Staging 08/2012 (CT und MRT)

Montag:
Schon komisch, wenn man gleich mit Namen begrüßt wird in der Praxis. Nett, aber komisch. Ich bin zu oft da, sagt mir das. Aber so ist es halt.

Das CT ging schnell, dann dauerte es um so länger. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr lesen und habe nur noch mit hämmerndem Herzen aus dem Fenster gestarrt.
Dann rein zur Ärztin, und ich mochte sie gar nicht ansehen. Ich hatte immer noch dieses Bild im Kopf, wie sie mich im Juni 2010 angesehen hat, damals als die Metastasen gefunden worden sind. Traurig, so traurig.

Aber heute hat sie gelächelt. Alles wie immer. Alles gut 🙂
Ich habe ihr gesagt, wie gerne ich sie lächeln sehe, wenn ich reinkomme, da hat sie noch mehr gestrahlt. Sie fragte, was aus meiner Bewerbung geworden sei. Und sie hat sich mächtig mit mir gefreut, dass es geklappt hat.

Als ich raus war, habe ich erst einmal geatmet. Tief, wieder und wieder. Und dann ging auch langsam der Druck aus meiner Brust weg. Nicht ganz, das wird noch ein paar Tage dauern. Aber doch spürbar 🙂

Morgen dann MRT. Das wird auch wieder ein Kampf, aber wie immer um den Befund …

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Gewagt … und gewonnen!

Gestern kam der Anruf – ich kann die Stelle haben, wenn ich will. Was für eine Frage – ich will! 😀

Derzeit herrscht hier Ausnahmezustand! Nach dem Anruf hatte ich stundenlang einen erhöhten Puls, ist cool, wenn das mal von einer positiven Nachricht kommt. Natürlich dauerte es nicht lange, ehe dann im Kopf die „to do“-Liste erschien, sowohl bezüglich des alten Jobs wie auch meiner Therapien und Untersuchungen. Aber da ich noch nicht sicher weiß, wann genau es losgehen kann mit einer Einarbeitung vor Ort, müssen diese Planungen warten. Irgendwie wird es sich schon zurechtpuzzeln (müssen).

Und bis dahin muss ich zusehen, dass ich in meinem alten Job gut die Kurve kriege und alles aufgeräumt hinterlasse … das wird ein spannendes Rest-Jahr!

Staging 05/2012 (CT und MRT)

Montag:
Mehr schlecht als recht ist das Wochenende rum gegangen. Es ist so ätzend, morgens aufzuwachen und fast augenblicklich krampft sich der Magen zusammen.
Hingefahren, im Stau gestanden, gerade noch rechtzeitig gekommen, sofort dran gekommen.
Dann warten. Warten.
Warten.
Das Gespräch dann war eher kurz – alles unverändert. Alles gut. 😀

Die Ärztin wusste sogar noch, dass ich nach dem letzten Mal in Urlaub gefahren bin und fragte, wie es gewesen sei. Wir sprachen dann noch kurz über den emotionalen Stress, den das immer macht und sie sagte, nach 10 Jahren wird das wohl mal besser. Bei mir nicht, sagte ich dann, wo doch nach 8,5 Jahren die Metastasen gekommen waren. Das musste sie dann zugeben, dass ich die Ängste wohl nie los werde.
Nee, sicher nicht. Aber mich hat ihr spontaner Spruch trotzdem gefreut, war er doch für mich ein Signal – sie hält es für möglich, dass es noch ein paar Jahre so weiter geht. Ich habe nichts dagegen 🙂

Dienstag:
Ich hatte wieder die übliche Diskussion mit den Damen am Empfang wegen des Faxen des Berichts. Sie weigerten sich, das zu machen, es sei ihnen vom Chef verboten worden. Man wisse ja schließlich nicht, wer am anderen Ende das Fax in Empfang nehmen würde. Ich hatte ein Vollmacht mitgebracht, extra für den Befund, unterzeichnet von mir und mit der Faxnummer. Und doch wollten sie es nicht tun.
Boh, ich hatte einen so dicken Hals, ich hätte fast nicht in die Röhre gepasst! Dazu werde ich dem Chef der Praxis einen Brief schreiben, ich finde, das geht so nicht.

Den Befund jedenfalls kriegte ich dann heute von meiner onkologischen Praxis, ich hatte sie gebeten, mir den gleich weiterzuleiten, wenn sie ihn bekommen.

Alles gut, auch hier. 😀 Uff. Und sogar ist noch eine der Läsionen in der Leber nicht mehr auffindbar. Hah, die will ich auch nicht wieder haben!

Einen Besprechungstermin wird es mit Professor Koryphäe dieses Mal nicht geben, er ist unterwegs. Und glücklicherweise gibt es ja auch nichts zu besprechen 😀

So allmählich nimmt die eine Aufregung wieder ab und die andere kommt. Aber dazu nachher mehr. Wenn ich noch den Nerv habe …

Schon wieder gewagt …

… und immerhin ein Bewerbungsgespräch (eher einen Bewerbungsmarathon von 3 Stunden) gewonnen.

Drückt mir die Daumen 🙂

wieder da …

… und eigentlich auch nicht. Meine Gedanken sind noch im Urlaub …

Es waren wunderbare drei Wochen, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht hätten. Ganz oben auf der „schade-Liste“ steht, dass erst mein Mann, dann ich krank waren. Er hat die Erkältung der Klimaanlage im Flugzeug zu verdanken, ich dann ihm … Es hat uns nicht wirklich abgehalten, was zu unternehmen, aber wir hätten an einigen Tagen doch mehr davon gehabt, wären wir gesund gewesen. Leider ist dem Husten auch mein Vorhaben „Paragliding“ zum Opfer gefallen. Aber das war mir einfach zu riskant 😦

Das Wichtigste ist aber – ich habe zweieinhalb Wochen Auszeit gehabt. Keine Termine, keine Ärzte, kaum Gedanken an Krebs, kein Stress und Hektik. Das war einfach toll, fiel mir aber natürlich dann erst so richtig auf, als es auf das Ende des Urlaubs zuging, und die Gedanken wiederkamen. Da ist mir so richtig bewusst geworden, was mich dann wieder hier in Deutschland erwartet: Arzttermine, Nachsorgetermine, Auseinandersetzen mit meinem Krebs.
Das Gefühl, dass ich vielleicht nie wieder hierher kommen könnte, wurde da fast übermächtig, und das hat mich sehr runtergezogen. Glücklicherweise waren das nur die letzten zwei, drei Tage, und ich konnte es bis zum letzten Tag ganz gut im Griff halten (aber dann war’s echt vorbei 😦 ).

Die Traurigkeit, dass der Urlaub jetzt rum ist, und die Angst, dass es vielleicht nie wieder etwas wird, sitzen mir immer noch im Nacken. Aber ich versuche, mich an den vielen, vielen tollen Erinnerungen zu erfreuen und einen Teil der Entspannung zu retten. Deswegen – ein paar Bilder wird’s schon noch geben, aber das kann noch ein paar Tage dauern, ebenso wie das Lesen Eurer Blogs 😉

Staging 01/2012 (CT und MRT)

Montag:
Heute morgen war das CT vom Thorax. Ich habe lange, lange gesessen, ehe ich in die Besprechung konnte, und das tat mir nicht gut. Ich hatte Mühe, meine Gedanken im Zaum zu halten. Auf Anregung meiner Psychologin hatte ich ein Heft über Neuseeland mit, darin habe ich auch geblättert, viel verstanden von dem Text habe ich nicht. Aber das war eh nicht Sinn der Sache.
Als ich dann rein konnte, hat die Ärztin sofort gesagt: „Keine Änderung, sieht aus wie beim letzten Mal.“

Sehr gut. 🙂
Das erste, was ich sagte war: „Dann kann ich ja beruhigt in den Urlaub fahren.“

Morgen dann das MRT, Freitag die übliche Besprechung mit Professor Koryphäe, später am Tag noch einen Termin bei der Psychologin, der letzte vor dem Urlaub.

Dienstag:
Nach den Erfahrungen im Oktober, als mir die Praxis meinen eigenen Befund verweigert hat, habe ich dieses Mal gleich eine Vollmacht mitgenommen, damit sie keine Entschuldigung haben, mir den Befund nicht zu faxen. Und was ist passiert? Nix. Also muss ich da morgen wieder hinterher jagen.

Erst habe ich keinen erreicht, dann habe ich bei meinem Onkologen angerufen. Die hatten auch noch kein Ergebnis. Also wieder die MRT-Praxis angerufen, und noch während ich in der Warteschleife war, klingelte mein Fax.

Der Befund. Alles wie beim letzten Mal 🙂

Für die Gespräche am Freitag mache ich dann extra was.

Schatten

Gestern war ich zur Mammographie, und obwohl meine Frauenärztin erst im Dezember einen Ultraschall der Brust gemacht hatte, bei dem alles OK war, hatte ich wieder die Hose voll. Dieses Mal sogar im wahrsten Sinne des Wortes, weil sich der nervositätsbedingte Durchfall mit den letzten Auswirkungen des Noro-Virus zusammengetan hat. Bäh.
Die Mammo war in Ordnung, alles prima. Nächster Termin nächstes Jahr. Aber das war nur der Auftakt des Januar-Ärzte-Marathons.
Nächste Woche ist der erste Termin bei der Psychologin. Wieder so ein Nervositätsfaktor, einfach weil ich nicht weiß, was mich dort erwartet. Der Fragebogen … liegt hier noch. Ich weiß, es ist blöd, davor Angst zu haben, aber so ist es halt.
In zwei Wochen dann wieder CT und MRT, das nächste Staging. Das ist noch nicht in meinen bewussten Gedanken angekommen, aber ich schlafe wieder schlechter, habe abends oft Herzrasen. Die allgemeine Stimmung ist latent gedrückt, es wir mir wieder schnell alles zu viel. Und gerade jetzt kann ich wieder keinen Sport machen, weil der Noro mich ausgeknockt hat. Ich hoffe, dass es nächste Woche wieder geht, und ich dann auch wieder etwas Schwung kriege.

Was mich aber am meisten ärgert ist, dass es mir die Urlaubsplanung vermiest. Sonst bin ich immer wie ein Kind auf meinem Stuhl auf und ab gehopst, voller Ideen, was wir alles machen könnten. Dieses Mal fällt es mir seltsam schwer, eine Route festzulegen. Wenn es nicht langsam Zeit gewesen wäre, die ersten Motels zu buchen – ich hätte bisher nichts gemacht. 😦
Ich will mich freuen, ich will planen und hänge doch nur ab. Es nervt.

Aber auch ohne die übliche Vorfreude – der Urlaub kommt. In vier Wochen sind wir schon unterwegs, irgendwo zwischen Asien und Australien 🙂

Frohes Fest!

Seit ich mich erinnern kann, war ich vor Weihnachten eher gedrückter Stimmung. So wirklich erklären konnte ich mir das nie, und irgendwann habe ich es einfach so hingenommen und nicht mehr versucht, das verstehen zu wollen.
Dieses Jahr ist die Vorweihnachtszeit an mir vorbei gehuscht, hektisch zugegebenermaßen, aber immerhin ohne Sentimentalitäten.

Jetzt ist der Trubel vom Heiligen Tag schon vorbei, und die ruhigen Tage beginnen. Wie schön es ist, allein am Tannenbaum zu sitzen, ein paar Fotos zu machen, während alle anderen noch schlafen 🙂

Ich wünsche Euch allen geruhsame Tage, viele tolle Geschenke (und ich meine nicht die materiellen Dinge) und schöne Stunden im Kreis Eurer Lieben.

Blog-Geburtstag – ein Jahr Carpe Tempus!

Heute vor einem Jahr schrieb ist den ersten Eintrag auf dem Blog. Da war er noch privat, nur für mich. Die ersten Einträge waren noch voller Zweifel, ob so ein Blog das Richtige für mich ist. Nicht unbedingt, weil ich mich nicht öffnen wollte (damit hatte ich bezüglich der Krankheit nie ein Problem), sondern weil ich das Gefühl hatte, ich habe mir selbst genug zu tun, da muss ich mir die Probleme der anderen nicht auch noch aufhalsen.

Heute frage ich mich, wieso ich so lange die andere Seite der Medaille nicht gesehen habe. Natürlich leide ich mit, wenn es den befreundeten Blogschreiberinnen nicht gut geht, und Reginas Tod hat mich ganz schön getroffen. Aber ich nehme so viele gute Gedanken bei Euch anderen mit, Anregungen und Freude. Das möchte ich nicht mehr missen und ich bin froh, dass ich meinen Blog öffentlich gestellt habe und ein Teil dieser Gemeinschaft sein kann.

Fast 13000 Besucher waren in diesem einen Jahr auf meinem Blog, 75 Artikel, fast 500 Kommentare. Unerwartet viel 🙂

Danke an Euch da draußen, dass Ihr ab und an hier bei mir vorbei kommt und dass ich bei Euch mitlesen kann 😀

Eure Jenneke

PS: Der letzte Artikel ist jetzt einen Monat her, so lange Zeit hatte ich noch nie dazwischen. Das kann nur eines bedeuten – es geht mir gut 😀 Die Tage werde ich berichten, was ich so getrieben habe 😉

farblose Welt

Im Augenblick kommt mit mir mein Post von Freitag wie eine Trotzreaktion vor, ein Wegschieben. Mir geht es doch gut. Reginas Schicksal ist nicht meines.

Nein, das ist es nicht. Mein Schicksal ist mein eigenes. Und doch betrifft mich ihr Tod mehr, als ich mir eingestehen wollte. Ich denke viel an sie, war auch noch mal wieder auf der Webseite zum Lesen. Ich kannte Regina nur über ihre Seite, doch sie hat mich tief beeindruckt mit dem, was sie da geschrieben hat. Ich habe keine Ahnung, ob ich so gut mit allem werde umgehen können, falls mich das Schicksal in ihre Fußstapfen schickt.

Ich bin in einer seltsamen Stimmung gerade. Die Welt kommt mir ein wenig farblos vor. Das Wetter heute passte gut dazu, und ich bin raus gegangen, meine Kamera dabei. Windstill am Kanal, feucht, kalt, wie von Wolken zugedeckt.

Die Welt ist ein bisschen ärmer geworden, farbloser. Und komme ich auch immer wieder dahin, mir zu sagen – es geht mir gut, jetzt gerade. Genieße es.


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