Spannend!

… sagte nun schon der zweite Therapeut zu mir. So spannend sei mein Fall.

Mir wäre es lieber, ich wäre Standard. Dann hätte mir vielleicht schon mal jemand helfen können. Aus den Problemen mit dem Iliosakralgelenk ist nun ein Ischias-Problem geworden. Schmerzen im linken Bein, von der Pobacke an bis in die Kniekehle, mal weiter oben, mal weiter unten. Erst nur manchmal. Dann nur morgens beim Sitzen (Stehpult gekauft), jetzt ein Dauerzustand, es sei denn ich gehe spazieren oder mache Gartenarbeit. Liegen kann ich nur noch in einer Position und selbst das nicht schmerzfrei. Sitzen ist eine Katastrophe, schade nur, dass ich einen Büro- und Reisejob habe …
Dazu kommt gelegentlich eine taube Rückseite vom Oberschenkel. Zwischendurch war es mal die eine Schamlippe, die manchmal taub wurde, immerhin das ist wieder weg. Es ist nicht so, dass das megamäßig weh tut (was Ischias ja auch kann), aber nach fast zwei Monaten damit bin ich es einfach leid, dieses ständige Ziehen im Bein, so gleichförmig, so völlig unbeeindruckt von allem, was ich mache.

Was mache ich? Sport, seit ein paar Wochen Stretching, Wärme. Bis ich dann mal mitten in der Nacht aufgewacht bin, das Bein tat weh, die Oberschenkelrückseite taub. Da war’s mir dann zu viel. Ich bin also zu meiner Hausärztin, die sofort mit Bandscheibe anfing und MRT machen. Ich habe mich geweigert. Ich kriege ein „P“ im Gesicht, wenn jemand mir nur MRT oder CT nahelegt. Da habe ich sofort wieder Visionen im Kopf, was da alles an altem Zeugs gefunden wird. Glücklicherweise hat meine Ärztin das verstanden, warum ich das nicht (sofort) will, sieht aber auch ein, dass was gemacht werden muss. Wir haben uns jetzt auf Krankengymnastik geeinigt (Verdacht auf Bandscheibenvorfall), das könne sie so aufschreiben. Wenn es nichts bringt, müssen wir weitersehen.

Meine Osteopathin schon fand meine ganze muskuläre Situation (mein rechter gerade Bauchmuskel wurde in der OP 2002 verwendet, um die neue Brust zu ernähren) so faszinierend, dass sie mich in einem Seminar ihren Kollegen vorgestellt hat. Meine Physio meinte nun nach der ersten Behandlung, mein Fall wäre ja so spannend, und sie freut sich, zu sehen, wie sich das entwickelt.

Danke schön. Ich wäre lieber ganz normal. Ehrlich.

Bandscheibe ist es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Alle klassischen Verrenkungen, die die Physio gemacht hat und auf die Bandscheibe gehen, machen mir nix. Die Muskeln auf Zug bringen, etwas Rotation, das triggert. Es ist die tiefe Po-Muskulatur, die mir hier die Probleme macht, vermutlich der musculus piriformis, der vom Kreuzbein zum Oberschenkel läuft. Der Ischias verläuft direkt an ihm lang, bei 20% der Bevölkerung sogar durch den Muskel. Es gibt ein Syndrom (Piriformis-Syndrom), das ziemlich genau meine Beschwerden beschreibt. Ausgelöst zum Beispiel durch starke Belastung beim Laufen (vielleicht mein toller Lauf im März, nach dem ich die Kreuzbeinprobleme hatte?) oder über die Zeit durch Hüftschiefstellung (die ich jetzt dank fehlendem geraden Bauchmuskel auch habe).

Es spricht alles dafür, dass ich die Schmerzen diesem kleinen Muskel zu verdanken habe. Und trotzdem spukt es immer durch meinen Kopf, dass es auch ein Progress sein könnte, wieder Metas gewachsen … Drei Wochen vor dem nächsten Staging sind solche Gedanken schwer kontrollierbar 😦 Vor allem, wenn man ständige schmerzhafte Erinnerung hat …

Werbeanzeigen

Jenneke-Update

Ich bin natürlich zu den beiden Psycho-Terminen gegangen, auch wenn ich meine Ruhe wollte. Aber dann (hier) hinterher darüber zu schreiben, das war dann schon wieder zu viel …

Mein Antrag auf Psychotherapie wurde von der Krankenkasse anstandslos bewilligt. 25 Termine.
So ein Antrag braucht eine Konsiliarmeinung, die habe ich in diesem Fall von Professor Koryphäe bekommen. Geschrieben hat er:

Erschöpfungssyndrom mit Unruhezuständen bei metastasiertem Mammakarzinom. Unter endokriner Therapie bisher stabile Situation.

Recht hat er. Gefreut habe ich mich über das „stabile Situation“ (das hatte er geschrieben, bevor das wirklich klar war nach dem MRT-Befund von April), traurig macht mich das „bisher“. Natürlich weiß ich, dass die Therapie nicht ewig „halten“ wird und das ist auch keine Wertung, wie lange das noch dauert. Und doch ist das ätzend, es so zu lesen … Heilung nicht mehr möglich.

Wider Erwarten (wegen meiner Unwilligkeit) war der Termin bei Frau O. recht angenehm, da wir auf das fokussiert haben, was bei mir gut funktioniert an Bewältigungsstrategien. Hinterher hatte ich einen seltsamen Gefühlsmischmasch von „ich bin toll, ich kann ganz viel“ und „was tue ich dann hier eigentlich“. Ich bin gespannt, wie es da weiter geht.

Meine alte Psychologin, bei der ich einen Tag später war, schien ehrlich traurig, mich jetzt nicht wiederzusehen. Wir haben noch einmal gut gesprochen, und sie freut sich, dass ich weitermache. Eines hat sie mir noch ans Herz gelegt – wir sollen doch bitte am schlechten Gewissen gegenüber der neuen Firma arbeiten, das sieht sie immer noch als starken Punkt an, der mich belastet. Und einer, den man ändern kann.
Mal sehen.

Und sonst? Ich arbeite viel, unser Projekt hebt bald ab 🙂 Ich bin viel im Garten, kämpfe immer noch an der Front „Ausdauersport finden“ und komme mit so vielen Dingen, die ich eigentlich machen möchte, nicht voran. Aber im Augenblick stört es mich nicht so. Es läuft manches im Hintergrund, was mir bald viel Freude machen wird (verrate ich, wenn es spruchreif ist).

Es geht mir gut, und das darf gerne so bleiben 😀

Klappe fällt

Ich habe gestern nicht viel geweint, es war nur eine einzige Sache, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Denn wie auch immer das da jetzt ausgeht – eines ist sicher: Das Thema Joggen hat einen Knacks weg bekommen.

Seit ich Anfang März diesen wundervollen, entspannten, tollen 6km-Lauf gemacht habe, der mir das Iliosakralgelenk so gereizt hat, hatte ich mit dem Laufen Probleme. Ich war nicht mehr locker, ich hatte bei jedem Lauf Angst, dass es wiederkommt. Und das kam es, nicht so heftig wie beim ersten Mal, aber ich habe es auch wieder gemerkt, als ich am CT-Tag gelaufen bin. Der Lauf am Dienstag hatte nichts Entspanntes, es war einfach nur ätzend (und natürlich hatte ich Mittwoch wieder Probleme …).

Ich war schon vor dem Staging bei der Osteopathin, der Artikel ist nie fertig geworden, und das wird er jetzt auch nicht werden. Sie sagte, mein Körper sei mit dieser krassen Veränderung (TRAM Flap 2002 = Umlegung eines Strangs der gerade Bauchmuskulatur zum Brustaufbau) sehr gut klar gekommen ist, viel von dem Defizit würde er auffangen. Aber das bleibt natürlich nicht ohne Folgen:

  • Durch die fehlende Muskulatur rechts ist links der Zug zu stark – meine Wirbelsäule knickt nach links.
  • Durch die fehlende Muskulatur kippt das Becken rechts leicht vor.
  • Dem Rückenmuskel (Iliocostalis) fehlt der Gegenspieler im Bauch, er hat das meiste Ungleichgewicht auszugleichen. Dieser Muskel läuft runter bis ins Becken zum Darm- und Kreuzbein (genau den beiden Knochen, zwischen denen sich das Iliosakralgelenk befindet).
  • Das gekippte Becken wird durch eine Gegendrehung des Oberkörpers ausgeglichen, was die gesamte Rückenmuskulatur auf Dauer nicht gut findet. Die Verspannung zieht sich dann hoch zu Schultern und Nacken. Das macht Kopfschmerzen (und manchmal auch blockierte Rippen …)

Und wahrscheinlich ist es genau diese Reizung am Kreuzbein, was mir jetzt mit dem MRT Probleme macht (das ist im Augenblick meine Arbeitshypothese bis mir jemand beweist, dass es wirklich Metastasen sind. Basta.).

Das Joggen hat mir so gut getan, und ich war so so so froh, dass ich was gefunden hatte, das mir Spaß macht und mir gut tut.

Aber das tut es nicht mehr. Es tut mir nicht mehr gut. Weder meinem Körper noch meiner Psyche. Und das bringt mich zum Weinen, auch jetzt wieder, weil ich mich jetzt gerade so verloren fühle. Als wir gestern noch unterwegs waren, hat mir jeder Jogger, den wir gesehen haben, feuchte Augen gemacht. Und ich kann es nicht mehr. Vielleicht geht es irgendwann körperlich wieder, aber der Knacks ist da. Es wird nie wieder so werden wie vorher.
Ich nicht weiß, wie ich das akzeptieren soll. Wie ich es schaffen soll, mich davon zu lösen (mein Hauptziel für dieses Jahr war, 10 km zu laufen). Wie ich es schaffen soll, so offen für andere Dinge zu werden, dass ich einen Ersatz finde. Dass ich mich bei was anderem so entspannen kann, dass mein Kopf mal frei wird.

Das Schwimmen ist der beste Kandidat. Ich bin eine Wasserratte, ich war früher im Schwimmverein. Meine Schultern und Arme sind muskulös, weil ich viel geschwommen bin damals und ich genieße es, das wieder zu tun. Wasser ist toll. Ich muss nur noch den Gedanken loswerden, dass Joggen toller ist. Und als Ausgleich für die frische Luft vielleicht Nordic Walking?

Willkommen im Alter 😦

Läufer-Anatomie für Fortgeschrittene

Es gab bisher einen Samstag mit schönem Wetter. Ich war in der Woche davor eine kleine Runde mit 3,5 Kilometern gelaufen. Das wollte ich jetzt wieder, aber die Sonne schien so schön, und überhaupt hat mir das Laufen viel, viel Spaß gemacht an dem Tag. Am Ende war es dann eine normale Runde von 6 Kilometern. Ich war kaputt, aber glücklich.

Tja, die Quittung kam dann am nächsten Tag. Erst dachte ich, es wäre ein Muskelkater, der meiner linken Po-Backe so zusetzt, aber Muskelkater hämmert nicht, wenn man sich nicht bewegt. Muskelkater macht keinen Dauerschmerz, wenn man im Bett liegt. 😦 Nach dem Alarm bezüglich meines Beckens im letzten August wegen der Metastasen ging in meinem Kopf wieder die Post ab. Schade, dass das nicht auch mit einer Schmerztablette besser wird …

Am Montag danach hatte ich meinen letzten Physio-Termin und nun kam die Anatomie-Lehrstunde. Im Becken gibt es etwas, das nennt sich Iliosakralgelenk. Das ist der Übergang von Beckenknochen in Richtung Wirbelsäule, und es kann ganz fürchterlich weh tun, wenn man es nicht richtig behandelt. Offenbar hatten die 6 Kilometer meinem Becken den Rest gegeben. Das passiert bei Läufern manchmal, und übrigens, Ihr Becken ist schief, da kann das noch schneller mal kommen.
Die Physio hat gedrückt und gedehnt, getapt und mit Reizstrom versorgt, und tatsächlich war es am nächsten Tag viel besser. Und auch wenn ich wusste, das kommt vom Laufen … der Gedanke an die Metastasen hat mich nicht losgelassen. Letztes Jahr bin ich immer 6 Kilometer gelaufen. Wieso kriege ich da jetzt ein Problem? Die Gedanken sind frei …

Ich habe dann fast zwei Wochen mit Laufen ausgesetzt und bin dann wieder meine kleine Runde gelaufen. Kein Spaß. Ständig habe ich in meinen Körper reingehorcht, wie es sich anfühlt. Ständig geschaut, wie ich den Fuß aufsetze, damit es nicht so viel Stoß gibt. Entspannung ist was anderes. Aber ich hatte keine Probleme und es kamen auch keine nach.
Nach drei Tagen Pause bin ich wieder gelaufen, und prompt kam das Problem zurück. Nicht so fies wie beim ersten Mal, aber so deutlich, dass ich es nicht ignorieren konnte. 😦

Das alles hat mich ins Grübeln gebracht, ob das Joggen richtig für mich ist. Es macht Spaß, ich kann (normalerweise) gut dabei abschalten, ich mag meine neue Ausdauer. Aber offenbar ist mein Körper nicht dafür geeignet? Tue ich mir wirklich was Gutes, wenn ich laufe oder richte ich mehr Schaden an? Ich weiß es nicht. Eine Alternative fällt mir nicht ein, aber wenn ich mir vorstelle, ich darf nicht mehr joggen, dann zieht sich mir alles zusammen. Nicht wegen der Ausdauer sondern wegen der psychischen Entspannung, die mir das Laufen bringt. Und die habe ich so dringend nötig …

Projekt Minus Fünf

Die letzten Wochen bin ich immer mehr genervt von meinen Speckrollen, die sich hartnäckig um meine Mitte verteilen. Sieht doof aus und überhaupt – jedes Kilo, das ich beim Joggen mitschleppen muss, ist schlecht für die Knie! Und ich will dieses Jahr endlich die 10km schaffen!
Ich hänge jetzt seit gut einem Jahr bei etwa 85kg, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Immerhin nicht mehr die knapp 90, die ich mal hatte durch die antihormonelle Therapie, aber doch noch mehr als zu Beginn (da hatte ich 82kg). Aber das lässt mich hoffen, dass sich mein Körper in den 2,5 Jahren immerhin soweit mit dem hormonlosen Zustand arrangiert hat, dass prinzipiell eine Gewichtsabnahme möglich ist.

Deswegen – Projekt Minus Fünf. Ich möchte wieder unter 80kg kommen. Nicht in zwei Wochen oder zwei Monaten. Aber bis zum Ende des Jahres.

Ich werde mir deswegen nicht alles verkneifen, das geht ohnehin nicht gut. Und ich möchte auch nicht auf Schokolade und Gummibärchen und Chips (ja, die esse ich alle gerne 😉 ) verzichten. Aber es sollte doch möglich sein, keine Chips zu essen abends, wenn ich schon nachmittags Schoggi hatte. Und von allem ein bisschen weniger.
Außer Euch sage ich das keinem, was ich vorhabe. Ich habe keine Lust auf hochgezogene Augenbrauen oder süffisantes Lächeln, wenn ich ein zweites Stück Kuchen esse oder es abends doch mal Chips gibt. Ich mache das mit mir selbst aus, mit niemandem sonst.

Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt und wie lange meine Motivation hält. Im Augenblick ist sie groß 😀


Nerviges Rippchen

Jetzt geht das fast einen Monat, dass mir mein rechte Seite weh tut. Zeitweise konnte ich nicht auf dem Rücken liegen, nicht richtig tief atmen. Das hat meine Angst vor dem Staging natürlich noch ordentlich angeheizt 😦
Die Ärztin, die das CT vom Thorax gemacht hat, vertrat die Theorie, dass es psychosomatisch wäre. Da der Schmerz aber nicht weg ging, verschob sich die Theorie Richtung blockierter Rippe. Meine Freundin, die Physiotherapeutin, hat vor Weihnachten Hand angelegt und es krachte gewaltig, allerdings nicht nur auf Höhe der schmerzenden Stelle auch noch weiter höher kurz vor der Brustwirbelsäule.
Puh.
Danach ging das Atmen deutlich besser und Weihnachten konnte ich recht gut auf dem Boden herumkriechen und mit meiner Nichte spielen.

So ganz weg war es aber nicht, der ursprüngliche Schmerz, seitlich Richtung Vorderseite, blieb mir erhalten. Allerdings war es jetzt nicht mehr so schlimm, als dass es mich abgehalten hätte, ins Sportstudio oder auf die Laufpiste zu gehen. Ging alles, aber irgendwie war’s nervig und wurde auch nicht besser. Also bin ich dann Freitag zu meiner Hausärztin gegangen. Ab auf die Liege und wieder hat es geknackt, als sie drauf gedrückt hat, dieses Mal allerdings „nur“ an der unteren Stelle, oben war noch alles, wo es hingehört.
Auf meine Frage, wo zum Henker so was herkommt, hat sie nur die Achseln gezuckt. Verspannungen, Zug, falsche Bewegung, innere Anspannung, alles kann beitragen. Und dann passiert es halt. Schön, also nicht psychosomatisch sondern durch innere Anspannung. Auch nicht besser 😦

Was soll ich sagen? Es ist immer noch da … Oder vielleicht auch wieder, zwischendrin schien es mal besser zu sein. So langsam habe ich das Gefühl, das wächst sich zu einem Dauerzustand aus. Ich werde dem Ganzen jetzt noch ein paar Tage geben, ich bin eh auf Dienstreise, dann stehe ich wieder bei meiner Ärztin auf der Matte. Sie sagte was von Massagen, und ich glaube, das wäre eine gute Sache. Diese eine Stelle am Rippenansatz ist sehr verhärtet und schmerzhaft, wenn man draufdrückt, und vielleicht ziehen die verkrampften Muskeln die Rippe immer wieder in die Blockade. Keine Ahnung …

Aber ich habe keine Lust, dass das jetzt so weitergeht. Diese Zeit jetzt, die nachdem ein gutes Staging gerade durch ist, ist immer die beste. Und die will ich mir nicht durch so blöde Wehwehchen vermiesen lassen. 😛

Notstrom

Irgendwie wird es schlechter, nicht besser. Diese Fahrerei zwischen Bürowohnung und Zuhause ist stressig, zehn Stunden mehr in der Woche, in denen ich in Zügen und Autos herumsitze und nicht tun kann, was ich will.

Und obwohl im Büro eigentlich nichts Besonderes passiert, bin ich platt abends. So viel, was ich tun möchte, tun könnte, und alles bleibt liegen. Ich kriege nichts mehr auf die Reihe. Selbst am Wochenende muss ich mich am Nachmittag hinlegen, weil ich so müde bin.

Ich habe Angst, dass es jetzt die ganze Zeit so weiter geht. Dass alles, was mir etwas bedeutet, auf der Strecke bleibt, bleiben muss, weil der neue Job und diese ganze Situation zu viel Energie frisst. In den letzten Tagen denke ich wieder häufiger an meinen Krebs, an das katastrophale letzte Staging. „Das geht hier alles nicht gut“, kommt immer wieder in meinem Kopf hoch. „Mach dir nichts vor, irgendwo in deinem Körper ist er munter am Wachsen.“ Sobald nur ein kleines Wehwehchen zu spüren ist, kommen die Gedanken an Metastasen hoch.
Der Kopf sagt, ich habe zu wenig Sport gemacht (deswegen zwackt es ab und an), war erkältet, die ganze Situation ist ungewohnt und stressig. Das ist nichts, sagt der Kopf, das letzte Staging war ätzend, aber in Ordnung. Du bist nur überempfindlich, denk nicht weiter darüber nach.

Aber das klappt nicht, und ich denke doch oft an meinen Krebs. Habe ein schlechtes Gefühl meinem Körper gegenüber, traue ihm nicht. Ich denke viel und habe doch eigentlich keine Kraft, mich gerade damit auseinander zu setzen. Ich will am liebsten nichts davon wissen. Selbst diesen Post zu schreiben, war eine enorme Anstrengung irgendwie.

Im Augenblick frage ich mich, was es mich kosten wird, diese Monate der Einarbeitung durchzuhalten. Und doch geht es nicht anders, ich muss da durch und halte mich an der Hoffnung fest, dass es nach der Eingewöhnung doch besser wird.

„Ich finde das nicht stimmig“

war das erste, was Professor Koryphäe zu mir sagte. „Das passt nicht zusammen.“

Als er das sagte, wusste ich schon, dass er meinen Sturz mögen würde. Ich hatte die ganze Zeit überlegt, wie ich das Gespräch anfangen sollte, aber er hat es mir damit sehr einfach gemacht. Also sagte ich: „Ich habe da noch ein paar Informationen, die da vielleicht besser ins Bild passen.“
Dann habe ich erzählt, was mich stutzig gemacht hat (er ist auch über das „flächig“ gestolpert) und er sagte, der Sturz würde alles ganz zwanglos und vollständig erklären. Nicht so, wie ich es mir mit Hämatomen vorgestellt hatte, da das MRT so was nicht zeigt, sondern Ödeme, die sich bilden bei solchen Verletzungen. Aber das macht nichts. Uff.

Sein Standpunkt war eindeutig – die Art der Metastasierung, der Verlauf des Progresses, der aus dem Befund hervorgeht – das passt einfach nicht. Er hat schon viel gesehen, so was noch nicht. Nirgendwo sonst in meinem Körper gibt es Hinweise darauf. Er sagte, bei so massivem Befall, wie er da beschrieben ist, würde man das im Blut sehen, nicht unbedingt im Tumormarker sondern in der Alkalischen Phosphatase (da sie Zellabbau anzeigt). Aber da ist alles gut.

Aber abklären tun wir das natürlich trotzdem, dafür ist der Befund zu schwerwiegend, um es nicht zu tun. Deswegen gibt es nächste Woche einen Termin für ein Becken-CT. Wenn da die Knochen gut aussehen (abgesehen von einer Haarrissfraktur, die er erwartet nach meinen Beschwerden), dann haken wir den MRT-Befund ab als Falschaussage.

Daran halte ich mich jetzt fest. Der Mann hat viel gesehen, er kennt sich aus. Aber so richtig weggehen wird mein Zittern erst, wenn das CT gelaufen ist. Wenn das gut aussieht. Und selbst dann wird dieser Schock so schnell nicht weggehen.

Gestern, mit dem Befund in der Hand, hätte ich das nicht für möglich gehalten, dass das alles so eine Wendung nimmt.

Ich gehe jetzt joggen, das Adrenalin loswerden …

morgen

Bis gestern war alles gut. Ab und an Nervositätsanfälle, aber sonst OK. Nicht immer bester Laune, manchmal melancholisch, manchmal antrieblos und auch leichter überfordert. Aber alles in Grenzen. Heute Morgen war es dann damit vorbei. Erst Durchfall wegen der Nervosität, immer wieder zog sich mir alles zusammen. Das Gefühl, zu fallen.
Kopfschmerzen seit Dienstag. Sonst habe ich mal drei Tage, oder vier. Heute ist der sechste. Ich versuche, nicht zu denken. Klappt nicht.

Laufen hilft ja immer. Aber nicht heute. Heute hatte ich das Gefühl, ich bin schon außer Atem, ehe ich bei der Laufstrecke ankomme. Beim Joggen atme ich am Limit, obwohl ich nicht anders unterwegs bin als sonst. Brust fühlt sich eingeschnürt an, der Mund ist manchmal so trocken, dass ich nicht schlucken kann. Die Gedanken kreisen nur um das Staging, wie ich reagiere, wenn die Ärztin vom CT mich morgen betreten ansieht. Was dann aus dem neuen Job werden soll. Aus meinem Leben. Komme nicht davon runter.
Das Atmen wird immer schwerer beim Laufen, obwohl ich langsamer werde. Mir ist nach Heulen zumute. Gedanken an Lungenmetastasen kommen und gehen nicht wieder weg. Sie sind immer noch da.

Ich mag mich verkriechen, nichts hören, nichts sehen, aber schlafen kann ich nicht. Ich wünschte, es wäre schon morgen. Und eine Minute später wünsche ich mir das lieber doch nicht.

ausgedient

Fast 550 km habe ich nun in ihnen zurückgelegt, davon gut 400 laufend. Nun sind sie durch und haben ausgedient.

Die neuen sind viel farbiger, Union Jack vorne drauf. Olympia-Edition? Der erste Test war jedenfalls wunderbar, es läuft sich wie auf Wolken 🙂

Einen Effekt hatte aber das ganze Laufen (und das halbe Jahr Muckibude) – ich habe zwar gewichtsmäßig nicht viel abgenommen (gut drei Kilo), aber einen Unterschied gibt es doch. Irgendwann merkte ich, dass da wieder Konturen sind an meinen Beinen. Ich glaube, die Muskeln habe ich zuletzt vor 20 Jahren gesehen 😉

Ich hatte damals noch mehr Fotos gemacht, wollte Euch aber das ganze Bein nicht zeigen. Zu schwabblig, nein danke. Da es mich einfach interessiert hat, ob das jetzt anders aussieht, habe ich die gleiche Pose gewählt.

Schlanker sind meine Beine nicht geworden (man beachte den nicht unerheblichen Muskel an der Oberschenkelrückseite 😉 ), aber die Cellulite ist doch deutlich auf dem Rückzug. Und vielleicht täuscht es auch, aber ganz so rollig sieht mein Bauch auch nicht mehr aus 😀

« Older entries