Circulus Vitiosus

Das Staging kommt näher, nicht mal mehr eine Woche. Dieses Mal umgedreht, Montag MRT (also ohne sofortiges Ergebnis), Dienstag CT (mit sofortigem Ergebnis), da das MRT am Dienstag gewartet wird.

Die letzten Tage brauchte ich Schmerzmittel zum Einschlafen. Den Tag über war’s einigermaßen gut mit dem Ischias, abends im Bett geht es los. Anspannung geht bei mir ins Kreuzbein (sagt die Osteopathin). Am Kreuzbein hängt der Piriformis. Der Piriformis drückt auf den Ischiasnerv. Die Schmerzen machen mir Sorgen, dass das alles doch mit Metastasen zu tun hat. Also noch mehr Anspannung. Also noch mehr Schmerz und …
Ein Teufelskreis. Wenn ich abgelenkt bin, geht es. Aber wehe, ich will schlafen 😦

Die Psychologin sagt, ich kann die Angst nicht beseitigen, ich kann aber versuchen, anders mit ihr umzugehen. Manchmal klappt das, aber je näher der Termin kommt, desto unmöglicher wird es. Noch sind die Gedanken von „oh Gott, was soll ich machen, wenn …“ selten. Dafür habe ich Phasen tiefer Traurigkeit, weil ich überzeugt bin, dass sich nächste Woche wieder mein Leben umkrempeln wird. Wie anders ist das alles zu erklären?

Und immer wieder der Gedanke – hatte ich diese Angst nicht gerade erst? Wo sind die drei, vier Monate geblieben nach dem letzten Staging? Vergangen, so schnell …

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Erholung verpufft …

Nicht alles toll im Urlaub und doch hat er so gut getan. Das Wetter hätte besser sein können, wir hatten auf mehr Sonne und Wärme gehofft, aber das Hotel hatte einen Pool, und der war schön warm. 😉

Ich habe geschlafen wie ein Stein. Fünf Stunden am Stück, dann noch mal fast drei hinterher. Einmal sogar sieben am Stück, ich dachte, das ginge gar nicht mehr. Aber es ging.
Nach drei Tagen fiel mir auf, dass mein Ohrenrauschen morgens viel leiser ist als es noch zuhause war. Entspannung lässt grüßen 😀

Nun bin ich wieder drei Tage zuhause, Schlafen geht noch einigermaßen, aber meine Ohren summen und summen und summen und mit jedem Tag wieder lauter. Hallo? Ich habe noch Urlaub! Und doch ist es so.

Denn der Alltag ist wieder da. Den Zahnarzt belehren müssen, dass ich wegen der Bisphosphonate keine Implantate riskieren werde und er sich was anderes ausdenken muss, um das Gebiss kaufähig zu erhalten. Wieder Physiotherapie, der Kennenlern-Termin bei der neuen Psychotherapeutin (darüber später mehr, wenn ich meine Gedanken sortiert habe).

Drei Tage, und alles ist wie vorher? Was soll ich davon halten? Die Erkenntnisse scheinen klar: Urlaub tut mir gut, wenn es auch nur eine Woche war. Alles, was mit meinem Krebs zu tun hat, bedeutet Stress für mich (auch wenn jetzt gerade konkret kein Staging ansteht, sind ja noch sechs Wochen). Der Stress kommt nicht von der Arbeit (gute Erkenntnis 🙂 ).

Mir scheint, es ist eine gute Entscheidung, die Therapeutin zu wechseln. Bei der alten waren keine regelmäßigen Termine möglich, mit der neuen hoffentlich schon. Denn an dieser Situation muss ich dringend arbeiten …

Aura

Ich war also ein zweites Mal bei meiner Hausärztin, gerade in eingerenktem Zustand, aber das war Zufall. Das ewige Hin und Her hat sie nicht wirklich überrascht, sie sagte noch einmal, das sei psychisch bedingt. Auf meine Bitte hin hat sie mal gezählt, es ist die 9. oder 10. Rippe. Mein Verdacht war, dass es etwas mit der alten Metastase an der 6. Rippe zu tun hat, aber das ist nicht so.
Nun habe ich also manuelle Therapie, 6 Mal, nächste Woche geht es los. Ich bin gespannt.

Was mir aber nicht aus dem Kopf geht, ist etwas anderes. Wir haben uns unterhalten über meine Situation, meine psychische Betreuung, die quasi in den letzten drei, vier Monaten nicht stattgefunden hat. Was da geplant ist.

Dann kam sie mit etwas, das mich sehr überrascht hat. Sie sagte, sie kann an Personen manchmal eine Aura sehen, wie ein Schatten, wenn es jemandem nicht gut geht. Das wäre bei mir kein Wunder, sagte ich, bei dem Damokles-Schwert, was über mir hängt.
Sie hat das nicht bestätigt, ob sie nun über mir einen Schatten sieht oder nicht, aber nach den Aussagen vor, dass sie meine Brustwirbelsäulenproblematik für psychisch hält, ist das nur wahrscheinlich.

Wir sprachen dann weiter, sie überlegte laut, was sie mir noch Gutes tun könnte (ich habe hier noch einen Flyer liegen von etwas, über das ich mich erstmal informieren muss), und dann war ich mit meinem Rezept raus.

Das ist jetzt ein paar Tage her, aber irgendwie geht mir das nicht aus dem Kopf. Ich glaube nicht, dass ich einen Schatten oder dergleichen über mir liegen habe. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass ein empathischer Mensch erkennen kann, ob es seinem Gegenüber gut geht oder nicht.

Das hat mir sehr zu denken gegeben, wie es in mir gerade aussehen mag. Eigentlich fühle ich mich ganz gut gerade. Ich schlafe meistens recht gut, lasse mich nicht stressen, neue Urlaubsreise in Sicht.

Und trotzdem …

Staging 08/2012 (CT und MRT)

Montag:
Schon komisch, wenn man gleich mit Namen begrüßt wird in der Praxis. Nett, aber komisch. Ich bin zu oft da, sagt mir das. Aber so ist es halt.

Das CT ging schnell, dann dauerte es um so länger. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr lesen und habe nur noch mit hämmerndem Herzen aus dem Fenster gestarrt.
Dann rein zur Ärztin, und ich mochte sie gar nicht ansehen. Ich hatte immer noch dieses Bild im Kopf, wie sie mich im Juni 2010 angesehen hat, damals als die Metastasen gefunden worden sind. Traurig, so traurig.

Aber heute hat sie gelächelt. Alles wie immer. Alles gut 🙂
Ich habe ihr gesagt, wie gerne ich sie lächeln sehe, wenn ich reinkomme, da hat sie noch mehr gestrahlt. Sie fragte, was aus meiner Bewerbung geworden sei. Und sie hat sich mächtig mit mir gefreut, dass es geklappt hat.

Als ich raus war, habe ich erst einmal geatmet. Tief, wieder und wieder. Und dann ging auch langsam der Druck aus meiner Brust weg. Nicht ganz, das wird noch ein paar Tage dauern. Aber doch spürbar 🙂

Morgen dann MRT. Das wird auch wieder ein Kampf, aber wie immer um den Befund …

des Pudels Kern

„In Zeiten des Wechsels“, sagt meine Psychologin, „müssen Dinge zurückstehen, die man sonst intensiv macht.“

Noch geht es, noch fühlt es sich gut an, so unter Dampf zu stehen. Nicht immer, aber meistens. Immer dann nicht, wenn mir auffällt, was wieder alles liegen geblieben ist. Wie viele Kommentare ich im Kopf hatte beim Lesen der Blogartikel und sie doch nicht geschrieben habe. Oder der Mails. Oder den Anrufen. Oder, oder, oder …

Noch geht es gut, und doch weiß ich, dass sie Recht hat. Es kann so nicht weitergehen oder es wird mich richtig umhauen. Es zeichnet sich ab, dass das Ende des einen Jobs nicht wirklich entspannt sein wird, weil es niemanden gibt, an den ich in gesitteter Weise was übergeben kann. Das heißt, dass es sich alles am Ende drängelt. Nicht gut.
Und lange ist das nicht mehr hin, das Ende. Gut sechs Wochen …

Ja, ich muss irgendwo abspecken, aber ich weiß nicht, wo. Kann das gerade nicht entscheiden. Nein, will es nicht. Will einfach so weiter machen. Will nicht einsehen, dass es nicht geht. Plane haufenweise Dinge für November, obwohl ich da noch in der Einarbeitung bin. Wie bekloppt. 😦
Dabei war es mir klar, dass der Jobwechsel erst einmal Zeit und Aufmerksamkeit fressen wird, ehe das alles wieder in geregelten Bahnen läuft. Und handele nicht danach.

Aber ich glaube, des Pudels Kern liegt an andere Stelle. Zur Ruhe zu kommen gibt Raum für Gedanken. Gedanken an das nächste Staging. Und die will ich nicht.

Meine Hoffnung ist, dass es danach besser wird, dass ich loslassen kann von dem ganzen Trubel, wenn das durch ist. Das Staging danach ist dann erst nach der Einarbeitung vor Ort (im Dezember). Vielleicht kann ich dann ruhiger werden, Fahrt rausnehmen. Das eine abschließen und das nächste anfangen.

Warum muss das Leben so kompliziert sein?

Überholspur

Die Zeit rennt. Ich habe so viel um die Ohren, dass mir die Tage und Wochen unter den Fingern zerrinnen. Nicht (nur) mit unangenehmen Dingen, aber es ist doch reichlich voll derzeit in meinem Leben. Das ganze Organisieren mit dem Jobwechsel, Freunde treffen, Gartenarbeit, Familienfeste … und schon steht das nächste Staging vor der Tür.

Nur noch gut vier Wochen – und mir flattern schon wieder die Nerven – glücklicherweise (noch nicht) dauerhaft.

Wo ist die Zeit geblieben? Ich möchte gerne von der Überholspur runter, aber es klappt nicht recht. Möchte entspannen und bin doch ständig unter Strom. Komme abends nicht ins Bett, morgens nicht raus. Immerhin schlafe ich dazwischen wieder leidlich gut.
Zu viel, zu voll … meine Ohren summen schon wieder laut vernehmlich, mein Gewicht geht hoch, weil ich ein Stressesser bin. Nicht gut. Aber noch habe ich nicht den Bremshebel gefunden.

Ich tue jetzt das einzige, was hilft: Ich gehe laufen.

Könnte ich mir wünschen …

… eine der Nebenwirkungen loszuwerden, ich wüsste, was ich wählen würde.

Nicht die Hitzewallungen, nicht die Gewichtszunahme, nicht die so dünn gewordenen Haare auf dem Kopf oder die zunehmend dunklen an den Beinen, nicht das ganze Wasser, was mein Körper gerade einlagert, nicht die steifen Gelenke morgens. Auch nicht die ganze Grübelei oder die Angst.

Ich würde schlafen. Statt mich total müde ins Bett zu legen und nach einer halben Stunde immer noch nicht eingeschlafen zu sein. Statt schlaflos auf dem Sofa dem Hörbuch zu lauschen. Statt alle Stunde doch wieder wach zu sein, wenn das Wegdüseln mal geklappt hat. Statt mit jedem Tag zu sehen, dass ich morgens schlechter aus dem Bett komme. Statt mich den Tag danach zu sehnen, die Augen zuzumachen.

Einfach schlafen.

Unruhe

Selten hat mich etwas so beschäftigt wie dieses Bewerbungsverfahren. Wieder und wieder spuken Situationen durch meinen Kopf, vergangene und mögliche zukünftige, und ich komme nicht richtig zur Ruhe. Ich war so darauf gepolt gewesen, dass sich das bald entscheidet … und nun zieht es sich wie ein Kaugummi.
Das tut mir nicht gut, ich bin unruhig und kann gerade wieder nicht abends nicht einschlafen. Komme morgens nicht raus und bin leichter reizbar. Doof.

Und das Ganze setzt mich als Bewerber, sollten sie mich wirklich nehmen, sehr unter Druck. Wer so sorgfältig ausgesucht wurde, darf nicht versagen. Ich führe jetzt schon im Geiste Gespräche, sollte das alles rauskommen. Erst letztens ist jemand, den ich über das Netz kenne, in der Probezeit wieder gekündigt worden, weil eine Krankheit verschwiegen wurde. 😦

Ich muss mich sehr am Riemen reißen, nicht zu kneifen. Ich will diesen Job und gleichzeitig habe ich Angst, dass ich damit gegen die Wand fahre. Vielleicht wäre es besser, wenn … Nein, wäre es nicht! Basta.

Ich hoffe nur, dass dieses Elend nächste Woche ein Ende hat. So oder so.

Staging 05/2012 (CT und MRT)

Montag:
Mehr schlecht als recht ist das Wochenende rum gegangen. Es ist so ätzend, morgens aufzuwachen und fast augenblicklich krampft sich der Magen zusammen.
Hingefahren, im Stau gestanden, gerade noch rechtzeitig gekommen, sofort dran gekommen.
Dann warten. Warten.
Warten.
Das Gespräch dann war eher kurz – alles unverändert. Alles gut. 😀

Die Ärztin wusste sogar noch, dass ich nach dem letzten Mal in Urlaub gefahren bin und fragte, wie es gewesen sei. Wir sprachen dann noch kurz über den emotionalen Stress, den das immer macht und sie sagte, nach 10 Jahren wird das wohl mal besser. Bei mir nicht, sagte ich dann, wo doch nach 8,5 Jahren die Metastasen gekommen waren. Das musste sie dann zugeben, dass ich die Ängste wohl nie los werde.
Nee, sicher nicht. Aber mich hat ihr spontaner Spruch trotzdem gefreut, war er doch für mich ein Signal – sie hält es für möglich, dass es noch ein paar Jahre so weiter geht. Ich habe nichts dagegen 🙂

Dienstag:
Ich hatte wieder die übliche Diskussion mit den Damen am Empfang wegen des Faxen des Berichts. Sie weigerten sich, das zu machen, es sei ihnen vom Chef verboten worden. Man wisse ja schließlich nicht, wer am anderen Ende das Fax in Empfang nehmen würde. Ich hatte ein Vollmacht mitgebracht, extra für den Befund, unterzeichnet von mir und mit der Faxnummer. Und doch wollten sie es nicht tun.
Boh, ich hatte einen so dicken Hals, ich hätte fast nicht in die Röhre gepasst! Dazu werde ich dem Chef der Praxis einen Brief schreiben, ich finde, das geht so nicht.

Den Befund jedenfalls kriegte ich dann heute von meiner onkologischen Praxis, ich hatte sie gebeten, mir den gleich weiterzuleiten, wenn sie ihn bekommen.

Alles gut, auch hier. 😀 Uff. Und sogar ist noch eine der Läsionen in der Leber nicht mehr auffindbar. Hah, die will ich auch nicht wieder haben!

Einen Besprechungstermin wird es mit Professor Koryphäe dieses Mal nicht geben, er ist unterwegs. Und glücklicherweise gibt es ja auch nichts zu besprechen 😀

So allmählich nimmt die eine Aufregung wieder ab und die andere kommt. Aber dazu nachher mehr. Wenn ich noch den Nerv habe …

Achterbahn

Bis gestern war alles gut. Da habe ich mehr an das Gespräch nächste Woche gedacht als an das Staging. Abends kippte das, und plötzlich war nichts anderes mehr wichtig als die Untersuchungen nächste Woche. Da lag ich im Bett herum, konnte nicht schlafen und die Gedanken kreisten.

Und heute morgen war sie dann endgültig angekommen, die Angst, die tief im Bauch sitzt und so viel Energie kostet. Die einfach alle Motivation erdrückt, die das Arbeiten beinahe unmöglich macht. Angst, die dunkel und schwer in mir liegt und mich runterzieht.
Da kann der Kopf noch so häufig sagen „warte ab, hast doch keinen Grund, nervös zu sein“. Aber er kommt gegen den Bauch nicht an.

Meine Psychologin heute konnte sich das nur anhören, nickte zu meinen Plänen für das Wochenende. Auch wenn sie nichts Neues beitragen konnte, hinterher fühlte ich mich trotzdem besser, wie auch immer sie das geschafft hat.

Aber das war vorhin …

Und so gilt es, das Wochenende zu überstehen, bis ich Montag Morgen zum CT gehen kann. Lieber Besuch kommt am Wochenende, Laufen will ich und noch mal ins Studio. Die Zeit wird rumgehen, so wie immer. Aber es ist ein totes Wochenende, irgendwie, denn die Angst ist immer mit dabei.

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