Verkriechen

Das CT war leider auch der Meinung, dass mein Becken Strukturen enthält, die da nicht hingehören. Auch der Befund spricht von Metastasen, aber eigentlich passt das alles jetzt noch weniger zusammen als vorher. Alle Widersprüche sind noch da – und noch mehr.
Mein Becken zeigt zwei Sorten von Auffälligkeiten. Runde Strukturen, die aussehen wie Blasen im Knochen und etwas, das aussieht, als hätte man mit dem Salzstreuer auf das CT-Bild gestreut. Beides passt nicht wirklich zu dem, was das MRT gezeigt hat. Die blasigen Strukturen (3 Stück) sind groß, das eine Teilchen 1,8cm, die anderen über einen 1cm. Für 3 Monate Wachstum zu groß. Es ist glatt begrenzt, das seltsam ist für eine Metastase, und sie ist streng im Knochen, die Knochenhaut ist glatt, nicht zerfressen, nicht ausgebeult. Untypisch.
Das andere Gestreusel sieht eher aus wie Metastasen, doch mit der Struktur hätte man es im MRT vermutlich nicht gesehen. Das ist möglicherweise alt. Die Veränderungen am Knochen gehen ja nicht wieder zurück.

Leider gibt es kein Vergleichbild, das hätte vieles leichter gemacht. Um das Rätselraten zu beenden, wird gestanzt. An den einen Kuller kann man gut dran kommen am Beckenkamm, also wird unter CT-Kontrolle eine Probe genommen. Sonst werden wir vermutlich nie rauskriegen, was da wirklich abgeht oder abgegangen ist.

Die neue Arbeitshypothese lautet also – (neue) Knochenmetastasen, bis wir das Gegenteil beweisen können. Als ich meinen Professor fragte, was es sonst sein könnte, hat er keine Idee gehabt. Er ist kein Knochenspezialist, und ich bin froh, dass er das so gesagt hat. Mit der Biopsie werden wir dann schlauer sein.

Tja.

😦

Alle sind erstaunt, wie gefasst ich bin. Der Radiologe vom Becken-CT hätte da vermutlich eine andere Meinung, dem bin ich (verbal) ziemlich ins Gesicht gesprungen, weil er sich im Ton vergriffen hatte. Ich habe den „Informationen sammeln, Entscheidung treffen, neuen Weg einschlagen“ – Zustand erreicht, kopfkontrolliert, der meine Emotionen ganz gut in Schach hält. Ich kann mich einigermaßen konzentrieren, kann sogar recht gut schlafen – wobei das was von „Decke über den Kopf ziehen“ hat. Aber wenn es geht, nehme ich den Schlaf mit. Durchhänger habe ich natürlich, aber der emotionale Einschlag kommt dann später. Wie stark er ausfällt, hängt vor allem davon ab, was am Ende der ganzen Untersuchungen steht. Aber selbst wenn sich das noch alles in Luft auflösen sollte (was immer noch möglich, wenn auch unwahrscheinlich ist), selbst dann wird mich das noch lange beschäftigen.

Ich könnte so viel schreiben darüber, was wieder in meiner Umgebung los ist, was das mit meiner Familie, meinen Freunden macht. Mit mir. Aber selbst dieser Artikel hat mich irgendwie seltsam viel Überwindung gekostet. Auch mit meinem normalen Tagebuch geht es mir so. Vielleicht brauche ich gerade die Höhle zum Verkriechen.
Dennoch freue ich mich über Eure Kommentare und das Daumendrücken, und sage Euch an dieser Stelle einen lieben Dank dafür. Danke, Ihr seid toll! 🙂

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