Jahr bin ich immer 6 Kilometer gelaufen. Wieso kriege ich da jetzt ein Problem? Die Gedanken sind frei …

Ich habe dann fast zwei Wochen mit Laufen ausgesetzt und bin dann wieder meine kleine Runde gelaufen. Kein Spaß. Ständig habe ich in meinen Körper reingehorcht, wie es sich anfühlt. Ständig geschaut, wie ich den Fuß aufsetze, damit es nicht so viel Stoß gibt. Entspannung ist was anderes. Aber ich hatte keine Probleme und es kamen auch keine nach.
Nach drei Tagen Pause bin ich wieder gelaufen, und prompt kam das Problem zurück. Nicht so fies wie beim ersten Mal, aber so deutlich, dass ich es nicht ignorieren konnte. 😦

Das alles hat mich ins Grübeln gebracht, ob das Joggen richtig für mich ist. Es macht Spaß, ich kann (normalerweise) gut dabei abschalten, ich mag meine neue Ausdauer. Aber offenbar ist mein Körper nicht dafür geeignet? Tue ich mir wirklich was Gutes, wenn ich laufe oder richte ich mehr Schaden an? Ich weiß es nicht. Eine Alternative fällt mir nicht ein, aber wenn ich mir vorstelle, ich darf nicht mehr joggen, dann zieht sich mir alles zusammen. Nicht wegen der Ausdauer sondern wegen der psychischen Entspannung, die mir das Laufen bringt. Und die habe ich so dringend nötig …

Unberechenbar …

Unser Nachbar ist gestorben. Im Januar wurde Blasenkrebs diagnostiziert, letzte Woche ist er gestorben.

Zwei Monate.

Ich lebe jetzt schon über 11 Jahre mit meinem Krebs und es geht mir (körperlich) gut. Ich sollte froh sein.

Aber ich habe einfach nur Angst.

Grummelbrummel

Ich bin unzufrieden und grummelig und ärgere mich darüber, dass es so ist, weil ich doch eigentlich gar keinen richtigen Grund dazu habe. Ich bin noch etliche Wochen vom nächsten Staging weg, also wieso geht es mir nicht gut? Wieso genieße ich die Zeit nicht?

Eigentlich ist doch gar nichts. Aber viele Kleinigkeiten häufen sich dann doch zu Stress auf. Wieder mehr Dienstreisen (wollte ich doch so, aber die Zeit fehlt), neuer Job (so viel neu und spannend, dafür habe ich für gekämpft, aber das ist anstrengend), habe die Probezeit überstanden (juchee!), blöde Grippewelle habe ich überlebt (hatte doch nur fünf Tage Fieber, was soll’s …), ich schlafe meistens gut (werde nur morgens nicht recht wach derzeit), die manuelle Therapie tut mir gut (eigentlich eher die Übungen, die ich machen soll, aber egal), nur noch ein paar Tage, dann fahren wir wieder in Urlaub (es ist noch nichts gepackt, aber das Wochenende kommt ja noch), die Mammographie war in Ordnung (nur das Warten auf den Befund war wieder schrecklich), die ständigen Arzttermine nerven (wie soll man da konzentriert arbeiten, wenn man ständig irgendwo hin muss?), mit meinen Büchern (über Gedankenkreisel und das Schlafen) komme ich nicht weiter (keine Ruhe fürs Lesen), kriege abends nicht auf die Reihe (sind halt anstrengende Tage), die Wochen fliegen vorbei …

Eigentlich alles gut.

Und doch auch nicht. Ich kann es nicht recht greifen. Ich habe das Gefühl, mir fehlt Zeit und Ruhe, und verstehe es nicht wirklich, weil ich eigentlich Zeit habe und mir Ruhe nehmen könnte. Viel vom Stress mache ich mir selbst und komme doch nicht weg davon. Müsste mehr nachdenken, wieder mehr in mir selbst ruhen, aber ich bin zu unstet. Mir fehlt das Laufen, musste Pause machen wegen Grippe und kalt ist es außerdem, aber vielleicht ist das auch nur eine Ausrede, nicht denken zu müssen, wenn die Beine still stehen …

Ich baue auf den Urlaub zum Stressabbau und vielleicht auch auf ein bisschen Selbst(zurück)findung. Hoffentlich …

Notstrom

Irgendwie wird es schlechter, nicht besser. Diese Fahrerei zwischen Bürowohnung und Zuhause ist stressig, zehn Stunden mehr in der Woche, in denen ich in Zügen und Autos herumsitze und nicht tun kann, was ich will.

Und obwohl im Büro eigentlich nichts Besonderes passiert, bin ich platt abends. So viel, was ich tun möchte, tun könnte, und alles bleibt liegen. Ich kriege nichts mehr auf die Reihe. Selbst am Wochenende muss ich mich am Nachmittag hinlegen, weil ich so müde bin.

Ich habe Angst, dass es jetzt die ganze Zeit so weiter geht. Dass alles, was mir etwas bedeutet, auf der Strecke bleibt, bleiben muss, weil der neue Job und diese ganze Situation zu viel Energie frisst. In den letzten Tagen denke ich wieder häufiger an meinen Krebs, an das katastrophale letzte Staging. „Das geht hier alles nicht gut“, kommt immer wieder in meinem Kopf hoch. „Mach dir nichts vor, irgendwo in deinem Körper ist er munter am Wachsen.“ Sobald nur ein kleines Wehwehchen zu spüren ist, kommen die Gedanken an Metastasen hoch.
Der Kopf sagt, ich habe zu wenig Sport gemacht (deswegen zwackt es ab und an), war erkältet, die ganze Situation ist ungewohnt und stressig. Das ist nichts, sagt der Kopf, das letzte Staging war ätzend, aber in Ordnung. Du bist nur überempfindlich, denk nicht weiter darüber nach.

Aber das klappt nicht, und ich denke doch oft an meinen Krebs. Habe ein schlechtes Gefühl meinem Körper gegenüber, traue ihm nicht. Ich denke viel und habe doch eigentlich keine Kraft, mich gerade damit auseinander zu setzen. Ich will am liebsten nichts davon wissen. Selbst diesen Post zu schreiben, war eine enorme Anstrengung irgendwie.

Im Augenblick frage ich mich, was es mich kosten wird, diese Monate der Einarbeitung durchzuhalten. Und doch geht es nicht anders, ich muss da durch und halte mich an der Hoffnung fest, dass es nach der Eingewöhnung doch besser wird.

Stachel

Die zwei Wochen Metastasenverdacht haben alles erschüttert. Ich traue dem Ganzen nicht. Immer wieder muss ich mir selbst sagen „es ist alt, es geht dir gut“. Aber ich habe so viele Fragen noch, habe irgendwie immer das Gefühl, ich muss nach der Lücke in der Logik suchen. Was genau haben sie in den alten MRTs gesehen? Und wieso ist das vorher nicht aufgefallen? Und was haben sie denn nun in diesen runden Dingern gefunden wenn keine Tumorzellen? Warum …? Was …? Wieso …? Aber wenn …?
Da ist ständig die Angst, dass die Ärzte sich geirrt haben. Dass sie das jetzt einfach leichtfertig angenommen haben. (Was mein Professor nie tun würde! Mein Kopf weiß das! Und dass das alte=inaktive Metastasen sein könnten, war immer eine der Möglichkeiten.)
Ständig habe ich das Gefühl, ich muss ganz, ganz, ganz sicher sein, dass es auch wirklich so ist.

Aber das kann ich nicht.

So oder so ist immer alles eine Interpretation der vorhandenen Fakten. Ohne die Biopsie war es klar, dass eine neue Therapie ins Haus steht. Jetzt ist das vom Tisch. Diskutieren kann ich das im Augenblick nicht, Professor Koryphäe ist in Urlaub. Er hat ja sogar an seinem ersten Urlaubstag noch meinem Befund hinterher telefoniert und ihn dann mit seinen Kollegen diskutiert, ehe er mich angerufen hat. Um mir zu sagen, dass jetzt akut keine Gefahr besteht. Dass es alte Metastasen sind.
Ich werde versuchen, die Radiologin irgendwie zu erreichen, mit der er das alles diskutiert hat.

Aber die Angst ist da. Dass die Bilder lügen, irgendwie. Dass die Histologie lügt. Dass es dicke Ende doch noch kommt. Dass ich nicht davon gekommen bin, dieses Mal.
Da ist gerade kein Vertrauen mehr. Nicht in meinen Körper, nicht in CTs oder MRTs, nicht in Blutwerte oder Histologien.

Es ist immer so, dass ich Zeit brauche. Das ist nach jedem Staging so. Es ist klar, dass ich nach diesen Wochen noch mehr Zeit brauchen werde, den Einschlag zu verdauen. Dass ich die verständnislosen Blicke ertragen muss, warum ich nicht wild tanzend durch die Gegend renne. Dass ich nicht weine vor Erleichterung. Dass ich nicht ständig lache.

Die Freude will sich nicht einstellen, immerhin kommt immer mehr die Erleichterung. Aber diese zwei Wochen sitzen wie ein Stachel in mir und pieken und stechen und pricken.

Zwangspause

Das Becken ist gestanzt, schlimm war es nicht, aber ich hätte gerne auf den Augenblick verzichtet, als die Ärztin mit deutlicher Besorgnis in der Stimme sagte, dass die Nadel jetzt verbogen sei und sie hoffentlich nicht abbricht (im Knochen). Tat sie nicht, glücklicherweise.
Am Ende hatte sie vier Bröckchen, nicht viel, aber es wird hoffentlich reichen. Wenn nicht – zurück auf Los.

Der Befund wird (mindestens) bis Ende der nächsten Woche dauern. Während ich gestern nach der Untersuchung noch fest entschlossen war, diese Woche Zwangspause vor dem Thema zu genießen (und auch recht gute Laune hatte), laufe ich heute wie ein Gespenst durch die Gegend und weiß nichts mit mir anzufangen. Bin latent davor, in Tränen auszubrechen und habe keine Idee, wie ich mich ablenken kann. Sport darf ich nicht, immerhin haben sie ja gestern erst den Knochen angebohrt.

Alles Mist 😦

Kreis

– Ich bin verloren, wenn das morgen nicht gut geht.
– Warum sollte es nicht?
– Mach dir nichts vor, irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo es nicht mehr gut geht.
– Muss doch nicht jetzt sein.
– Die Therapie läuft jetzt zwei Jahre, Zeit genug für Krebszellen, die nicht ansprechen, sich munter zu vermehren.
– Vielleicht gibt es keine. 
– Statistik, Schätzchen. Es gibt immer welche.
– Der Sport hat sie ausgerottet.
– Träum weiter.
– Es geht mir doch gut.
– Wenn du die Metas erst merkst, ist es eh zu spät.
– Das letzte Staging ist erst 13 Wochen her. Da war doch alles OK.
– Warum will der Professor dann nicht den Abstand erhöhen? Zu gefährlich, sagt er.
– Die Therapie hat gut angeschlagen. Die hält.
– Und wenn nicht? Ich bin verloren, wenn das morgen nicht gut geht.
– Warum sollte es nicht?
– …

morgen

Bis gestern war alles gut. Ab und an Nervositätsanfälle, aber sonst OK. Nicht immer bester Laune, manchmal melancholisch, manchmal antrieblos und auch leichter überfordert. Aber alles in Grenzen. Heute Morgen war es dann damit vorbei. Erst Durchfall wegen der Nervosität, immer wieder zog sich mir alles zusammen. Das Gefühl, zu fallen.
Kopfschmerzen seit Dienstag. Sonst habe ich mal drei Tage, oder vier. Heute ist der sechste. Ich versuche, nicht zu denken. Klappt nicht.

Laufen hilft ja immer. Aber nicht heute. Heute hatte ich das Gefühl, ich bin schon außer Atem, ehe ich bei der Laufstrecke ankomme. Beim Joggen atme ich am Limit, obwohl ich nicht anders unterwegs bin als sonst. Brust fühlt sich eingeschnürt an, der Mund ist manchmal so trocken, dass ich nicht schlucken kann. Die Gedanken kreisen nur um das Staging, wie ich reagiere, wenn die Ärztin vom CT mich morgen betreten ansieht. Was dann aus dem neuen Job werden soll. Aus meinem Leben. Komme nicht davon runter.
Das Atmen wird immer schwerer beim Laufen, obwohl ich langsamer werde. Mir ist nach Heulen zumute. Gedanken an Lungenmetastasen kommen und gehen nicht wieder weg. Sie sind immer noch da.

Ich mag mich verkriechen, nichts hören, nichts sehen, aber schlafen kann ich nicht. Ich wünschte, es wäre schon morgen. Und eine Minute später wünsche ich mir das lieber doch nicht.

des Pudels Kern

„In Zeiten des Wechsels“, sagt meine Psychologin, „müssen Dinge zurückstehen, die man sonst intensiv macht.“

Noch geht es, noch fühlt es sich gut an, so unter Dampf zu stehen. Nicht immer, aber meistens. Immer dann nicht, wenn mir auffällt, was wieder alles liegen geblieben ist. Wie viele Kommentare ich im Kopf hatte beim Lesen der Blogartikel und sie doch nicht geschrieben habe. Oder der Mails. Oder den Anrufen. Oder, oder, oder …

Noch geht es gut, und doch weiß ich, dass sie Recht hat. Es kann so nicht weitergehen oder es wird mich richtig umhauen. Es zeichnet sich ab, dass das Ende des einen Jobs nicht wirklich entspannt sein wird, weil es niemanden gibt, an den ich in gesitteter Weise was übergeben kann. Das heißt, dass es sich alles am Ende drängelt. Nicht gut.
Und lange ist das nicht mehr hin, das Ende. Gut sechs Wochen …

Ja, ich muss irgendwo abspecken, aber ich weiß nicht, wo. Kann das gerade nicht entscheiden. Nein, will es nicht. Will einfach so weiter machen. Will nicht einsehen, dass es nicht geht. Plane haufenweise Dinge für November, obwohl ich da noch in der Einarbeitung bin. Wie bekloppt. 😦
Dabei war es mir klar, dass der Jobwechsel erst einmal Zeit und Aufmerksamkeit fressen wird, ehe das alles wieder in geregelten Bahnen läuft. Und handele nicht danach.

Aber ich glaube, des Pudels Kern liegt an andere Stelle. Zur Ruhe zu kommen gibt Raum für Gedanken. Gedanken an das nächste Staging. Und die will ich nicht.

Meine Hoffnung ist, dass es danach besser wird, dass ich loslassen kann von dem ganzen Trubel, wenn das durch ist. Das Staging danach ist dann erst nach der Einarbeitung vor Ort (im Dezember). Vielleicht kann ich dann ruhiger werden, Fahrt rausnehmen. Das eine abschließen und das nächste anfangen.

Warum muss das Leben so kompliziert sein?

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