grübel, grübel …

Vier Tage frei, und ich habe das Gefühl, es ist nötig. Nur gut vier Wochen nach dem Urlaub. Irgendwie gibt mir das zu denken. So viele Stunden gearbeitet habe ich nicht, zwischen 40 und 43 pro Woche. Früher hat mir das nix ausgemacht. Wieso jetzt? Kann ich nix mehr ab? Die Krankheit schlägt jetzt doch zu, keine Belastbarkeit mehr?

Letztes Jahr war sehr entspanntes Arbeiten angesagt (es war einfach nicht so viel zu tun). Jetzt ist die normale Quote wieder erreicht, übermäßig viel ist es nicht. Hatte schon mehr. Meinen Kollegen geht es vielfach ähnlich – Anpassungsstörung an die normale Arbeitsbelastung und Unzufriedenheit mit diesen schwammigen Aussagen der neuen Geschäftsleitung nach der Übernahme.

Also bin gar nicht ich das unbedingt? Vielleicht ist es gar nicht die Menge der Arbeit, vielleicht ist es das ganze Umfeld? Warum sonst schreibe ich Bewerbungen? Meine eine Kollegin meinte, ich wäre nicht mehr gefordert. Huch, genaues Gegenteil von „zu viel Arbeit“ … Also was jetzt?

Wie auch immer – ich habe nicht übermäßig viel gearbeitet, und trotzdem habe ich dieses „keine Zeit“-Gefühl, obwohl das definitiv nicht stimmt. Ich nehme mir viel Zeit für mich (morgens vor dem Arbeiten, abends noch der Sport). Es liegt wohl eher daran, dass ich so viele Dinge gerne tue, zu denen ich letztes Jahr gut Zeit hatte. Der ganze Sport kam dazu. Jetzt geht nicht mehr alles, versuche ich aber trotzdem … Freizeitstress. Wäre ja nicht schlimm, wenn ich es als positiv empfinden würde. Tue ich aber nicht.

Ich mag das nicht, diese latente Unzufriedenheit, wenn ich nicht recht festmachen kann, woher sie kommt. Arbeit? Freizeitgestaltung? Oder doch der Krebs? Unklar. Und dann kann ich das auch nicht abstellen. Aber es hilft nix, weiter Grübeln bis ich dahinter gekommen bin. 😉

Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf die freien Tage! Ich wünsche Euch ein entspanntes Osterfest, viel Lachen und einen Haufen bunte Eier!

Psycho-Onkologie

Anfang der Woche hatte ich den ersten Termin in der pychosomatischen Frauenheilkunde. Es fing schon mal schlecht an, weil ich massive Probleme hatte, mein Auto an der Uniklinik zu parken (alles voll um 10 Uhr?) und dann in dem riesigen Gebäudekomplext die Frauenklinik zu finden. So war ich dann abgehetzt, als ich ankam. Nicht gut.

Die Psychotherapeutin sah deutlich älter aus als auf dem Bild der Homepage, und ich war nicht sicher, ob ich sie wirklich sympathisch fand. Aber ich konnte mich gut mit ihr unterhalten, und es fiel mir leicht, mit ihr zu reden. Die hat schnell gemerkt, dass ich Probleme mit diesem Fragebogen hatte, und hat ihn dann auch recht schnell zur Seite gelegt.
Ich habe ihr lange meine Geschichte erzählt, sie muss mich ja erstmal kennenlernen. Memo an mich – nächstes Mal einen Bonbon mitnehmen, zwischendurch war mein Hals zu trocken. Wir haben uns auch zum Teil über Sachen unterhalten, von denen ich das nicht erwartet hätte.

Zwischendrin hat die Ärztin immer mal wieder zusammengefasst, was alles gut läuft. Und das ist eine Menge! Ich habe viel Lob für meine Vorweihnachtsaktion mit dem Sportstudio eingeheimst. Das ist der Weg, sagte sie.
Weiterhin haben wir viel darüber gesprochen, dass ich nicht anderen gegenüber verpflichtet bin. Nicht meinen Eltern, nicht meiner Familie oder Freunden, nicht mal meinem Mann. Nur mir selbst gegenüber. Das ist sicher ein Punkt, über den wir noch viel sprechen werden.

Dass ich abends manchmal mit Herzrasen im Bett liege, hat sie nicht überrascht. Die Krebserkrankung ist eine Dauerbelastung, die unterschwellig immer da ist, auch wenn ich gerade aktiv nicht daran denke. So kommen dann die Symptome auch mal hoch, wenn kein Staging ansteht. Und wenn das näher kommt, ist natürlich die Belastung viel mehr da.
Psychopharmaka würde sie mir nicht aufschreiben wollen (nee, das will ich auch nicht), aber sie hat mir einen Tipp für ein Pflanzliches Präparat gegeben: Lasea. Ich teste gerade und werde dann mal berichten.

Mein Gefühl bei diesem ersten Gespräch war wie mit dem Fragebogen. Ich schwankte zwischen
„Was tust du hier eigentlich? Du hast doch schon selbst so viele Strategien entwickelt, du klaust nur anderen die Zeit der Ärztin.“
und
„Oh Gott, ich habe so viele Probleme, wie schaffe ich überhaupt mein Leben?“

Der Plan ist jetzt, dieses und das nächste Staging mit Gesprächen zu begleiten. Sie kann an meiner Erkrankung natürlich nichts ändern, wohl aber können wir an meiner Einstellung arbeiten, dass diese Belastung etwas zurück geht.
Sie kann keine Dauertherapie anbieten, sie macht Krisenintervention. Ich bin damit einverstanden, denn im Augenblick glaube ich, dass es ausreicht. Ich wünsche mir Denkanregungen, wie ich besser mit allem umgehen kann, und die werde ich kriegen. Und sie sagte, wenn eine neue Krise da ist, dann kann ich ja wiederkommen 😉

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie die Effekte sein werden 🙂

10 Jahre …

Heute vor 10 Jahren fand die entscheidende Operation statt, die den Krebs in meiner linken Brust bestätigt hat. Fast hätte ich geschrieben – 10 Jahre Krebs, aber das stimmt natürlich nicht. Nach Größe und Menschenalter berechnet kann so ein Tumor schon an die 10 bis 15 Jahre wachsen, ehe er eine Größe hat, die entdeckt werden kann.
Und doch zählt nur der Zeitpunkt, wo der Krebs ins Leben einbricht.

10 Jahre. Ein Viertel meines Lebens.

Erschreckend und doch auch ermutigend. Denn es waren 10 gute Jahre. Nicht jeder einzelne Tag davon, auch nicht jede einzelne Woche. Doch insgesamt liegt die Waagschale eindeutig auf der „positiv“ Seite. Ich habe gut und bewusst gelebt, habe Träume verwirklicht, bin beruflich erfolgreich geworden, habe viele Dinge gemacht, die mir gut tun.
Hätte ich das auch getan, wenn ich nicht an Krebs erkrankt wäre? Oder wäre ich in meinem mittelmäßigen Leben weiter vor mich hin gedümelt und hätte mich für andere aufgerieben? Die Spekulation ist müßig, doch ich weiß, wir wären niemals nach Neuseeland gefahren, wir hätten so vieles nicht gemacht, weil es unvernünftig ist, so viel Geld auszugeben, wenn man ein Haus abzubezahlen hat.
Was hätten wir verpasst!

Und das letzte Jahr? Ich habe deutlich das Gefühl, dass sich meine Wahrnehmung verändert hat. Ich sehe jetzt deutlicher, was mir gut tut, was ich für mich selbst tun kann und tun muss, damit es mir weiter gut geht. Das letzte Jahr war ein absolutes Sportjahr, ich habe so viel gemacht, wie die ganzen letzten 9 Jahre zusammen nicht. Und es tut mir so gut! Schade, dass ich das nicht schon vorher für mich entdeckt habe 😉

10 Jahre Krebs, und es geht mir ausgezeichnet! Körperlich war ich seit Jahren (vielleicht Jahrzehnten 😉 ) nicht so gut drauf (ich lasse meinen Freund Noro jetzt einfach mal aus der Rechnung raus). Und auch wenn ich vor zwei Tagen einen „ich maule rum“-Artikel geschrieben habe – ich stehe voll im Leben und es geht mir (meistens) gut. Wie sollte ich auch die guten Tage erkennen, wenn es keine schlechten gäbe?

So jedenfalls darf das gerne noch ein paar Jahre (oder Jahrzehnte?) weitergehen 😀

2012

Einen Jahresrückblick werde ich an meinem Geburtstag schreiben, dem 9. Januar. Nicht der vor 40 Jahren, aber der vor 10 Jahren 🙂
Aber trotzdem beginnt jetzt ein neues Jahr, und ich habe eine ziemlich lange Wunschliste für die kommenden 365 Tage. Ich hoffe, dass ich am Ende ein positive Bilanz ziehen kann.
Die Liste ist nicht erschöpfend und bis auf den ersten Punkt, der mir natürlich am Wichtigsten ist, nicht unbedingt als Reihenfolge zu verstehen.

  • Gesundheit (in meinem Fall – kein weiteres Metastasenwachstum)
  • Spaß haben!
  • viel Zeit für mich
  • eine eigene Himbeere pflücken
  • 10 km laufen
  • einen entspannten Ehemann
  • eine neue Rose pflanzen
  • viel Zeit mit meinen Lieben
  • den Roman beenden
  • Neuseeland ohne Pannen
  • neuen Job
  • Meditieren lernen
  • mindestens ein Konzert besuchen (gerne auch mehr)
  • 5 kg abnehmen
  • neues Auto
  • Skydive oder Paragliding
  • einen Fotokurs machen
  • Zeit mit meinen vier Nichten verbringen
  • eine Pergola für die Terrasse

Ich wünsche Euch ein entspanntes und gesundes Neues Jahr! Möge sich die Glückswaage am Ende zur guten Seite neigen.

Selbstfürsorge

Ich habe mich nach Weihnachten mit einer lieben Freundin getroffen. Ich hatte ein bisschen Angst vor dem Treffen, da sie seit ein paar Monaten wegen Depression in Behandlung ist und ich nicht abschätzen konnte, wie sie drauf sein würde. Aber es war ein netter Abend, voll intensiver Gespräche.

Eines davon ging über Selbstfürsorge, etwas, das sie nicht genug betreibt. Ich kenne das von mir auch, das ist wie ein Reflex: erst die anderen, dann ich. Doch während wir sprachen, ist mir aufgangen, dass sich das bei mir etwas verändert hat. Ich schrieb ja schon in meinem Weihnachtspost, dass dieses Jahr die übliche Depri an mir vorbei gegangen ist.
Je länger ich jetzt darüber nachdenke, desto mehr schreibe das meiner veränderten Einstellung zu. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das letztes Jahr empfunden habe (nämlich so wie sonst) – so viel zu tun, dass ich selbst mit meinen Bedürfnissen auf der Strecke geblieben bin. Das, was mir wichtig war, ist hinten runter gefallen.
Aber dieses Jahr, ist mir aufgegangen, war das anders. Da bin ich am 23. Dezember ins Fitness-Studio gegangen, weil mir das gut tut, weil mir das wichtig ist, weil ich das für mich wollte. Dafür habe ich keine Weihnachtsemails versendet. Bis heute nicht übrigens, es werden jetzt Jahresendgrüße 😉

Natürlich habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, aber es hält sich in Grenzen. Ich bin froh, dass ich es so gemacht habe und hoffe darauf, dass mir das in ähnlichen Situationen auch wieder einfällt. 😀

produktive Wochen

Die letzten Wochen ging es mir so richtig gut, dieses Gefühl kann auch die Nasennebenhöhlensauerei, die mit ein paar Tagen Fieber daher ging, nicht vertreiben. Ich habe ein neues Projekt bei der Arbeit, das anspruchsvoll ist und mich mit neuen netten Leuten zusammengebracht hat. Ich habe viel gearbeitet, aber es hat mich nicht gestört 🙂
Und nach der Arbeit habe ich viel außerhalb des Rechners gemacht, mir ordentlich Zeit für mich selbst genommen, und das hat mir so richtig gut getan. Mal wieder gebastelt, Kekse gebacken, gemalt, viel geschrieben, mir selbst eine neue Kamera geschenkt und vor allem seit Jahren mal wieder gestrickt.

Erste Ausbeute sind hier neue Handschuhe.
Ich mag einen langen Schaft, weil mir sonst immer die Handgelenke kalt werden. Alle meine Handschuhe haben vorne keine Spitze – ich kann es nicht haben, wenn ich nicht fühle, was ich gerade anfasse.
Dieses Mal war knallig-grüne Plüschwolle dran. Die Handschuhe sind jetzt so dick und kuschelig geworden, dass ich auf mindestens -10 Grad hoffe, damit ich sie auch mal anziehen kann 😉
Wolle habe ich noch, auch schwarz mit Knubbeln, vielleicht gibt es als nächstes einen passenden Schal dazu. Jetzt, wo sich keine langen Haare mehr von Synthetikwolle aufladen, kann ich das ja machen 🙂

Aber erstmal stricke ich diese Handschuhe fertig: auch wieder mit langem Schaft, aber dieses Mal mit richtigen Fingern dran (aber ohne Spitze, wie es sich gehört). Da die Wolle feiner ist, dauert’s natürlich länger 😉 Aber der Weg ist das Ziel.

Fäustlinge stehen auch noch auf meinem Programm, ich habe da noch dieses wunderbare melierte Garn in schwarz-grau-weiß, auch ziemlich dick, aber wunderbar flauschig 😀

Ansonsten habe ich gelernt, wie man es anstellt, nicht die Leute zu erschrecken, wenn man auf einem schmalen Weg von hinten auf eine Gruppe Gehörlose zuläuft, dass es hilft, die wippenden Brüste beim Laufen in Schach zu halten, indem man den BH enger stellt (yeah!) und dass Joggen bei Sturmböen keinen Spaß macht (kalt ist egal, aber der Wind …). Bis auf die zwei Wochen Auszeit durch die meine widerspenstige Nase habe ich es aber tatsächlich zwei Mal die Woche geschafft, draußen zu laufen. Ich hoffe, ich komme so durch den Winter 🙂

Demnächst muss ich mich mit diesem großen Umschlag beschäftigen, der mich die Tage erreicht hat. Er ist von der Psycho-Onkologin als Vorbereitung für unseren ersten Termin Anfang Januar. Ich hab’s mal überflogen und dann weggelegt. Vieles bezieht sich auf den Monat vor dem Termin, das kann ich jetzt noch nicht ausfüllen (wieso denke ich hier „Glück gehabt“?). Doch der Umschlag liegt hier und zieht unweigerlich meine Blicke an …

Es haben sich noch mehr Schnipsel angesammelt, eigentlich zu klein für einen Post, aber vielleicht fange ich eine neue Kategorie dafür an 😉

Erstaunlicherweise ist bisher meine übliche Vorweihnachts-„mir geht alles auf den Senkel“-Stimmung ausgeblieben, und ich hoffe, dass es so bleibt. Allerdings schiebe ich auch noch das leidige Geschenke-Thema vor mir her 😉

In diesem Sinne – ich wünsche Euch noch eine geruhsame Vorweihnachtszeit!

Has power!

Das ist ein Zitat aus einem alten Computerspiel. Das Männchen, was man lenkt, hat die Aufgabe, Dinosauriereier zu sammeln. Drei Stück auf einmal kann es tragen. Manchmal findet sich in einem Level aber eine Blume (Power Flower). Wenn man die aufsammelt, erscheint über der Figur der Spruch: „Has power!“ Und dann kann man viele, viele Dinosauriereier auf einmal einsammeln. Solange, bis man von einer Schlange oder Spinne gebissen wird 😉

Und so fühle ich mich gerade. Hab Energie. Und davon reichlich. Ich bin heute schon wieder eine neue Bestzeit gelaufen, gleich eine ganze Minute besser als die letzte. Zum ersten Mal unter 9 Minuten pro Kilometer (über meine 6 Kilometer). Wow 🙂
Ich wusele hier, krame da, und alles funktioniert. Schlafen tue ich so leidlich, aber da ich nicht ausgesprochen müde bin morgens, stört es mich gerade nicht so.

Doch mit der Energie geht eine gewisse Internetmüdigkeit daher. Ich mag derzeit nicht so viel surfen, auch Antworten auf Eure lieben Kommentare brauchen etwas länger. Ich lese noch alle Blogeinträge, aber Antworten ist im Augenblick etwas schwer für mich.
Keine Ahnung, warum. Vielleicht ist das Leben außerhalb des Rechners gerade so spannend. 🙂

Ich hoffe jedenfalls, dass mich lange keine Schlange erwischt und die Power Flower lange anhält. In diesem Sinne – mögt Ihr auch eine Energieblume zum Pflücken finden!

farblose Welt

Im Augenblick kommt mit mir mein Post von Freitag wie eine Trotzreaktion vor, ein Wegschieben. Mir geht es doch gut. Reginas Schicksal ist nicht meines.

Nein, das ist es nicht. Mein Schicksal ist mein eigenes. Und doch betrifft mich ihr Tod mehr, als ich mir eingestehen wollte. Ich denke viel an sie, war auch noch mal wieder auf der Webseite zum Lesen. Ich kannte Regina nur über ihre Seite, doch sie hat mich tief beeindruckt mit dem, was sie da geschrieben hat. Ich habe keine Ahnung, ob ich so gut mit allem werde umgehen können, falls mich das Schicksal in ihre Fußstapfen schickt.

Ich bin in einer seltsamen Stimmung gerade. Die Welt kommt mir ein wenig farblos vor. Das Wetter heute passte gut dazu, und ich bin raus gegangen, meine Kamera dabei. Windstill am Kanal, feucht, kalt, wie von Wolken zugedeckt.

Die Welt ist ein bisschen ärmer geworden, farbloser. Und komme ich auch immer wieder dahin, mir zu sagen – es geht mir gut, jetzt gerade. Genieße es.


der Stein rollt …

Montag ist’s untergegangen … oder auch untergegangen worden, keine Ahnung. Aber das ließ mir keine Ruhe, und heute habe ich aber angerufen in der Psychoonkologie. Kurzfassung: Termin im Januar, früher ging’s nicht.

Aber wieso tue ich mich damit so schwer? Das ist eigentlich die Frage, die mich am meisten beschäftigt derzeit. Bisher habe ich nicht vielen davon erzählt, dass ich das vielleicht mache, aber die Reaktionen waren sehr unterschiedlich:
– Erstaunen (um nicht zu sagen Entsetzen): „ich dachte, es geht dir gut?!“
– Beleidigt sein: „du kannst doch mit mir reden“
– Pragmatismus: „wieso nicht?“
Letztes kam von meinem Mann, wie froh bin ich darüber!

Seit meiner Erkrankung in 2002 höre ich immer wieder, wie bewundernswert ich damit umgehen würde, ein Vorbild. So habe ich das nie gesehen, aber dass ich ganz gut klar komme, sehe ich auch so. Nach der großen OP damals war ich einige Wochen krank geschrieben, nach einiger Zeit allerdings aufgrund „psychischer Belastung“, wie ich später rausgekriegt habe. Da war ich echt ein bisschen beleidigt drüber …
Ist es deshalb jetzt so schwer? Weil sich das wie ein Eingeständnis anfühlt, dass es doch nicht so ist? Dass ist es doch nicht packe? Versagt habe? Nicht stark genug bin? Die ganze Zeit nur einen vorgespielt habe?

Das ist natürlich alles Blödsinn. Ich komme über weite Strecken gut klar, auch jetzt wieder, eine Woche nach dem Staging geht mir wieder gut. Jetzt.
Aber immer wieder gibt es Phasen, wo es mich runterzieht, raushaut, niedermacht. Und warum sollte ich nicht versuchen, mir Hilfe zu holen, um diese Zeiten abzufangen? Wenn es nur ein bisschen hilft, wäre es doch schon gut. Meine Zeit ist zu schade, um sie mit Depression oder Ängsten zu verbringen.

Was mich aber wirklich dazu gebracht hat, den Termin zu vereinbaren, war dieser Gedanke – sich mal über Krebs und die Angst mit jemandem zu unterhalten, der sich auskennt, aber mich nicht persönlich kennt. Der nicht den Tränen nah ist, wenn ich alles ausbreite, was mich belastet. Den ich damit nicht runterziehe, wenn ich mal was sage, weil er plötzlich wieder ganz reale Angst hat, einen lieben Menschen zu verlieren. Der das vielleicht alles schon mal gehört hat und mir neue Denkanregungen geben kann.

Das sagt der Kopf (und findet es schade, dass der Termin erst im Januar ist). Und doch … doch fühlt ich das für mich ganz komisch an.

Ich bin gespannt, was das alles noch so zu Tage fördert 😉

45

Es gibt Stunden, da wünsche ich mir mehr als sonst, nie etwas mit Krebs zu tun zu haben. Dann zum Beispiel, wenn ich einen Kondolenzbrief schreiben muss an eine Mutter, die Ihren Sohn verloren hat. Mit 45. An Krebs.

Ich wünschte, ich wüsste nicht so gut, wie es dieser Familie in den letzten Monaten ergangen ist.

Ich wünschte, ich könnte wirklich mit ihnen trauern.

Statt dessen frage ich mich immer, ob ich es schaffe, 45 zu werden.

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