Manuelle Therapie – Zwischenstand

Meine blockierte Rippe hat mir 6 Anwendungen manuelle Therapie verschafft. Die Hälfte davon ist jetzt rum, und meiner Rippe geht es gut. Blockiert ist sie nicht mehr, bleibt wo sie ist, keine Schmerzen mehr beim Atmen.

Aber die Rippe ist aber auch nicht das eigentliche Problem.

Die Therapeutin hat sich alles angehört, was ich zu sagen hatte und bis zu dem Punkt, wo ich mit dem Krebs anfing, sah sie auch gar nicht überrascht aus. Menschen, die überwiegend am Schreibtisch arbeiten, bekommen so was halt. Dann allerdings beschrieb ich ihr meine außergewöhnliche muskuläre Situation, die ich seit Februar 2002 mit mir herumtrage – auf der rechten Seite habe ich keine gerade Bauchmuskulatur mehr, sie wurde zweckentfremdet, um mir nach der Ablatio meine neue Brust zu ernähren (TRAM Flap).
Das bedeutet jetzt Folgendes: Auf der rechten (operierten Seite) sind die Muskeln im Rumpf zu schwach, um gegen die normale Menge Muskeln auf der linken Seite gegen zu halten. Folge ist, dass meine Wirbelsäule in einem Wirbel nach links knickt (von hinten betrachtet). Glücklicherweise merke ich davon (noch?) nichts, aber die Muskeln meines Rückens merken das. Der ständige ungleiche Zug führt dazu, dass die Muskeln bretthart sind, eine einzige Verspannung. Und das zieht dann natürlich auch hoch zum Brustkorb und hat seinen Anteil daran, dass eben solche Blockaden entstehen können.

Wenn ich zurückdenke an die Zeit nach der Operation, dann hieß es immer – das ist kein Problem, man kann gut ohne diesen Muskel leben, man hat ja den anderen geraden Bauchmuskel und die schräge Bauchmuskulatur. Man war mehr besorgt über die Beweglichkeit des Arms, mit dem Bauch sollte ich immer vorsichtig sein, damit bloß nichts durch das Netz bricht, das die statt des Muskels eingebaut haben.
Selbst in der Reha, die nach der Chemo war und damit fünf Monate nach der OP, war davon nicht die Rede. Allgemeine Fitness, ganz vorsichtig, bloß nichts heben, nichts machen, am besten nie mehr arbeiten.
Wie gut, dass ich mich nie daran gehalten habe. Ich habe immer alles gemacht, in meinen Körper gehorcht, ob es geht und dann weiter gemacht. Wie gut, sonst stünde ich jetzt vermutlich schlechter da.

Da sind wir jetzt also dran, die verkrampften Muskeln im ganzen Rücken wieder aufzulockern. Das wird mit Sicherheit länger dauern als 6 Anwendungen. Leider ergibt sich hier ein Problem. Meine Hausärztin hat ein Budget, sie kann so viel nicht verschreiben. Mein Onkologe darf überhaupt nur Krankengymnastik frisch nach einer Operation verschreiben, sonst gar nicht. Also zu einem Orthopäden? Noch ist ja nichts wirklich kaputt und Schmerzen habe ich auch keine …
Da tun sich jetzt die Spätfolgen meiner Krebsoperation auf und keiner kann dafür aufkommen? Einerseits finde ich das sehr traurig und es macht mich auch wütend, dass ich (so insgesamt betrachtet) damit allein gelassen werde. Andererseits weiß ich natürlich, was die antihormonelle Therapie kostet, die ich jeden Monat für läppische 10 Euro bekomme, weil die Krankenkasse sie bezahlt. Ich will da ja nicht undankbar sein …

Da werde ich also in den sauren Apfel beißen und zusehen, dass ich das selbst organisiere mit der Physio-Praxis. Und damit dann hoffentlich den wirklich ernsten Folgen des Ganzen entgegen wirken kann.

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