Wer nicht wagt … (Teil 2)

Mein ganzes Leben hatte ich lange Haare. Bis zur Chemo 2002. Und als die vorbeit war, habe ich wieder gezüchtet. Natürlich nur bis zu einer gewissen Länge, sie sind halt nicht so dick und dicht, dass ich sie bis zum Po tragen könnte. Stufen, ja. Aber kurz? Etwas kürzer? Nein, keine Chance. Lange Haare sind ein Zeichen von „ich bin gesund“.
Keine Chemo, kein Krebs = lange Haare haben können.

Nun ist es letztes Jahr anders gekommen. Es geht mir zwar ausgezeichnet, aber ich bin nicht mehr gesund. Gibt also eigentlich keinen Grund mehr, die Haare lang zu lassen. Weil das dann etwas darstellt für mich, was ich nicht mehr bin?

Die letzten Wochen kam der Gedanke immer wieder – abschneiden. Was anderes machen, mal wieder eine Frisur, die meine Naturwelle zum Vorschein bringt. Es war mir unheimlich, weil mir das immer so viel bedeutet hat. Und jetzt nicht mehr? Habe ich schon aufgegeben, gesund sein zu wollen? Grübel, grübel …

Doch vielleicht gingen mir die langen, konturlosen Zotteln einfach auf den Senkel. Vielleicht hat die AHT und die damit verbundene Ausdünnung der Haare auch was damit zu tun, dass es mir nicht mehr gefiel. Vielleicht habe ich, trotz (oder wegen) der Metastasen da eine Altlast abschütteln können? Vielleicht ist dieses Zeichen für mich auch einfach nur nicht mehr wichtig.

Also Friseur angerufen, Tag später einen Termin gehabt.
Wer nicht wagt …