Zwangspause

Das Becken ist gestanzt, schlimm war es nicht, aber ich hätte gerne auf den Augenblick verzichtet, als die Ärztin mit deutlicher Besorgnis in der Stimme sagte, dass die Nadel jetzt verbogen sei und sie hoffentlich nicht abbricht (im Knochen). Tat sie nicht, glücklicherweise.
Am Ende hatte sie vier Bröckchen, nicht viel, aber es wird hoffentlich reichen. Wenn nicht – zurück auf Los.

Der Befund wird (mindestens) bis Ende der nächsten Woche dauern. Während ich gestern nach der Untersuchung noch fest entschlossen war, diese Woche Zwangspause vor dem Thema zu genießen (und auch recht gute Laune hatte), laufe ich heute wie ein Gespenst durch die Gegend und weiß nichts mit mir anzufangen. Bin latent davor, in Tränen auszubrechen und habe keine Idee, wie ich mich ablenken kann. Sport darf ich nicht, immerhin haben sie ja gestern erst den Knochen angebohrt.

Alles Mist 😦

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Merkwürdigkeiten

Ein paar Stunden nach dem Schock, überstandenem Durchfall, nach einem eineinhalb-stündigem Spaziergang mit toller Begleitung, nach gestemmten Gewichten im Studio, funktioniert der Dankapparat wieder einigermaßen und strampelt sich langsam frei gegen die unkontrollierte Ausschüttung von Panik in mir.
Nein, ich bin nicht verloren, so schnell geht das nicht. Und als das Denken erst einmal wieder in einigermaßen normalen Bahnen lief, blieb es an einigen Dingen hängen, die nicht unbedingt schlüssig sind.
Warum zum Beispiel ausgerechnet Knochenmetastasen rasend schnell in drei Monaten entstehen, wenn sie doch auf antihormonelle Therapie am besten anschlagen. Selektiert? Aber dann nur da? Dabei wachsen die doch eher langsam, und Anfang Mai war nix. In den zwei Monaten 2010 zwischen Entdeckung des Ganzen und Therapiestart ließ sich kein Unterschied sehen.
Und dann der Befund:

Alle inneren Organe sind mustergültig clean – Leber (abgesehen von dem einen kleinen Teilchen, das sich seit 2010 nicht verändert), Gallenwege, Gallenblase, Milz, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren, Nieren, Harnwege, Uterus, Harnblase. Keine pathologisch vergrößerten abdominellen oder pelvinen Lymphknoten. Keine Peritonealkarzinose.
Selbst meine Ovarien werden als nicht auffällig beschrieben. Was kein Wunder ist, da sie sich nicht mehr in mir befinden.

Und dann der Hammer:
Ossäre Metastasen finden sich im Beckenskelett flächig in der Massa lateralis links, im linken Acetabulum, in den gelenknahen Anteilen es Os ilium (Darmbein), rechtsseitig im Os ilium nahe der Spina iliaca anterior sperior (auch am Darmbein), eine weitere Metastase im rechten Schambeinast, im Tuber ischiadicum im rechten Sitzbeinast.

Was auch immer da genau bezeichnet ist – das ist alles der untere Teil des Beckens. Alles, was nicht ist, wie es soll, liegt da. Alles im Vergleich zum letzten MRT vom 08. Mai.
Ich hatte es hier gar nicht geschrieben – ich hatte am 26. Mai einen kleinen Unfall. Ich fiel wie ein Baum, leider ungebremst auf meinen Steiß, dann weiter auf den Kopf. Die Platzwunde habe ich dann auch im Krankenhaus versorgen lassen, für den Steiß hat sich niemand interessiert. Fast vier Wochen lang musste ich aufpassen, wie ich mich hinsetze und noch vorletzte Woche beim Zumba habe ich bei einer bestimmten Bewegung gemerkt, dass es etwas ziept, auch wenn ich das sonst nicht mehr merke.

Tja.

Ich versuche gerade, nicht zu denken. Und doch taumele ich ständig zwischen Hoffnung und Hölle. Morgen Mittag hat mich Professor Koryphäe glücklicherweise in seinen vollen Plan schieben können. Ich werde ihm die ganzen Informationen geben und dann hören, was er sagt.

Staging 08/2012 (CT und MRT)

Montag:
Schon komisch, wenn man gleich mit Namen begrüßt wird in der Praxis. Nett, aber komisch. Ich bin zu oft da, sagt mir das. Aber so ist es halt.

Das CT ging schnell, dann dauerte es um so länger. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr lesen und habe nur noch mit hämmerndem Herzen aus dem Fenster gestarrt.
Dann rein zur Ärztin, und ich mochte sie gar nicht ansehen. Ich hatte immer noch dieses Bild im Kopf, wie sie mich im Juni 2010 angesehen hat, damals als die Metastasen gefunden worden sind. Traurig, so traurig.

Aber heute hat sie gelächelt. Alles wie immer. Alles gut 🙂
Ich habe ihr gesagt, wie gerne ich sie lächeln sehe, wenn ich reinkomme, da hat sie noch mehr gestrahlt. Sie fragte, was aus meiner Bewerbung geworden sei. Und sie hat sich mächtig mit mir gefreut, dass es geklappt hat.

Als ich raus war, habe ich erst einmal geatmet. Tief, wieder und wieder. Und dann ging auch langsam der Druck aus meiner Brust weg. Nicht ganz, das wird noch ein paar Tage dauern. Aber doch spürbar 🙂

Morgen dann MRT. Das wird auch wieder ein Kampf, aber wie immer um den Befund …

morgen

Bis gestern war alles gut. Ab und an Nervositätsanfälle, aber sonst OK. Nicht immer bester Laune, manchmal melancholisch, manchmal antrieblos und auch leichter überfordert. Aber alles in Grenzen. Heute Morgen war es dann damit vorbei. Erst Durchfall wegen der Nervosität, immer wieder zog sich mir alles zusammen. Das Gefühl, zu fallen.
Kopfschmerzen seit Dienstag. Sonst habe ich mal drei Tage, oder vier. Heute ist der sechste. Ich versuche, nicht zu denken. Klappt nicht.

Laufen hilft ja immer. Aber nicht heute. Heute hatte ich das Gefühl, ich bin schon außer Atem, ehe ich bei der Laufstrecke ankomme. Beim Joggen atme ich am Limit, obwohl ich nicht anders unterwegs bin als sonst. Brust fühlt sich eingeschnürt an, der Mund ist manchmal so trocken, dass ich nicht schlucken kann. Die Gedanken kreisen nur um das Staging, wie ich reagiere, wenn die Ärztin vom CT mich morgen betreten ansieht. Was dann aus dem neuen Job werden soll. Aus meinem Leben. Komme nicht davon runter.
Das Atmen wird immer schwerer beim Laufen, obwohl ich langsamer werde. Mir ist nach Heulen zumute. Gedanken an Lungenmetastasen kommen und gehen nicht wieder weg. Sie sind immer noch da.

Ich mag mich verkriechen, nichts hören, nichts sehen, aber schlafen kann ich nicht. Ich wünschte, es wäre schon morgen. Und eine Minute später wünsche ich mir das lieber doch nicht.

Staging 05/2012 (CT und MRT)

Montag:
Mehr schlecht als recht ist das Wochenende rum gegangen. Es ist so ätzend, morgens aufzuwachen und fast augenblicklich krampft sich der Magen zusammen.
Hingefahren, im Stau gestanden, gerade noch rechtzeitig gekommen, sofort dran gekommen.
Dann warten. Warten.
Warten.
Das Gespräch dann war eher kurz – alles unverändert. Alles gut. 😀

Die Ärztin wusste sogar noch, dass ich nach dem letzten Mal in Urlaub gefahren bin und fragte, wie es gewesen sei. Wir sprachen dann noch kurz über den emotionalen Stress, den das immer macht und sie sagte, nach 10 Jahren wird das wohl mal besser. Bei mir nicht, sagte ich dann, wo doch nach 8,5 Jahren die Metastasen gekommen waren. Das musste sie dann zugeben, dass ich die Ängste wohl nie los werde.
Nee, sicher nicht. Aber mich hat ihr spontaner Spruch trotzdem gefreut, war er doch für mich ein Signal – sie hält es für möglich, dass es noch ein paar Jahre so weiter geht. Ich habe nichts dagegen 🙂

Dienstag:
Ich hatte wieder die übliche Diskussion mit den Damen am Empfang wegen des Faxen des Berichts. Sie weigerten sich, das zu machen, es sei ihnen vom Chef verboten worden. Man wisse ja schließlich nicht, wer am anderen Ende das Fax in Empfang nehmen würde. Ich hatte ein Vollmacht mitgebracht, extra für den Befund, unterzeichnet von mir und mit der Faxnummer. Und doch wollten sie es nicht tun.
Boh, ich hatte einen so dicken Hals, ich hätte fast nicht in die Röhre gepasst! Dazu werde ich dem Chef der Praxis einen Brief schreiben, ich finde, das geht so nicht.

Den Befund jedenfalls kriegte ich dann heute von meiner onkologischen Praxis, ich hatte sie gebeten, mir den gleich weiterzuleiten, wenn sie ihn bekommen.

Alles gut, auch hier. 😀 Uff. Und sogar ist noch eine der Läsionen in der Leber nicht mehr auffindbar. Hah, die will ich auch nicht wieder haben!

Einen Besprechungstermin wird es mit Professor Koryphäe dieses Mal nicht geben, er ist unterwegs. Und glücklicherweise gibt es ja auch nichts zu besprechen 😀

So allmählich nimmt die eine Aufregung wieder ab und die andere kommt. Aber dazu nachher mehr. Wenn ich noch den Nerv habe …

Stresstest

Es kam, wie es kommen musste.

Ich hatte die Wahl, die unverbindliche zweite Runde („nur“ ein kleines Assessmentcenter) entweder am Freitag vor dem Staging anzutreten (und damit den nächsten Psychotermin zu kippen) oder am Donnerstag nach dem Staging.

Pest gegen Cholera.

Beides totaler Mist. Vor dem Staging gehe ich auf dem Zahnfleisch und hinterher brauche ich auch immer Tage, um von dem Trip wieder runter zu kommen. Später wollten sie das Gespräch nicht, weil es sonst alles zu knapp würde. Vorher ging auch nicht. Was für ein Elend.
Und immer schön professionell und höflich am Telefon bleiben, obwohl mir einfach nur zum Heulen zu Mute war, weil eigentlich beides nicht geht. Ich habe mich irgendwann drauf zurück gezogen, dass ich klären muss, ob ich einen beruflichen Termin verschieben kann, und versprach am nächsten Tag zurückzurufen.

Warum tue ich mir das überhaupt an? Warum nicht alles so lassen, wie es ist? Ist die Belastung durch das 15-wöchige Staging nicht schon genug? Muss ich mir da noch einen neuen Job aufladen? Samt Kündigung und Aufräumen im alten Job und Einstellen auf den neuen?
Warum?
Weil mein derzeitiger Arbeitgeber wenig Rücksicht auf lange erkrankte Mitarbeiter nimmt (die kommen alle nicht wieder …). Weil ich es entweder jetzt tue oder nie. Je länger ich warte, desto schlechter werden meine Karten. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt (meine Kolleginnen haben auch nur ein Jahr weniger Berufserfahrung, sind aber 10 Jahre jünger …), vor allem mit der Krankheit. Jetzt geht es mir gut. Jetzt hat eine sanfte Therapie die Metastasen im Griff. Wie lange? Keine Ahnung. Mit meinen gut 1,5 Jahren gelte ich als langzeitstabil. Vielleicht hält es noch mal so lange, vielleicht ist es damit schon in zwei Wochen vorbei.

Ich muss dauernd dran denken, was für ein gefährliches Spiel ich hier treibe. Was passiert, wenn ich nicht noch ein Jahr gesund bleibe (bis die Probezeit vorbei ist)? Dann habe ich mich selbst ins Aus manövriert, und das gehörig. Keine Ahnung, ob man mich behalten würde. Mal ganz abgesehen davon, die Leute, mit denen ich wirklich gerne zusammenarbeiten möchte, zu enttäuschen (weil ich sie getäuscht habe).

Ich habe am nächsten Tag angerufen und den Donnerstag nach dem Staging bestätigt. Wenn es schlecht ausfallen sollte, nehme ich mich eh aus dem Rennen, dann habe ich andere Sorgen als ein Bewerbungsgespräch.
Ich habe keine Ahnung, ob ich das alles hinkriege. Kann ich das aushalten? Den Druck vom Staging und vom zweiten Gespräch? Oder versemmele ich das Assessmentcenter eh in so einer Situation? Es kam schon der Gedanke „vielleicht ist es besser, wenn es nicht klappt“, aber der ist gefährlich. Selbst-erfüllende Prophezeiung …

Vielleicht lache ich in fünf Jahren darüber, weil es mir dann immer noch gut geht und ich einen (verzeiht) geilen Job in einer schwierigen Lage ergattert habe. Vielleicht auch nicht.

Nur die Zeit wird zeigen, ob ich es richtig mache. Aber versuchen muss ich es, sonst habe ich schon aufgehört zu leben.

Staging 01/2012 (CT und MRT)

Montag:
Heute morgen war das CT vom Thorax. Ich habe lange, lange gesessen, ehe ich in die Besprechung konnte, und das tat mir nicht gut. Ich hatte Mühe, meine Gedanken im Zaum zu halten. Auf Anregung meiner Psychologin hatte ich ein Heft über Neuseeland mit, darin habe ich auch geblättert, viel verstanden von dem Text habe ich nicht. Aber das war eh nicht Sinn der Sache.
Als ich dann rein konnte, hat die Ärztin sofort gesagt: „Keine Änderung, sieht aus wie beim letzten Mal.“

Sehr gut. 🙂
Das erste, was ich sagte war: „Dann kann ich ja beruhigt in den Urlaub fahren.“

Morgen dann das MRT, Freitag die übliche Besprechung mit Professor Koryphäe, später am Tag noch einen Termin bei der Psychologin, der letzte vor dem Urlaub.

Dienstag:
Nach den Erfahrungen im Oktober, als mir die Praxis meinen eigenen Befund verweigert hat, habe ich dieses Mal gleich eine Vollmacht mitgenommen, damit sie keine Entschuldigung haben, mir den Befund nicht zu faxen. Und was ist passiert? Nix. Also muss ich da morgen wieder hinterher jagen.

Erst habe ich keinen erreicht, dann habe ich bei meinem Onkologen angerufen. Die hatten auch noch kein Ergebnis. Also wieder die MRT-Praxis angerufen, und noch während ich in der Warteschleife war, klingelte mein Fax.

Der Befund. Alles wie beim letzten Mal 🙂

Für die Gespräche am Freitag mache ich dann extra was.

farblose Welt

Im Augenblick kommt mit mir mein Post von Freitag wie eine Trotzreaktion vor, ein Wegschieben. Mir geht es doch gut. Reginas Schicksal ist nicht meines.

Nein, das ist es nicht. Mein Schicksal ist mein eigenes. Und doch betrifft mich ihr Tod mehr, als ich mir eingestehen wollte. Ich denke viel an sie, war auch noch mal wieder auf der Webseite zum Lesen. Ich kannte Regina nur über ihre Seite, doch sie hat mich tief beeindruckt mit dem, was sie da geschrieben hat. Ich habe keine Ahnung, ob ich so gut mit allem werde umgehen können, falls mich das Schicksal in ihre Fußstapfen schickt.

Ich bin in einer seltsamen Stimmung gerade. Die Welt kommt mir ein wenig farblos vor. Das Wetter heute passte gut dazu, und ich bin raus gegangen, meine Kamera dabei. Windstill am Kanal, feucht, kalt, wie von Wolken zugedeckt.

Die Welt ist ein bisschen ärmer geworden, farbloser. Und komme ich auch immer wieder dahin, mir zu sagen – es geht mir gut, jetzt gerade. Genieße es.


der Stein rollt …

Montag ist’s untergegangen … oder auch untergegangen worden, keine Ahnung. Aber das ließ mir keine Ruhe, und heute habe ich aber angerufen in der Psychoonkologie. Kurzfassung: Termin im Januar, früher ging’s nicht.

Aber wieso tue ich mich damit so schwer? Das ist eigentlich die Frage, die mich am meisten beschäftigt derzeit. Bisher habe ich nicht vielen davon erzählt, dass ich das vielleicht mache, aber die Reaktionen waren sehr unterschiedlich:
– Erstaunen (um nicht zu sagen Entsetzen): „ich dachte, es geht dir gut?!“
– Beleidigt sein: „du kannst doch mit mir reden“
– Pragmatismus: „wieso nicht?“
Letztes kam von meinem Mann, wie froh bin ich darüber!

Seit meiner Erkrankung in 2002 höre ich immer wieder, wie bewundernswert ich damit umgehen würde, ein Vorbild. So habe ich das nie gesehen, aber dass ich ganz gut klar komme, sehe ich auch so. Nach der großen OP damals war ich einige Wochen krank geschrieben, nach einiger Zeit allerdings aufgrund „psychischer Belastung“, wie ich später rausgekriegt habe. Da war ich echt ein bisschen beleidigt drüber …
Ist es deshalb jetzt so schwer? Weil sich das wie ein Eingeständnis anfühlt, dass es doch nicht so ist? Dass ist es doch nicht packe? Versagt habe? Nicht stark genug bin? Die ganze Zeit nur einen vorgespielt habe?

Das ist natürlich alles Blödsinn. Ich komme über weite Strecken gut klar, auch jetzt wieder, eine Woche nach dem Staging geht mir wieder gut. Jetzt.
Aber immer wieder gibt es Phasen, wo es mich runterzieht, raushaut, niedermacht. Und warum sollte ich nicht versuchen, mir Hilfe zu holen, um diese Zeiten abzufangen? Wenn es nur ein bisschen hilft, wäre es doch schon gut. Meine Zeit ist zu schade, um sie mit Depression oder Ängsten zu verbringen.

Was mich aber wirklich dazu gebracht hat, den Termin zu vereinbaren, war dieser Gedanke – sich mal über Krebs und die Angst mit jemandem zu unterhalten, der sich auskennt, aber mich nicht persönlich kennt. Der nicht den Tränen nah ist, wenn ich alles ausbreite, was mich belastet. Den ich damit nicht runterziehe, wenn ich mal was sage, weil er plötzlich wieder ganz reale Angst hat, einen lieben Menschen zu verlieren. Der das vielleicht alles schon mal gehört hat und mir neue Denkanregungen geben kann.

Das sagt der Kopf (und findet es schade, dass der Termin erst im Januar ist). Und doch … doch fühlt ich das für mich ganz komisch an.

Ich bin gespannt, was das alles noch so zu Tage fördert 😉

Alles klar … oder nicht?

Freitag war der dreimonatliche Studientermin mit meinem Onkologen, Professor Koryphäe. Über die Befunde von CT und MRT haben wir nur kurz gesprochen. Darüber gab’s auch nicht viel zu sagen, sah ja gut aus. Die Studie, in der ich bin, verlangt in diesem Stadium alle 15 Wochen eine Beurteilung von Thorax und Abdomen. Ich fragte ihn, wie er das handhaben würde, wenn ich nicht in der Studie wäre. Seine Antwort war so eindeutig wie ernüchternd: alle drei Monate, allein aufgrund meines Alters. Was für mich auch bedeutet, mit jedem CT könnte es wieder anders aussehen …

Die abnehmende Belastbarkeit und meine Schlafstörungen waren auch wieder ein Thema. Er empfahl mir dann, es mal mit Akupunktur zu versuchen und nannte mir auch eine Adresse, bei der einige seiner Patientinnen Erleichterung gefunden hatten.
Derzeit schlafe ich wieder gut, letzte Nacht 8 Stunden am Stück ohne aufzuwachen (Hurra!), aber ich behalte das im Hinterkopf.

Das Gespräch driftete dann ab zu nicht-onkologischen Themen, und für einen Augenblick war ich versucht, das hinzunehmen (man kann sich sehr gut mit Professor Koryphäe unterhalten, ich würde auch problemlos die dreifache Zeit mit ihm verplaudern).  Aber die Zeit vor diesem Staging … die hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wir behandeln meinen Körper, mit Erfolg. Aber wer behandelt meine Seele? Ich tue selbst, was ich kann, ich laufe, denke, meditiere, lese … aber immer mehr habe ich das Gefühl, es reicht nicht. Der psychische Aspekt der Krankheit ist ganz eindeutig der, der mich mehr belastet. Und damit versuche ich allein klar zu kommen? Wie blöd …

Das Thema „Psychoonkologie“ steht seit April auf meinem Fragenzettel, und ich hatte es schon die beiden letzten Male mit Professor Koryphäe nicht angesprochen. Warum? Weil es dann doch nicht so dringend war? Weil ich mir nicht wirklich eingestehen mochte, dass ich da Hilfe brauche? Ich komme doch gut klar mit allem. Ich habe das doch im Griff … oder etwa nicht?

Aber dieses Mal fasste ich mir ein Herz und sagte, dass ich die Krebserkrankung derzeit eher als psychische Erkrankung empfinde denn als körperliche. Zu meiner Überraschung nickte er und sagte, das wäre meistens so. Auf meine Frage hin erzählte er mir dann von einer psychoonkologischen Station der nahen Hochschule. Sie haben dort auch einen gynäkologischen Hintergrund, kennen die Medikamente, die Leute da sind spezialisiert auf Frauen mit Krebs.

Nun habe ich eine Überweisung … und bin schon wieder unsicher, ob ich da wirklich anrufen soll.

Wie blöd …

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