morgen

Bis gestern war alles gut. Ab und an Nervositätsanfälle, aber sonst OK. Nicht immer bester Laune, manchmal melancholisch, manchmal antrieblos und auch leichter überfordert. Aber alles in Grenzen. Heute Morgen war es dann damit vorbei. Erst Durchfall wegen der Nervosität, immer wieder zog sich mir alles zusammen. Das Gefühl, zu fallen.
Kopfschmerzen seit Dienstag. Sonst habe ich mal drei Tage, oder vier. Heute ist der sechste. Ich versuche, nicht zu denken. Klappt nicht.

Laufen hilft ja immer. Aber nicht heute. Heute hatte ich das Gefühl, ich bin schon außer Atem, ehe ich bei der Laufstrecke ankomme. Beim Joggen atme ich am Limit, obwohl ich nicht anders unterwegs bin als sonst. Brust fühlt sich eingeschnürt an, der Mund ist manchmal so trocken, dass ich nicht schlucken kann. Die Gedanken kreisen nur um das Staging, wie ich reagiere, wenn die Ärztin vom CT mich morgen betreten ansieht. Was dann aus dem neuen Job werden soll. Aus meinem Leben. Komme nicht davon runter.
Das Atmen wird immer schwerer beim Laufen, obwohl ich langsamer werde. Mir ist nach Heulen zumute. Gedanken an Lungenmetastasen kommen und gehen nicht wieder weg. Sie sind immer noch da.

Ich mag mich verkriechen, nichts hören, nichts sehen, aber schlafen kann ich nicht. Ich wünschte, es wäre schon morgen. Und eine Minute später wünsche ich mir das lieber doch nicht.

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Geschwindigkeitsrausch

Sportwagen, linke Spur, Vollgas.

Weniger Termine sind es nicht geworden, aber sie sind nicht so Zeit fressend, im Augenblick stört es mich nicht so, was alles anliegt. Beflügelt mich sogar teilweise. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich wieder besser schlafe, mehr Energie habe. Das allein macht viel aus, wie gut sich der Tag anfühlt.

Die Autobahn ist frei, Bleifuß.

Keine Polizeistreife.

Noch mal beschleunigen, ehe der nächste Blitzer kommt. Keine vier Wochen mehr. Die Beamten stellen bereits die Geräte auf, Testmessungen werden gemacht, aber noch kann ich entkommen. Das Ziepen hier (nein, das ist das Wetter), das Piksen da (liegt am vielen Sport), nicht daran denken, was es gerade jetzt bedeuten würde, wenn sie mich erwischen würden und der Wagen in die Werkstatt müsste.

Und bis dahin? Das Verdeck runterfahren und den Wind um die Nase spüren!

Überholspur

Die Zeit rennt. Ich habe so viel um die Ohren, dass mir die Tage und Wochen unter den Fingern zerrinnen. Nicht (nur) mit unangenehmen Dingen, aber es ist doch reichlich voll derzeit in meinem Leben. Das ganze Organisieren mit dem Jobwechsel, Freunde treffen, Gartenarbeit, Familienfeste … und schon steht das nächste Staging vor der Tür.

Nur noch gut vier Wochen – und mir flattern schon wieder die Nerven – glücklicherweise (noch nicht) dauerhaft.

Wo ist die Zeit geblieben? Ich möchte gerne von der Überholspur runter, aber es klappt nicht recht. Möchte entspannen und bin doch ständig unter Strom. Komme abends nicht ins Bett, morgens nicht raus. Immerhin schlafe ich dazwischen wieder leidlich gut.
Zu viel, zu voll … meine Ohren summen schon wieder laut vernehmlich, mein Gewicht geht hoch, weil ich ein Stressesser bin. Nicht gut. Aber noch habe ich nicht den Bremshebel gefunden.

Ich tue jetzt das einzige, was hilft: Ich gehe laufen.

Könnte ich mir wünschen …

… eine der Nebenwirkungen loszuwerden, ich wüsste, was ich wählen würde.

Nicht die Hitzewallungen, nicht die Gewichtszunahme, nicht die so dünn gewordenen Haare auf dem Kopf oder die zunehmend dunklen an den Beinen, nicht das ganze Wasser, was mein Körper gerade einlagert, nicht die steifen Gelenke morgens. Auch nicht die ganze Grübelei oder die Angst.

Ich würde schlafen. Statt mich total müde ins Bett zu legen und nach einer halben Stunde immer noch nicht eingeschlafen zu sein. Statt schlaflos auf dem Sofa dem Hörbuch zu lauschen. Statt alle Stunde doch wieder wach zu sein, wenn das Wegdüseln mal geklappt hat. Statt mit jedem Tag zu sehen, dass ich morgens schlechter aus dem Bett komme. Statt mich den Tag danach zu sehnen, die Augen zuzumachen.

Einfach schlafen.

Unruhe

Selten hat mich etwas so beschäftigt wie dieses Bewerbungsverfahren. Wieder und wieder spuken Situationen durch meinen Kopf, vergangene und mögliche zukünftige, und ich komme nicht richtig zur Ruhe. Ich war so darauf gepolt gewesen, dass sich das bald entscheidet … und nun zieht es sich wie ein Kaugummi.
Das tut mir nicht gut, ich bin unruhig und kann gerade wieder nicht abends nicht einschlafen. Komme morgens nicht raus und bin leichter reizbar. Doof.

Und das Ganze setzt mich als Bewerber, sollten sie mich wirklich nehmen, sehr unter Druck. Wer so sorgfältig ausgesucht wurde, darf nicht versagen. Ich führe jetzt schon im Geiste Gespräche, sollte das alles rauskommen. Erst letztens ist jemand, den ich über das Netz kenne, in der Probezeit wieder gekündigt worden, weil eine Krankheit verschwiegen wurde. 😦

Ich muss mich sehr am Riemen reißen, nicht zu kneifen. Ich will diesen Job und gleichzeitig habe ich Angst, dass ich damit gegen die Wand fahre. Vielleicht wäre es besser, wenn … Nein, wäre es nicht! Basta.

Ich hoffe nur, dass dieses Elend nächste Woche ein Ende hat. So oder so.

Staging 05/2012 (CT und MRT)

Montag:
Mehr schlecht als recht ist das Wochenende rum gegangen. Es ist so ätzend, morgens aufzuwachen und fast augenblicklich krampft sich der Magen zusammen.
Hingefahren, im Stau gestanden, gerade noch rechtzeitig gekommen, sofort dran gekommen.
Dann warten. Warten.
Warten.
Das Gespräch dann war eher kurz – alles unverändert. Alles gut. 😀

Die Ärztin wusste sogar noch, dass ich nach dem letzten Mal in Urlaub gefahren bin und fragte, wie es gewesen sei. Wir sprachen dann noch kurz über den emotionalen Stress, den das immer macht und sie sagte, nach 10 Jahren wird das wohl mal besser. Bei mir nicht, sagte ich dann, wo doch nach 8,5 Jahren die Metastasen gekommen waren. Das musste sie dann zugeben, dass ich die Ängste wohl nie los werde.
Nee, sicher nicht. Aber mich hat ihr spontaner Spruch trotzdem gefreut, war er doch für mich ein Signal – sie hält es für möglich, dass es noch ein paar Jahre so weiter geht. Ich habe nichts dagegen 🙂

Dienstag:
Ich hatte wieder die übliche Diskussion mit den Damen am Empfang wegen des Faxen des Berichts. Sie weigerten sich, das zu machen, es sei ihnen vom Chef verboten worden. Man wisse ja schließlich nicht, wer am anderen Ende das Fax in Empfang nehmen würde. Ich hatte ein Vollmacht mitgebracht, extra für den Befund, unterzeichnet von mir und mit der Faxnummer. Und doch wollten sie es nicht tun.
Boh, ich hatte einen so dicken Hals, ich hätte fast nicht in die Röhre gepasst! Dazu werde ich dem Chef der Praxis einen Brief schreiben, ich finde, das geht so nicht.

Den Befund jedenfalls kriegte ich dann heute von meiner onkologischen Praxis, ich hatte sie gebeten, mir den gleich weiterzuleiten, wenn sie ihn bekommen.

Alles gut, auch hier. 😀 Uff. Und sogar ist noch eine der Läsionen in der Leber nicht mehr auffindbar. Hah, die will ich auch nicht wieder haben!

Einen Besprechungstermin wird es mit Professor Koryphäe dieses Mal nicht geben, er ist unterwegs. Und glücklicherweise gibt es ja auch nichts zu besprechen 😀

So allmählich nimmt die eine Aufregung wieder ab und die andere kommt. Aber dazu nachher mehr. Wenn ich noch den Nerv habe …

Achterbahn

Bis gestern war alles gut. Da habe ich mehr an das Gespräch nächste Woche gedacht als an das Staging. Abends kippte das, und plötzlich war nichts anderes mehr wichtig als die Untersuchungen nächste Woche. Da lag ich im Bett herum, konnte nicht schlafen und die Gedanken kreisten.

Und heute morgen war sie dann endgültig angekommen, die Angst, die tief im Bauch sitzt und so viel Energie kostet. Die einfach alle Motivation erdrückt, die das Arbeiten beinahe unmöglich macht. Angst, die dunkel und schwer in mir liegt und mich runterzieht.
Da kann der Kopf noch so häufig sagen „warte ab, hast doch keinen Grund, nervös zu sein“. Aber er kommt gegen den Bauch nicht an.

Meine Psychologin heute konnte sich das nur anhören, nickte zu meinen Plänen für das Wochenende. Auch wenn sie nichts Neues beitragen konnte, hinterher fühlte ich mich trotzdem besser, wie auch immer sie das geschafft hat.

Aber das war vorhin …

Und so gilt es, das Wochenende zu überstehen, bis ich Montag Morgen zum CT gehen kann. Lieber Besuch kommt am Wochenende, Laufen will ich und noch mal ins Studio. Die Zeit wird rumgehen, so wie immer. Aber es ist ein totes Wochenende, irgendwie, denn die Angst ist immer mit dabei.

Oberkante Unterlippe

Ich komme derzeit kaum zum Nachdenken, und das ist nicht gut. Normalerweise läuft die Denkmaschine beim Joggen auf Hochtouren, kann ich auch mal Gedanken abschließen, und der Problempegel sinkt etwas. Aber ich habe derzeit die Empfehlung lieber nicht zu joggen, da meine Nasennebenhöhlen noch immer mit dem Urlaubsbakterium kämpfen (seit mittlerweile 6 Wochen). Daraus resultierende Kopfschmerzen (ja, von der Nase, Jenneke, das hat nix mit Krebs zu tun) und Zahnentzündung, latentes Krankheitsgefühl. Immerhin schlafe ich gut …
Devise ist jetzt, es ruhig anzugehen, und da zählt eine Stunde Puls 168 beim Joggen nicht dazu. Ausgerechnet jetzt 😦

Das fehlt, ich bin heute einfach so raus gegangen, musste mal ein wenig Strecke machen, wenn auch gehender Weise. Denn ich will nicht, dass der Stand zu Unterkante Oberlippe wird, und alles überläuft …
Es sind derzeit so viele Baustellen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch (mit allen dran hängenden Ängsten, Zweifeln und Bedenken), Treffen mit einer lieben Freundin (die gerade wegen Burnout aus der Klinik kam), meinem Mann geht es derzeit auch nicht so wirklich gut, mein eigenes Hadern mit der Psychologie (meiner und der meiner Psychologin), dringend fälliger Gartenarbeit, und dem Gefühl, dauernd keine Zeit zu haben.

Aber ein Gutes hat es: in drei Wochen ist das nächste Staging, und ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken …

wieder da …

… und eigentlich auch nicht. Meine Gedanken sind noch im Urlaub …

Es waren wunderbare drei Wochen, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht hätten. Ganz oben auf der „schade-Liste“ steht, dass erst mein Mann, dann ich krank waren. Er hat die Erkältung der Klimaanlage im Flugzeug zu verdanken, ich dann ihm … Es hat uns nicht wirklich abgehalten, was zu unternehmen, aber wir hätten an einigen Tagen doch mehr davon gehabt, wären wir gesund gewesen. Leider ist dem Husten auch mein Vorhaben „Paragliding“ zum Opfer gefallen. Aber das war mir einfach zu riskant 😦

Das Wichtigste ist aber – ich habe zweieinhalb Wochen Auszeit gehabt. Keine Termine, keine Ärzte, kaum Gedanken an Krebs, kein Stress und Hektik. Das war einfach toll, fiel mir aber natürlich dann erst so richtig auf, als es auf das Ende des Urlaubs zuging, und die Gedanken wiederkamen. Da ist mir so richtig bewusst geworden, was mich dann wieder hier in Deutschland erwartet: Arzttermine, Nachsorgetermine, Auseinandersetzen mit meinem Krebs.
Das Gefühl, dass ich vielleicht nie wieder hierher kommen könnte, wurde da fast übermächtig, und das hat mich sehr runtergezogen. Glücklicherweise waren das nur die letzten zwei, drei Tage, und ich konnte es bis zum letzten Tag ganz gut im Griff halten (aber dann war’s echt vorbei 😦 ).

Die Traurigkeit, dass der Urlaub jetzt rum ist, und die Angst, dass es vielleicht nie wieder etwas wird, sitzen mir immer noch im Nacken. Aber ich versuche, mich an den vielen, vielen tollen Erinnerungen zu erfreuen und einen Teil der Entspannung zu retten. Deswegen – ein paar Bilder wird’s schon noch geben, aber das kann noch ein paar Tage dauern, ebenso wie das Lesen Eurer Blogs 😉

Innen

… ist immer noch nichts.

Letztes Mal bin ich vor Erleichterung und Freude fast geplatzt, als ich das Ergebnis vom CT hatte. Ich war so aufgedreht, dass ich erstmal laufen musste, um wieder etwas runter zu kommen (und was war das für ein Lauf!).

Und heute? Alles gut, schön. Weiter im Text. Und die gedrückte Stimmung ist immer noch da. Nein, gedrückt ist verkehrt, aber irgendwie teilnahmslos. Sicher, die negativen Gedanken waren und sind auch auf Abstand, aber jetzt sind die guten auch nicht da.

Gelaufen bin ich heute trotzdem. Habe dabei drüber nachgedacht, wie ich meine sportlichen Wünsche mit einen ärztlichen und dienstlichen Terminen zusammen bringe bis zum Urlaub. Ich musste mich regelrecht zwingen, mal dran zu denken, dass ich heute beim CT war, und dass es gut ausgefallen ist. Aber Freude kam nicht auf. Habe statt dessen darüber nachgedacht, warum ich gerade so drauf bin. Und bin doch nur zu einem Ergebnis gekommen:

Ich mag diese Gleichgültigkeit nicht.

Ich weiß nicht, woher sie kommt. Aber ich habe das Gefühl, mein Leben zieht gerade an mir vorbei, ohne dass ich daran Teil habe. Sicher, die Angst und die Nervosität sind manchmal schwer zu ertragen. Aber ohne Freude ist da auch keine Lebensqualität.

Hat das Lasea einen so starken Einfluss auf mich? Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen, ist doch nur Lavendel … und doch ist es das Einzige, was anders ist als sonst. Ich werde heute noch eine nehmen, wegen der Untersuchung morgen, und dann wieder aufhören.

Und dann werde ich ja sehen, was passiert.

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