Spannend!

… sagte nun schon der zweite Therapeut zu mir. So spannend sei mein Fall.

Mir wäre es lieber, ich wäre Standard. Dann hätte mir vielleicht schon mal jemand helfen können. Aus den Problemen mit dem Iliosakralgelenk ist nun ein Ischias-Problem geworden. Schmerzen im linken Bein, von der Pobacke an bis in die Kniekehle, mal weiter oben, mal weiter unten. Erst nur manchmal. Dann nur morgens beim Sitzen (Stehpult gekauft), jetzt ein Dauerzustand, es sei denn ich gehe spazieren oder mache Gartenarbeit. Liegen kann ich nur noch in einer Position und selbst das nicht schmerzfrei. Sitzen ist eine Katastrophe, schade nur, dass ich einen Büro- und Reisejob habe …
Dazu kommt gelegentlich eine taube Rückseite vom Oberschenkel. Zwischendurch war es mal die eine Schamlippe, die manchmal taub wurde, immerhin das ist wieder weg. Es ist nicht so, dass das megamäßig weh tut (was Ischias ja auch kann), aber nach fast zwei Monaten damit bin ich es einfach leid, dieses ständige Ziehen im Bein, so gleichförmig, so völlig unbeeindruckt von allem, was ich mache.

Was mache ich? Sport, seit ein paar Wochen Stretching, Wärme. Bis ich dann mal mitten in der Nacht aufgewacht bin, das Bein tat weh, die Oberschenkelrückseite taub. Da war’s mir dann zu viel. Ich bin also zu meiner Hausärztin, die sofort mit Bandscheibe anfing und MRT machen. Ich habe mich geweigert. Ich kriege ein „P“ im Gesicht, wenn jemand mir nur MRT oder CT nahelegt. Da habe ich sofort wieder Visionen im Kopf, was da alles an altem Zeugs gefunden wird. Glücklicherweise hat meine Ärztin das verstanden, warum ich das nicht (sofort) will, sieht aber auch ein, dass was gemacht werden muss. Wir haben uns jetzt auf Krankengymnastik geeinigt (Verdacht auf Bandscheibenvorfall), das könne sie so aufschreiben. Wenn es nichts bringt, müssen wir weitersehen.

Meine Osteopathin schon fand meine ganze muskuläre Situation (mein rechter gerade Bauchmuskel wurde in der OP 2002 verwendet, um die neue Brust zu ernähren) so faszinierend, dass sie mich in einem Seminar ihren Kollegen vorgestellt hat. Meine Physio meinte nun nach der ersten Behandlung, mein Fall wäre ja so spannend, und sie freut sich, zu sehen, wie sich das entwickelt.

Danke schön. Ich wäre lieber ganz normal. Ehrlich.

Bandscheibe ist es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Alle klassischen Verrenkungen, die die Physio gemacht hat und auf die Bandscheibe gehen, machen mir nix. Die Muskeln auf Zug bringen, etwas Rotation, das triggert. Es ist die tiefe Po-Muskulatur, die mir hier die Probleme macht, vermutlich der musculus piriformis, der vom Kreuzbein zum Oberschenkel läuft. Der Ischias verläuft direkt an ihm lang, bei 20% der Bevölkerung sogar durch den Muskel. Es gibt ein Syndrom (Piriformis-Syndrom), das ziemlich genau meine Beschwerden beschreibt. Ausgelöst zum Beispiel durch starke Belastung beim Laufen (vielleicht mein toller Lauf im März, nach dem ich die Kreuzbeinprobleme hatte?) oder über die Zeit durch Hüftschiefstellung (die ich jetzt dank fehlendem geraden Bauchmuskel auch habe).

Es spricht alles dafür, dass ich die Schmerzen diesem kleinen Muskel zu verdanken habe. Und trotzdem spukt es immer durch meinen Kopf, dass es auch ein Progress sein könnte, wieder Metas gewachsen … Drei Wochen vor dem nächsten Staging sind solche Gedanken schwer kontrollierbar 😦 Vor allem, wenn man ständige schmerzhafte Erinnerung hat …

Manuelle Therapie – Zwischenstand

Meine blockierte Rippe hat mir 6 Anwendungen manuelle Therapie verschafft. Die Hälfte davon ist jetzt rum, und meiner Rippe geht es gut. Blockiert ist sie nicht mehr, bleibt wo sie ist, keine Schmerzen mehr beim Atmen.

Aber die Rippe ist aber auch nicht das eigentliche Problem.

Die Therapeutin hat sich alles angehört, was ich zu sagen hatte und bis zu dem Punkt, wo ich mit dem Krebs anfing, sah sie auch gar nicht überrascht aus. Menschen, die überwiegend am Schreibtisch arbeiten, bekommen so was halt. Dann allerdings beschrieb ich ihr meine außergewöhnliche muskuläre Situation, die ich seit Februar 2002 mit mir herumtrage – auf der rechten Seite habe ich keine gerade Bauchmuskulatur mehr, sie wurde zweckentfremdet, um mir nach der Ablatio meine neue Brust zu ernähren (TRAM Flap).
Das bedeutet jetzt Folgendes: Auf der rechten (operierten Seite) sind die Muskeln im Rumpf zu schwach, um gegen die normale Menge Muskeln auf der linken Seite gegen zu halten. Folge ist, dass meine Wirbelsäule in einem Wirbel nach links knickt (von hinten betrachtet). Glücklicherweise merke ich davon (noch?) nichts, aber die Muskeln meines Rückens merken das. Der ständige ungleiche Zug führt dazu, dass die Muskeln bretthart sind, eine einzige Verspannung. Und das zieht dann natürlich auch hoch zum Brustkorb und hat seinen Anteil daran, dass eben solche Blockaden entstehen können.

Wenn ich zurückdenke an die Zeit nach der Operation, dann hieß es immer – das ist kein Problem, man kann gut ohne diesen Muskel leben, man hat ja den anderen geraden Bauchmuskel und die schräge Bauchmuskulatur. Man war mehr besorgt über die Beweglichkeit des Arms, mit dem Bauch sollte ich immer vorsichtig sein, damit bloß nichts durch das Netz bricht, das die statt des Muskels eingebaut haben.
Selbst in der Reha, die nach der Chemo war und damit fünf Monate nach der OP, war davon nicht die Rede. Allgemeine Fitness, ganz vorsichtig, bloß nichts heben, nichts machen, am besten nie mehr arbeiten.
Wie gut, dass ich mich nie daran gehalten habe. Ich habe immer alles gemacht, in meinen Körper gehorcht, ob es geht und dann weiter gemacht. Wie gut, sonst stünde ich jetzt vermutlich schlechter da.

Da sind wir jetzt also dran, die verkrampften Muskeln im ganzen Rücken wieder aufzulockern. Das wird mit Sicherheit länger dauern als 6 Anwendungen. Leider ergibt sich hier ein Problem. Meine Hausärztin hat ein Budget, sie kann so viel nicht verschreiben. Mein Onkologe darf überhaupt nur Krankengymnastik frisch nach einer Operation verschreiben, sonst gar nicht. Also zu einem Orthopäden? Noch ist ja nichts wirklich kaputt und Schmerzen habe ich auch keine …
Da tun sich jetzt die Spätfolgen meiner Krebsoperation auf und keiner kann dafür aufkommen? Einerseits finde ich das sehr traurig und es macht mich auch wütend, dass ich (so insgesamt betrachtet) damit allein gelassen werde. Andererseits weiß ich natürlich, was die antihormonelle Therapie kostet, die ich jeden Monat für läppische 10 Euro bekomme, weil die Krankenkasse sie bezahlt. Ich will da ja nicht undankbar sein …

Da werde ich also in den sauren Apfel beißen und zusehen, dass ich das selbst organisiere mit der Physio-Praxis. Und damit dann hoffentlich den wirklich ernsten Folgen des Ganzen entgegen wirken kann.