383

Heute ist ein ganz besonderes Datum, heute vor einem Jahr habe ich mich erstmals auf die Piste gewagt und habe das Joggen angefangen. Seit dem habe ich 383 Kilometer laufend zurückgelegt, Wahnsinn! Am Anfang noch mit Gehpausen, aber die sind ja Teil des Trainings gewesen. Wenn ich mein Walking zur und von der Laufstrecke mitrechne, komme ich sogar auf 564 zurückgelegte Kilometer. 😀

Ich bin sehr froh, dass ich von Anfang an ein Lauftagebuch geführt habe. Da wird mir wieder sehr klar, wie viel ich im letzten Jahr geschafft habe. Und schön zu sehen, wie sich das Laufen zum „ich will raus“ entwickelt hat.

Nach den 2 Minuten habe ich gedacht, ich breche zusammen.
[Lauf 1, 1x2min Joggen]

Mir taten schon die Waden weh, bevor ich die Laufstrecke erreicht habe.
[Lauf 5, 3x2min Joggen]

Die dritten 2min waren hart, hatte hinterher Luftnot.
[Lauf 7, 3x2min Joggen]

Obwohl es nur zwei Minuten länger Laufen ist, ist das echt was anderes. Jetzt zittern mir die Knie.
[Lauf 12, 6x3min Joggen]

Es nieselte, aber das war egal, die Luft war gut. Ich war schon ganz maulig, weil es erst so aussah, als ob ich nicht raus könnte.
[Lauf 21, 4x6min Joggen]

Juchu!!!!! Geschafft! 30min am Stück gelaufen. Sehr cool, dass das geht. Ich bin happy!
[Lauf 31, 30min Joggen]

War unsicher, ob ich heute laufen sollte, mein Puls war die ganze Zeit schon so hoch. Aber ich wollte, die ersten 6km. Und geschafft! Bin stolz 🙂
[Lauf 54, 6km, 61min Joggen]

Wenn mir das vor einem Jahr einer erzählt hätte, dem hätte ich einen Vogel gezeigt.
Auch heute (Lauf 88) bin ich wieder 61 Minuten gelaufen, habe dabei aber fast 7km geschafft. Sehr cool. Nie hätte ich das geglaubt, dass ich das in meinem Alter noch lernen kann. Und noch erstaunlicher – dass es mir auch noch Spaß macht 😀

Projekt 10

Nach dem Urlaub war ich ein paar Mal laufen, und immer kam es mir so vor, als wäre ich viel zu schnell wieder zuhause. Nicht, dass ich besonders schnell gelaufen wäre, oder dass ich noch so viel weiter gekonnt hätte. Aber ich hatte das Gefühl, ich würde gerne noch.

Den ganzen Winter hatte ich überlegt, was ich denn mit dem Laufen will. Spaß, ja klar, aber wie? Schneller oder weiter? Auch wenn die 10 Kilometer schon auf der „Wünsche für 2012“ standen, so ganz klar war mir das noch nicht.

Nach meiner Urlaubspause war es nun ganz klar. Nicht schneller aber weiter. 😀 Und da mit ist das Ziel für 2012:

10 Kilometer Joggen

wieder da …

… und eigentlich auch nicht. Meine Gedanken sind noch im Urlaub …

Es waren wunderbare drei Wochen, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht hätten. Ganz oben auf der „schade-Liste“ steht, dass erst mein Mann, dann ich krank waren. Er hat die Erkältung der Klimaanlage im Flugzeug zu verdanken, ich dann ihm … Es hat uns nicht wirklich abgehalten, was zu unternehmen, aber wir hätten an einigen Tagen doch mehr davon gehabt, wären wir gesund gewesen. Leider ist dem Husten auch mein Vorhaben „Paragliding“ zum Opfer gefallen. Aber das war mir einfach zu riskant 😦

Das Wichtigste ist aber – ich habe zweieinhalb Wochen Auszeit gehabt. Keine Termine, keine Ärzte, kaum Gedanken an Krebs, kein Stress und Hektik. Das war einfach toll, fiel mir aber natürlich dann erst so richtig auf, als es auf das Ende des Urlaubs zuging, und die Gedanken wiederkamen. Da ist mir so richtig bewusst geworden, was mich dann wieder hier in Deutschland erwartet: Arzttermine, Nachsorgetermine, Auseinandersetzen mit meinem Krebs.
Das Gefühl, dass ich vielleicht nie wieder hierher kommen könnte, wurde da fast übermächtig, und das hat mich sehr runtergezogen. Glücklicherweise waren das nur die letzten zwei, drei Tage, und ich konnte es bis zum letzten Tag ganz gut im Griff halten (aber dann war’s echt vorbei 😦 ).

Die Traurigkeit, dass der Urlaub jetzt rum ist, und die Angst, dass es vielleicht nie wieder etwas wird, sitzen mir immer noch im Nacken. Aber ich versuche, mich an den vielen, vielen tollen Erinnerungen zu erfreuen und einen Teil der Entspannung zu retten. Deswegen – ein paar Bilder wird’s schon noch geben, aber das kann noch ein paar Tage dauern, ebenso wie das Lesen Eurer Blogs 😉

2012

Einen Jahresrückblick werde ich an meinem Geburtstag schreiben, dem 9. Januar. Nicht der vor 40 Jahren, aber der vor 10 Jahren 🙂
Aber trotzdem beginnt jetzt ein neues Jahr, und ich habe eine ziemlich lange Wunschliste für die kommenden 365 Tage. Ich hoffe, dass ich am Ende ein positive Bilanz ziehen kann.
Die Liste ist nicht erschöpfend und bis auf den ersten Punkt, der mir natürlich am Wichtigsten ist, nicht unbedingt als Reihenfolge zu verstehen.

  • Gesundheit (in meinem Fall – kein weiteres Metastasenwachstum)
  • Spaß haben!
  • viel Zeit für mich
  • eine eigene Himbeere pflücken
  • 10 km laufen
  • einen entspannten Ehemann
  • eine neue Rose pflanzen
  • viel Zeit mit meinen Lieben
  • den Roman beenden
  • Neuseeland ohne Pannen
  • neuen Job
  • Meditieren lernen
  • mindestens ein Konzert besuchen (gerne auch mehr)
  • 5 kg abnehmen
  • neues Auto
  • Skydive oder Paragliding
  • einen Fotokurs machen
  • Zeit mit meinen vier Nichten verbringen
  • eine Pergola für die Terrasse

Ich wünsche Euch ein entspanntes und gesundes Neues Jahr! Möge sich die Glückswaage am Ende zur guten Seite neigen.

Selbstfürsorge

Ich habe mich nach Weihnachten mit einer lieben Freundin getroffen. Ich hatte ein bisschen Angst vor dem Treffen, da sie seit ein paar Monaten wegen Depression in Behandlung ist und ich nicht abschätzen konnte, wie sie drauf sein würde. Aber es war ein netter Abend, voll intensiver Gespräche.

Eines davon ging über Selbstfürsorge, etwas, das sie nicht genug betreibt. Ich kenne das von mir auch, das ist wie ein Reflex: erst die anderen, dann ich. Doch während wir sprachen, ist mir aufgangen, dass sich das bei mir etwas verändert hat. Ich schrieb ja schon in meinem Weihnachtspost, dass dieses Jahr die übliche Depri an mir vorbei gegangen ist.
Je länger ich jetzt darüber nachdenke, desto mehr schreibe das meiner veränderten Einstellung zu. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das letztes Jahr empfunden habe (nämlich so wie sonst) – so viel zu tun, dass ich selbst mit meinen Bedürfnissen auf der Strecke geblieben bin. Das, was mir wichtig war, ist hinten runter gefallen.
Aber dieses Jahr, ist mir aufgegangen, war das anders. Da bin ich am 23. Dezember ins Fitness-Studio gegangen, weil mir das gut tut, weil mir das wichtig ist, weil ich das für mich wollte. Dafür habe ich keine Weihnachtsemails versendet. Bis heute nicht übrigens, es werden jetzt Jahresendgrüße 😉

Natürlich habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, aber es hält sich in Grenzen. Ich bin froh, dass ich es so gemacht habe und hoffe darauf, dass mir das in ähnlichen Situationen auch wieder einfällt. 😀

Frohes Fest!

Seit ich mich erinnern kann, war ich vor Weihnachten eher gedrückter Stimmung. So wirklich erklären konnte ich mir das nie, und irgendwann habe ich es einfach so hingenommen und nicht mehr versucht, das verstehen zu wollen.
Dieses Jahr ist die Vorweihnachtszeit an mir vorbei gehuscht, hektisch zugegebenermaßen, aber immerhin ohne Sentimentalitäten.

Jetzt ist der Trubel vom Heiligen Tag schon vorbei, und die ruhigen Tage beginnen. Wie schön es ist, allein am Tannenbaum zu sitzen, ein paar Fotos zu machen, während alle anderen noch schlafen 🙂

Ich wünsche Euch allen geruhsame Tage, viele tolle Geschenke (und ich meine nicht die materiellen Dinge) und schöne Stunden im Kreis Eurer Lieben.

Schnipsel (1)

Ich jogge auf eine Familie zu, drei Erwachsene, ein Junge auf einem Laufrad, ein Kinderwagen.
Der Junge bleibt wie angewurzelt stehen, guckt mich mit großen Augen an. „Warum läufst du so schnell?“, fragt er mich.

Ich grinse ihn an. „Weil es mir Spaß macht“, kommt meine spontane Antwort. So spontan, dass es wohl die Wahrheit sein muss. 😀

Mitkommen wollte er aber nicht.

produktive Wochen

Die letzten Wochen ging es mir so richtig gut, dieses Gefühl kann auch die Nasennebenhöhlensauerei, die mit ein paar Tagen Fieber daher ging, nicht vertreiben. Ich habe ein neues Projekt bei der Arbeit, das anspruchsvoll ist und mich mit neuen netten Leuten zusammengebracht hat. Ich habe viel gearbeitet, aber es hat mich nicht gestört 🙂
Und nach der Arbeit habe ich viel außerhalb des Rechners gemacht, mir ordentlich Zeit für mich selbst genommen, und das hat mir so richtig gut getan. Mal wieder gebastelt, Kekse gebacken, gemalt, viel geschrieben, mir selbst eine neue Kamera geschenkt und vor allem seit Jahren mal wieder gestrickt.

Erste Ausbeute sind hier neue Handschuhe.
Ich mag einen langen Schaft, weil mir sonst immer die Handgelenke kalt werden. Alle meine Handschuhe haben vorne keine Spitze – ich kann es nicht haben, wenn ich nicht fühle, was ich gerade anfasse.
Dieses Mal war knallig-grüne Plüschwolle dran. Die Handschuhe sind jetzt so dick und kuschelig geworden, dass ich auf mindestens -10 Grad hoffe, damit ich sie auch mal anziehen kann 😉
Wolle habe ich noch, auch schwarz mit Knubbeln, vielleicht gibt es als nächstes einen passenden Schal dazu. Jetzt, wo sich keine langen Haare mehr von Synthetikwolle aufladen, kann ich das ja machen 🙂

Aber erstmal stricke ich diese Handschuhe fertig: auch wieder mit langem Schaft, aber dieses Mal mit richtigen Fingern dran (aber ohne Spitze, wie es sich gehört). Da die Wolle feiner ist, dauert’s natürlich länger 😉 Aber der Weg ist das Ziel.

Fäustlinge stehen auch noch auf meinem Programm, ich habe da noch dieses wunderbare melierte Garn in schwarz-grau-weiß, auch ziemlich dick, aber wunderbar flauschig 😀

Ansonsten habe ich gelernt, wie man es anstellt, nicht die Leute zu erschrecken, wenn man auf einem schmalen Weg von hinten auf eine Gruppe Gehörlose zuläuft, dass es hilft, die wippenden Brüste beim Laufen in Schach zu halten, indem man den BH enger stellt (yeah!) und dass Joggen bei Sturmböen keinen Spaß macht (kalt ist egal, aber der Wind …). Bis auf die zwei Wochen Auszeit durch die meine widerspenstige Nase habe ich es aber tatsächlich zwei Mal die Woche geschafft, draußen zu laufen. Ich hoffe, ich komme so durch den Winter 🙂

Demnächst muss ich mich mit diesem großen Umschlag beschäftigen, der mich die Tage erreicht hat. Er ist von der Psycho-Onkologin als Vorbereitung für unseren ersten Termin Anfang Januar. Ich hab’s mal überflogen und dann weggelegt. Vieles bezieht sich auf den Monat vor dem Termin, das kann ich jetzt noch nicht ausfüllen (wieso denke ich hier „Glück gehabt“?). Doch der Umschlag liegt hier und zieht unweigerlich meine Blicke an …

Es haben sich noch mehr Schnipsel angesammelt, eigentlich zu klein für einen Post, aber vielleicht fange ich eine neue Kategorie dafür an 😉

Erstaunlicherweise ist bisher meine übliche Vorweihnachts-„mir geht alles auf den Senkel“-Stimmung ausgeblieben, und ich hoffe, dass es so bleibt. Allerdings schiebe ich auch noch das leidige Geschenke-Thema vor mir her 😉

In diesem Sinne – ich wünsche Euch noch eine geruhsame Vorweihnachtszeit!

Has power!

Das ist ein Zitat aus einem alten Computerspiel. Das Männchen, was man lenkt, hat die Aufgabe, Dinosauriereier zu sammeln. Drei Stück auf einmal kann es tragen. Manchmal findet sich in einem Level aber eine Blume (Power Flower). Wenn man die aufsammelt, erscheint über der Figur der Spruch: „Has power!“ Und dann kann man viele, viele Dinosauriereier auf einmal einsammeln. Solange, bis man von einer Schlange oder Spinne gebissen wird 😉

Und so fühle ich mich gerade. Hab Energie. Und davon reichlich. Ich bin heute schon wieder eine neue Bestzeit gelaufen, gleich eine ganze Minute besser als die letzte. Zum ersten Mal unter 9 Minuten pro Kilometer (über meine 6 Kilometer). Wow 🙂
Ich wusele hier, krame da, und alles funktioniert. Schlafen tue ich so leidlich, aber da ich nicht ausgesprochen müde bin morgens, stört es mich gerade nicht so.

Doch mit der Energie geht eine gewisse Internetmüdigkeit daher. Ich mag derzeit nicht so viel surfen, auch Antworten auf Eure lieben Kommentare brauchen etwas länger. Ich lese noch alle Blogeinträge, aber Antworten ist im Augenblick etwas schwer für mich.
Keine Ahnung, warum. Vielleicht ist das Leben außerhalb des Rechners gerade so spannend. 🙂

Ich hoffe jedenfalls, dass mich lange keine Schlange erwischt und die Power Flower lange anhält. In diesem Sinne – mögt Ihr auch eine Energieblume zum Pflücken finden!

inne halten

Ich hatte einen Post geschrieben, gestern, der berichtete, dass es mir gerade so richtig gut geht. Dass ich mich über Kleinigkeiten freuen kann, wie über ein neues Laufshirt und die Akkuheckenschere. Dass ich so voller Energie bin, dass mir alles gelingt und ich ständig neue Bestzeiten laufe.
Ich schrieb, dass der Krebs gerade ganz weit weg ist.

Als ich den Artikel vor dem Veröffentlichen noch mal lesen wollte, hat WordPress ihn geschluckt und weg war er. Das Textfeld leer. 😦 Also fing ich neu an (unerschütterlich meine gute Laune derzeit). Doch dann kam die Nachricht von Reginas Tod, und ich war einfach nur traurig, dass sie gestorben war, und auch voller Angst, da ich mit ihr einen Weg verfolgt habe, der auch meiner sein könnte.
Mein Krebs war wieder da im Kopf, und ich habe den Artikel nicht rekonstruiert.

Und doch ist mir durch diese traurige Nachricht wieder sehr bewusst geworden, wie wichtig es für mich ist, bei all der Energie und den ganzen Dingen, die ich mache, auch mal inne zu halten und festzustellen – hey, es geht mir gut! Jetzt gerade ist das Leben toll und lebenswert, und ich genieße es!

Danke, liebe Regina, für die Erinnerung. Möge es Dir jetzt auch wieder besser gehen. Ich werde Dich nicht vergessen.

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