Klappe fällt

Ich habe gestern nicht viel geweint, es war nur eine einzige Sache, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Denn wie auch immer das da jetzt ausgeht – eines ist sicher: Das Thema Joggen hat einen Knacks weg bekommen.

Seit ich Anfang März diesen wundervollen, entspannten, tollen 6km-Lauf gemacht habe, der mir das Iliosakralgelenk so gereizt hat, hatte ich mit dem Laufen Probleme. Ich war nicht mehr locker, ich hatte bei jedem Lauf Angst, dass es wiederkommt. Und das kam es, nicht so heftig wie beim ersten Mal, aber ich habe es auch wieder gemerkt, als ich am CT-Tag gelaufen bin. Der Lauf am Dienstag hatte nichts Entspanntes, es war einfach nur ätzend (und natürlich hatte ich Mittwoch wieder Probleme …).

Ich war schon vor dem Staging bei der Osteopathin, der Artikel ist nie fertig geworden, und das wird er jetzt auch nicht werden. Sie sagte, mein Körper sei mit dieser krassen Veränderung (TRAM Flap 2002 = Umlegung eines Strangs der gerade Bauchmuskulatur zum Brustaufbau) sehr gut klar gekommen ist, viel von dem Defizit würde er auffangen. Aber das bleibt natürlich nicht ohne Folgen:

  • Durch die fehlende Muskulatur rechts ist links der Zug zu stark – meine Wirbelsäule knickt nach links.
  • Durch die fehlende Muskulatur kippt das Becken rechts leicht vor.
  • Dem Rückenmuskel (Iliocostalis) fehlt der Gegenspieler im Bauch, er hat das meiste Ungleichgewicht auszugleichen. Dieser Muskel läuft runter bis ins Becken zum Darm- und Kreuzbein (genau den beiden Knochen, zwischen denen sich das Iliosakralgelenk befindet).
  • Das gekippte Becken wird durch eine Gegendrehung des Oberkörpers ausgeglichen, was die gesamte Rückenmuskulatur auf Dauer nicht gut findet. Die Verspannung zieht sich dann hoch zu Schultern und Nacken. Das macht Kopfschmerzen (und manchmal auch blockierte Rippen …)

Und wahrscheinlich ist es genau diese Reizung am Kreuzbein, was mir jetzt mit dem MRT Probleme macht (das ist im Augenblick meine Arbeitshypothese bis mir jemand beweist, dass es wirklich Metastasen sind. Basta.).

Das Joggen hat mir so gut getan, und ich war so so so froh, dass ich was gefunden hatte, das mir Spaß macht und mir gut tut.

Aber das tut es nicht mehr. Es tut mir nicht mehr gut. Weder meinem Körper noch meiner Psyche. Und das bringt mich zum Weinen, auch jetzt wieder, weil ich mich jetzt gerade so verloren fühle. Als wir gestern noch unterwegs waren, hat mir jeder Jogger, den wir gesehen haben, feuchte Augen gemacht. Und ich kann es nicht mehr. Vielleicht geht es irgendwann körperlich wieder, aber der Knacks ist da. Es wird nie wieder so werden wie vorher.
Ich nicht weiß, wie ich das akzeptieren soll. Wie ich es schaffen soll, mich davon zu lösen (mein Hauptziel für dieses Jahr war, 10 km zu laufen). Wie ich es schaffen soll, so offen für andere Dinge zu werden, dass ich einen Ersatz finde. Dass ich mich bei was anderem so entspannen kann, dass mein Kopf mal frei wird.

Das Schwimmen ist der beste Kandidat. Ich bin eine Wasserratte, ich war früher im Schwimmverein. Meine Schultern und Arme sind muskulös, weil ich viel geschwommen bin damals und ich genieße es, das wieder zu tun. Wasser ist toll. Ich muss nur noch den Gedanken loswerden, dass Joggen toller ist. Und als Ausgleich für die frische Luft vielleicht Nordic Walking?

Willkommen im Alter 😦

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