wieder da …

… und eigentlich auch nicht. Meine Gedanken sind noch im Urlaub …

Es waren wunderbare drei Wochen, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht hätten. Ganz oben auf der „schade-Liste“ steht, dass erst mein Mann, dann ich krank waren. Er hat die Erkältung der Klimaanlage im Flugzeug zu verdanken, ich dann ihm … Es hat uns nicht wirklich abgehalten, was zu unternehmen, aber wir hätten an einigen Tagen doch mehr davon gehabt, wären wir gesund gewesen. Leider ist dem Husten auch mein Vorhaben „Paragliding“ zum Opfer gefallen. Aber das war mir einfach zu riskant 😦

Das Wichtigste ist aber – ich habe zweieinhalb Wochen Auszeit gehabt. Keine Termine, keine Ärzte, kaum Gedanken an Krebs, kein Stress und Hektik. Das war einfach toll, fiel mir aber natürlich dann erst so richtig auf, als es auf das Ende des Urlaubs zuging, und die Gedanken wiederkamen. Da ist mir so richtig bewusst geworden, was mich dann wieder hier in Deutschland erwartet: Arzttermine, Nachsorgetermine, Auseinandersetzen mit meinem Krebs.
Das Gefühl, dass ich vielleicht nie wieder hierher kommen könnte, wurde da fast übermächtig, und das hat mich sehr runtergezogen. Glücklicherweise waren das nur die letzten zwei, drei Tage, und ich konnte es bis zum letzten Tag ganz gut im Griff halten (aber dann war’s echt vorbei 😦 ).

Die Traurigkeit, dass der Urlaub jetzt rum ist, und die Angst, dass es vielleicht nie wieder etwas wird, sitzen mir immer noch im Nacken. Aber ich versuche, mich an den vielen, vielen tollen Erinnerungen zu erfreuen und einen Teil der Entspannung zu retten. Deswegen – ein paar Bilder wird’s schon noch geben, aber das kann noch ein paar Tage dauern, ebenso wie das Lesen Eurer Blogs 😉

Winke, winke!

Meine Ärztin hat beim letzten Termin mit mir geschimpft, ich hätte zu viele Erwartungen, zu viel Erfolgsdruck an mich und diese drei Wochen. Aber die Vorfreude auf den Urlaub hat mich durch etliche dunkle Stunden getragen, und jetzt nichts zu erwarten ist einfach unmöglich. Und eigentlich will ich mir das auch nicht nehmen lassen.
Aber so wie sie Unrecht hat, hat sie natürlich auch Recht – es ist immer eine gute Idee, sich selbst nicht unter Druck zu setzen, denn das macht das Genießen leichter. Und das habe ich vor – diese Zeit in vollen Zügen zu genießen 🙂

Macht’s gut, ich mache mich vom Acker, den nächsten Post gibt es nicht vor Ende Februar 😀

Eine Sorge nach der anderen …

… löst sich in Luft auf.

Professor Koryphäe ist zufrieden mit den Ergebnissen, keine Neubildungen, alles andere klein und nicht wachsend. Patientin gut drauf. Prima. 🙂

Etwas länger haben wir uns über meine Leberwerte unterhalten. GGT, GOT und GPT sind erhöht, die letzten beiden 1,5fach, der erste 3fach. Ich finde das unschön, sieht es doch immer so aus, meiner Leber ginge es nicht gut. Das ist gerade dann ein doofes Gefühl, wenn man zum MRT muss … Aber Professor Koryphäe sieht das entspannt. Werte, die bei Zellabbau in der Leber erhöht sind, sind Bilirubin und LDH. Beides ist bei mir in Ordnung, also sieht er da keine Gefahr derzeit.
Die Erhöhung der Werte kommt vom Falsodex. Aber nicht mal von dem Medikament selbst, es sind die Zusatzstoffe, an der die Leber zu arbeiten hat: Rizinusöl und Benzylbenzoat. Wenn das also aus dem Ruder laufen sollte, ist klar, was wir tun werden: die antihormonelle Therapie mit einem anderen Präparat fortsetzen. Dann würde ich zwar aus der Studie fallen, aber die Leber geht da vor 😉
Derzeit ist das aber nicht nötig. Und da ich das Faslodex sonst gut vertrage, bleibt es erstmal dabei und ich versuche, nicht über die Werte nachzudenken.

Den Rest der Zeit haben wir ausgezirkelt, welches Anti-Thrombose-Medikament ich nehmen muss, damit ich mir nicht auf der Flugzeugtoilette in zigtausend Metern Höhe eine Spritze reinjubeln muss. Jetzt ist der Plan fertig, ich kann die Spritzen in den Koffer packen und brauche sie nicht im Handgepäck. Wieder eine Sorge weniger 😀

Innen

… ist immer noch nichts.

Letztes Mal bin ich vor Erleichterung und Freude fast geplatzt, als ich das Ergebnis vom CT hatte. Ich war so aufgedreht, dass ich erstmal laufen musste, um wieder etwas runter zu kommen (und was war das für ein Lauf!).

Und heute? Alles gut, schön. Weiter im Text. Und die gedrückte Stimmung ist immer noch da. Nein, gedrückt ist verkehrt, aber irgendwie teilnahmslos. Sicher, die negativen Gedanken waren und sind auch auf Abstand, aber jetzt sind die guten auch nicht da.

Gelaufen bin ich heute trotzdem. Habe dabei drüber nachgedacht, wie ich meine sportlichen Wünsche mit einen ärztlichen und dienstlichen Terminen zusammen bringe bis zum Urlaub. Ich musste mich regelrecht zwingen, mal dran zu denken, dass ich heute beim CT war, und dass es gut ausgefallen ist. Aber Freude kam nicht auf. Habe statt dessen darüber nachgedacht, warum ich gerade so drauf bin. Und bin doch nur zu einem Ergebnis gekommen:

Ich mag diese Gleichgültigkeit nicht.

Ich weiß nicht, woher sie kommt. Aber ich habe das Gefühl, mein Leben zieht gerade an mir vorbei, ohne dass ich daran Teil habe. Sicher, die Angst und die Nervosität sind manchmal schwer zu ertragen. Aber ohne Freude ist da auch keine Lebensqualität.

Hat das Lasea einen so starken Einfluss auf mich? Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen, ist doch nur Lavendel … und doch ist es das Einzige, was anders ist als sonst. Ich werde heute noch eine nehmen, wegen der Untersuchung morgen, und dann wieder aufhören.

Und dann werde ich ja sehen, was passiert.

Schatten

Gestern war ich zur Mammographie, und obwohl meine Frauenärztin erst im Dezember einen Ultraschall der Brust gemacht hatte, bei dem alles OK war, hatte ich wieder die Hose voll. Dieses Mal sogar im wahrsten Sinne des Wortes, weil sich der nervositätsbedingte Durchfall mit den letzten Auswirkungen des Noro-Virus zusammengetan hat. Bäh.
Die Mammo war in Ordnung, alles prima. Nächster Termin nächstes Jahr. Aber das war nur der Auftakt des Januar-Ärzte-Marathons.
Nächste Woche ist der erste Termin bei der Psychologin. Wieder so ein Nervositätsfaktor, einfach weil ich nicht weiß, was mich dort erwartet. Der Fragebogen … liegt hier noch. Ich weiß, es ist blöd, davor Angst zu haben, aber so ist es halt.
In zwei Wochen dann wieder CT und MRT, das nächste Staging. Das ist noch nicht in meinen bewussten Gedanken angekommen, aber ich schlafe wieder schlechter, habe abends oft Herzrasen. Die allgemeine Stimmung ist latent gedrückt, es wir mir wieder schnell alles zu viel. Und gerade jetzt kann ich wieder keinen Sport machen, weil der Noro mich ausgeknockt hat. Ich hoffe, dass es nächste Woche wieder geht, und ich dann auch wieder etwas Schwung kriege.

Was mich aber am meisten ärgert ist, dass es mir die Urlaubsplanung vermiest. Sonst bin ich immer wie ein Kind auf meinem Stuhl auf und ab gehopst, voller Ideen, was wir alles machen könnten. Dieses Mal fällt es mir seltsam schwer, eine Route festzulegen. Wenn es nicht langsam Zeit gewesen wäre, die ersten Motels zu buchen – ich hätte bisher nichts gemacht. 😦
Ich will mich freuen, ich will planen und hänge doch nur ab. Es nervt.

Aber auch ohne die übliche Vorfreude – der Urlaub kommt. In vier Wochen sind wir schon unterwegs, irgendwo zwischen Asien und Australien 🙂

2012

Einen Jahresrückblick werde ich an meinem Geburtstag schreiben, dem 9. Januar. Nicht der vor 40 Jahren, aber der vor 10 Jahren 🙂
Aber trotzdem beginnt jetzt ein neues Jahr, und ich habe eine ziemlich lange Wunschliste für die kommenden 365 Tage. Ich hoffe, dass ich am Ende ein positive Bilanz ziehen kann.
Die Liste ist nicht erschöpfend und bis auf den ersten Punkt, der mir natürlich am Wichtigsten ist, nicht unbedingt als Reihenfolge zu verstehen.

  • Gesundheit (in meinem Fall – kein weiteres Metastasenwachstum)
  • Spaß haben!
  • viel Zeit für mich
  • eine eigene Himbeere pflücken
  • 10 km laufen
  • einen entspannten Ehemann
  • eine neue Rose pflanzen
  • viel Zeit mit meinen Lieben
  • den Roman beenden
  • Neuseeland ohne Pannen
  • neuen Job
  • Meditieren lernen
  • mindestens ein Konzert besuchen (gerne auch mehr)
  • 5 kg abnehmen
  • neues Auto
  • Skydive oder Paragliding
  • einen Fotokurs machen
  • Zeit mit meinen vier Nichten verbringen
  • eine Pergola für die Terrasse

Ich wünsche Euch ein entspanntes und gesundes Neues Jahr! Möge sich die Glückswaage am Ende zur guten Seite neigen.

Selbstfürsorge

Ich habe mich nach Weihnachten mit einer lieben Freundin getroffen. Ich hatte ein bisschen Angst vor dem Treffen, da sie seit ein paar Monaten wegen Depression in Behandlung ist und ich nicht abschätzen konnte, wie sie drauf sein würde. Aber es war ein netter Abend, voll intensiver Gespräche.

Eines davon ging über Selbstfürsorge, etwas, das sie nicht genug betreibt. Ich kenne das von mir auch, das ist wie ein Reflex: erst die anderen, dann ich. Doch während wir sprachen, ist mir aufgangen, dass sich das bei mir etwas verändert hat. Ich schrieb ja schon in meinem Weihnachtspost, dass dieses Jahr die übliche Depri an mir vorbei gegangen ist.
Je länger ich jetzt darüber nachdenke, desto mehr schreibe das meiner veränderten Einstellung zu. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das letztes Jahr empfunden habe (nämlich so wie sonst) – so viel zu tun, dass ich selbst mit meinen Bedürfnissen auf der Strecke geblieben bin. Das, was mir wichtig war, ist hinten runter gefallen.
Aber dieses Jahr, ist mir aufgegangen, war das anders. Da bin ich am 23. Dezember ins Fitness-Studio gegangen, weil mir das gut tut, weil mir das wichtig ist, weil ich das für mich wollte. Dafür habe ich keine Weihnachtsemails versendet. Bis heute nicht übrigens, es werden jetzt Jahresendgrüße 😉

Natürlich habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, aber es hält sich in Grenzen. Ich bin froh, dass ich es so gemacht habe und hoffe darauf, dass mir das in ähnlichen Situationen auch wieder einfällt. 😀

Schnipsel (1)

Ich jogge auf eine Familie zu, drei Erwachsene, ein Junge auf einem Laufrad, ein Kinderwagen.
Der Junge bleibt wie angewurzelt stehen, guckt mich mit großen Augen an. „Warum läufst du so schnell?“, fragt er mich.

Ich grinse ihn an. „Weil es mir Spaß macht“, kommt meine spontane Antwort. So spontan, dass es wohl die Wahrheit sein muss. 😀

Mitkommen wollte er aber nicht.

Has power!

Das ist ein Zitat aus einem alten Computerspiel. Das Männchen, was man lenkt, hat die Aufgabe, Dinosauriereier zu sammeln. Drei Stück auf einmal kann es tragen. Manchmal findet sich in einem Level aber eine Blume (Power Flower). Wenn man die aufsammelt, erscheint über der Figur der Spruch: „Has power!“ Und dann kann man viele, viele Dinosauriereier auf einmal einsammeln. Solange, bis man von einer Schlange oder Spinne gebissen wird 😉

Und so fühle ich mich gerade. Hab Energie. Und davon reichlich. Ich bin heute schon wieder eine neue Bestzeit gelaufen, gleich eine ganze Minute besser als die letzte. Zum ersten Mal unter 9 Minuten pro Kilometer (über meine 6 Kilometer). Wow 🙂
Ich wusele hier, krame da, und alles funktioniert. Schlafen tue ich so leidlich, aber da ich nicht ausgesprochen müde bin morgens, stört es mich gerade nicht so.

Doch mit der Energie geht eine gewisse Internetmüdigkeit daher. Ich mag derzeit nicht so viel surfen, auch Antworten auf Eure lieben Kommentare brauchen etwas länger. Ich lese noch alle Blogeinträge, aber Antworten ist im Augenblick etwas schwer für mich.
Keine Ahnung, warum. Vielleicht ist das Leben außerhalb des Rechners gerade so spannend. 🙂

Ich hoffe jedenfalls, dass mich lange keine Schlange erwischt und die Power Flower lange anhält. In diesem Sinne – mögt Ihr auch eine Energieblume zum Pflücken finden!

inne halten

Ich hatte einen Post geschrieben, gestern, der berichtete, dass es mir gerade so richtig gut geht. Dass ich mich über Kleinigkeiten freuen kann, wie über ein neues Laufshirt und die Akkuheckenschere. Dass ich so voller Energie bin, dass mir alles gelingt und ich ständig neue Bestzeiten laufe.
Ich schrieb, dass der Krebs gerade ganz weit weg ist.

Als ich den Artikel vor dem Veröffentlichen noch mal lesen wollte, hat WordPress ihn geschluckt und weg war er. Das Textfeld leer. 😦 Also fing ich neu an (unerschütterlich meine gute Laune derzeit). Doch dann kam die Nachricht von Reginas Tod, und ich war einfach nur traurig, dass sie gestorben war, und auch voller Angst, da ich mit ihr einen Weg verfolgt habe, der auch meiner sein könnte.
Mein Krebs war wieder da im Kopf, und ich habe den Artikel nicht rekonstruiert.

Und doch ist mir durch diese traurige Nachricht wieder sehr bewusst geworden, wie wichtig es für mich ist, bei all der Energie und den ganzen Dingen, die ich mache, auch mal inne zu halten und festzustellen – hey, es geht mir gut! Jetzt gerade ist das Leben toll und lebenswert, und ich genieße es!

Danke, liebe Regina, für die Erinnerung. Möge es Dir jetzt auch wieder besser gehen. Ich werde Dich nicht vergessen.

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