Alea iacta est.

Langsam ist der Alltag wieder eingekehrt. Die Kollegen wissen und akzeptieren, dass ich gehe, jetzt kann man wieder vernünftig arbeiten und auch endlich planen, bis wann alles erledigt sein muss. Bisher sieht es noch machbar aus, ich hoffe, es bleibt so. Es wird sogar eine Woche Urlaub noch drin sein 🙂

Letzte Woche hatte ich wieder einen Termin bei meiner Psychologin. Wie üblich fragte ich mich, was ich da eigentlich sollte, ging mir doch gut. Der letzte Termin war schon wieder fünf Wochen her, ebenso das Staging. Kein Bedarf, sagte mein Gefühl.
Und doch war es gut, dass ich da war. Sie fragte nämlich, wie es mir so ginge, und da wurde mir erst so richtig klar, dass das, worüber ich mir im Laufe des Bewerbungsprozesses so viele Gedanken gemacht habe, jetzt überhaupt kein Thema mehr ist.
Was habe ich gegrübelt über das „was, wenn ich nicht gesund bleibe“. Und jetzt denke ich da überhaupt nicht mehr dran. Ich habe mich beworben, ich wurde genommen, ich habe unterschrieben und den alten Job gekündigt. Ich habe die Entscheidung getroffen, jetzt nützt alles Zerfleischen nichts mehr. Jetzt kann nur die Zeit zeigen, ob es richtig war …

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Anschlag

Im Moment drehe ich am Anschlag, habe ich das Gefühl. Ständig fällt mir was ein, was ich noch klären muss. Was ich noch machen muss. Überall liegen Listen, halb abgearbeitet. Wie viel einfacher wäre doch mein Leben gerade, wenn ich mich nicht beworben hätte!

Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Und noch glücklicher, dass es geklappt hat 😀 Die Reaktionen meiner derzeitigen Arbeitskollegen sind recht durchwachsen. Viele freuen sich für mich, manche sind neidisch, andere sehen nur, dass ihnen das jetzt Arbeit macht, weil ich abhaue.
Erst hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber das ist jetzt weg. Mal an mich zu denken, fühlt sich gut an 🙂

So langsam muss ich dann auch an die Therapieplanung denken … aber da komme ich allein nicht weiter. Da muss ich beim nächsten regulären Termin Ende Juni mal mit der Ärztin sprechen. Im Augenblick ist mir danach, das Bondronat einfach ausfallen zu lassen – schließlich haben die Bisphosphonate eine Halbwertzeit von mehreren Jahren im Knochen. Was kann es da ausmachen, einmal auszusetzen? Und das Faslodex? Vielleicht kann ich eine befreundete Krankenschwester dazu kriegen, dass ich sie mal an einem Wochenende „heimsuche“ … oder ich jubele mir das Zeugs selbst rein 😉

Derzeit ist alles aufregend, glücklicherweise positiver Streß. Aber eben Streß. Ich nehme mir die Ruhepausen, aber es fallen dabei dann natürlich andere Dinge hinten runter, für die dann keine Zeit und/oder Kraft mehr übrig ist. Aber ich komme ja langsam in Übung, was das „an mich denken“ angeht 🙂

Gewagt … und gewonnen!

Gestern kam der Anruf – ich kann die Stelle haben, wenn ich will. Was für eine Frage – ich will! 😀

Derzeit herrscht hier Ausnahmezustand! Nach dem Anruf hatte ich stundenlang einen erhöhten Puls, ist cool, wenn das mal von einer positiven Nachricht kommt. Natürlich dauerte es nicht lange, ehe dann im Kopf die „to do“-Liste erschien, sowohl bezüglich des alten Jobs wie auch meiner Therapien und Untersuchungen. Aber da ich noch nicht sicher weiß, wann genau es losgehen kann mit einer Einarbeitung vor Ort, müssen diese Planungen warten. Irgendwie wird es sich schon zurechtpuzzeln (müssen).

Und bis dahin muss ich zusehen, dass ich in meinem alten Job gut die Kurve kriege und alles aufgeräumt hinterlasse … das wird ein spannendes Rest-Jahr!

Vom Regen in die Traufe

Eigentlich ein schlechter Titel, denn er suggeriert etwas Negatives. Dabei sind die Befunde der Untersuchungen super! Und auch, dass ich morgen ein weiteres Gespräch habe, ist ja positiv zu sehen. Und doch stimmt der Titel, denn er bezieht sich auf meine Nervosität …

Jetzt, wo die Untersuchungen vorbei sind, geht die Aufregung darüber langsam wieder weg. Noch hat sie mich nicht ganz verlassen, so schnell geht das leider nicht. Und doch muss ich jetzt zusehen, dass ich abschalte, um mich auf das Gespräch morgen vorzubereiten.
Ich habe Schiss davor, dass das mit meinem derzeitigen Arbeitgeber schief geht. Ich habe keinen Urlaub genommen, habe ein paar Sachen „aufgespart“, die ich im Zug arbeiten kann. Es weiß keiner, dass ich unterwegs sein werde. Ich hoffe, es kommen nicht so viele Anrufe … ich will mich nicht verraten, dass ich nicht da bin.

Und dann das Gespräch … je länger ich mich mit dem neuen Job beschäftige, desto lieber möchte ich ihn haben. Das macht mich natürlich nicht wirklich entspannt für morgen.
Mit meiner Psychologin hatte ich letzte Woche auch über das Thema „schlechtes Gewissen“ wegen der Bewerbung gesprochen. Den Zahn hat sie mir gezogen. Sie meinte, ich sollte das nicht so eingeschränkt sehen. Ich könnte überhaupt nicht einschätzen, ob es der Firma nicht etwas bringen würde, selbst wenn ich nur ein Jahr für sie tätig sein könnte (sie hat es absichtlich überspitzt ausgedrückt). Also kein Grund zum schlechten Gewissen. Sie fand es außerdem völlig legitim, so eine persönliche Sache wie eine Erkrankung für sich zu behalten – zu meinem Schutz, aber auch zum Schutz der anderen. Denn aus Erfahrung wissen wir ja alle, wie schwer sich manche Mitmenschen damit tun, einem Krebskranken normal gegenüber zu treten. Das schaffen nicht so viele.

Recht hat sie, es steht mir zu, mich zu bewerben, und ich habe es verdient, den Job zu bekommen, wenn Qualifikation und der Nasenfaktor stimmen. Die Quali passt, und den Rest werden wir morgen sehen.

Stresstest

Es kam, wie es kommen musste.

Ich hatte die Wahl, die unverbindliche zweite Runde („nur“ ein kleines Assessmentcenter) entweder am Freitag vor dem Staging anzutreten (und damit den nächsten Psychotermin zu kippen) oder am Donnerstag nach dem Staging.

Pest gegen Cholera.

Beides totaler Mist. Vor dem Staging gehe ich auf dem Zahnfleisch und hinterher brauche ich auch immer Tage, um von dem Trip wieder runter zu kommen. Später wollten sie das Gespräch nicht, weil es sonst alles zu knapp würde. Vorher ging auch nicht. Was für ein Elend.
Und immer schön professionell und höflich am Telefon bleiben, obwohl mir einfach nur zum Heulen zu Mute war, weil eigentlich beides nicht geht. Ich habe mich irgendwann drauf zurück gezogen, dass ich klären muss, ob ich einen beruflichen Termin verschieben kann, und versprach am nächsten Tag zurückzurufen.

Warum tue ich mir das überhaupt an? Warum nicht alles so lassen, wie es ist? Ist die Belastung durch das 15-wöchige Staging nicht schon genug? Muss ich mir da noch einen neuen Job aufladen? Samt Kündigung und Aufräumen im alten Job und Einstellen auf den neuen?
Warum?
Weil mein derzeitiger Arbeitgeber wenig Rücksicht auf lange erkrankte Mitarbeiter nimmt (die kommen alle nicht wieder …). Weil ich es entweder jetzt tue oder nie. Je länger ich warte, desto schlechter werden meine Karten. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt (meine Kolleginnen haben auch nur ein Jahr weniger Berufserfahrung, sind aber 10 Jahre jünger …), vor allem mit der Krankheit. Jetzt geht es mir gut. Jetzt hat eine sanfte Therapie die Metastasen im Griff. Wie lange? Keine Ahnung. Mit meinen gut 1,5 Jahren gelte ich als langzeitstabil. Vielleicht hält es noch mal so lange, vielleicht ist es damit schon in zwei Wochen vorbei.

Ich muss dauernd dran denken, was für ein gefährliches Spiel ich hier treibe. Was passiert, wenn ich nicht noch ein Jahr gesund bleibe (bis die Probezeit vorbei ist)? Dann habe ich mich selbst ins Aus manövriert, und das gehörig. Keine Ahnung, ob man mich behalten würde. Mal ganz abgesehen davon, die Leute, mit denen ich wirklich gerne zusammenarbeiten möchte, zu enttäuschen (weil ich sie getäuscht habe).

Ich habe am nächsten Tag angerufen und den Donnerstag nach dem Staging bestätigt. Wenn es schlecht ausfallen sollte, nehme ich mich eh aus dem Rennen, dann habe ich andere Sorgen als ein Bewerbungsgespräch.
Ich habe keine Ahnung, ob ich das alles hinkriege. Kann ich das aushalten? Den Druck vom Staging und vom zweiten Gespräch? Oder versemmele ich das Assessmentcenter eh in so einer Situation? Es kam schon der Gedanke „vielleicht ist es besser, wenn es nicht klappt“, aber der ist gefährlich. Selbst-erfüllende Prophezeiung …

Vielleicht lache ich in fünf Jahren darüber, weil es mir dann immer noch gut geht und ich einen (verzeiht) geilen Job in einer schwierigen Lage ergattert habe. Vielleicht auch nicht.

Nur die Zeit wird zeigen, ob ich es richtig mache. Aber versuchen muss ich es, sonst habe ich schon aufgehört zu leben.

Diese Woche …

… hatte es in sich.

Der Marathon ging geschlagene 4 Stunden (statt der anvisierten 3) und am Ende hatte ich Probleme, dem letzten Gesprächspartner uneingeschränkt zu folgen. Da war dann einfach Ende meiner Konzentration.

Wie ist es gelaufen? Keine Ahnung. Hinterher hatte ich ein ganz gutes Gefühl, ich glaube, ich habe mich ganz gut präsentiert. Von der Qualifikation her passe ich perfekt. Je länger das allerdings her ist, desto mehr Sachen fallen mir ein, die ich in diesen 4 Stunden gesagt habe, die man negativ auslegen könnte. Nicht, dass ich mich an alles erinnern würde, was ich so gesagt habe.

Egal. Entweder es passt oder es passt nicht. Jetzt heißt es Warten auf die zweite Runde – oder die Absage. Falls es zur nächsten Runde kommt, hoffe ich inständig, dass das nicht in die Nähe des nächsten Stagings fällt. Ich wüsste nicht, wie ich das wuppen soll 😦
Und so lange versuche ich auch, die Gedanken in Zaum zu halten, dass ich eine Mogelpackung bin. Das beschäftigt mich doch sehr. Ich komme aber immer wieder zu dem gleichen Ergebnis – wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte der Krebs schon gewonnen, weil ich nicht mehr an eine Zukunft glauben würde.

Meine Nasennebenhöhle (und leider auch der Rest von mir) wird inzwischen mit einem Antibiotikum bombardiert. Also weiter kein Sport, und ich versuche mich mit Spaziergängen und Walken über Wasser zu halten. Wirken tut das AB, das merke ich, leider schlagen aber auch die Nebenwirkungen voll durch (Durchfall, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit). Ich wusste schon, warum ich das erst nach dem Bewerbungsgespräch angefangen habe.

Noch so eine Woche brauche ich wirklich nicht …

Oberkante Unterlippe

Ich komme derzeit kaum zum Nachdenken, und das ist nicht gut. Normalerweise läuft die Denkmaschine beim Joggen auf Hochtouren, kann ich auch mal Gedanken abschließen, und der Problempegel sinkt etwas. Aber ich habe derzeit die Empfehlung lieber nicht zu joggen, da meine Nasennebenhöhlen noch immer mit dem Urlaubsbakterium kämpfen (seit mittlerweile 6 Wochen). Daraus resultierende Kopfschmerzen (ja, von der Nase, Jenneke, das hat nix mit Krebs zu tun) und Zahnentzündung, latentes Krankheitsgefühl. Immerhin schlafe ich gut …
Devise ist jetzt, es ruhig anzugehen, und da zählt eine Stunde Puls 168 beim Joggen nicht dazu. Ausgerechnet jetzt 😦

Das fehlt, ich bin heute einfach so raus gegangen, musste mal ein wenig Strecke machen, wenn auch gehender Weise. Denn ich will nicht, dass der Stand zu Unterkante Oberlippe wird, und alles überläuft …
Es sind derzeit so viele Baustellen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch (mit allen dran hängenden Ängsten, Zweifeln und Bedenken), Treffen mit einer lieben Freundin (die gerade wegen Burnout aus der Klinik kam), meinem Mann geht es derzeit auch nicht so wirklich gut, mein eigenes Hadern mit der Psychologie (meiner und der meiner Psychologin), dringend fälliger Gartenarbeit, und dem Gefühl, dauernd keine Zeit zu haben.

Aber ein Gutes hat es: in drei Wochen ist das nächste Staging, und ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken …