Circulus Vitiosus

Das Staging kommt näher, nicht mal mehr eine Woche. Dieses Mal umgedreht, Montag MRT (also ohne sofortiges Ergebnis), Dienstag CT (mit sofortigem Ergebnis), da das MRT am Dienstag gewartet wird.

Die letzten Tage brauchte ich Schmerzmittel zum Einschlafen. Den Tag über war’s einigermaßen gut mit dem Ischias, abends im Bett geht es los. Anspannung geht bei mir ins Kreuzbein (sagt die Osteopathin). Am Kreuzbein hängt der Piriformis. Der Piriformis drückt auf den Ischiasnerv. Die Schmerzen machen mir Sorgen, dass das alles doch mit Metastasen zu tun hat. Also noch mehr Anspannung. Also noch mehr Schmerz und …
Ein Teufelskreis. Wenn ich abgelenkt bin, geht es. Aber wehe, ich will schlafen 😦

Die Psychologin sagt, ich kann die Angst nicht beseitigen, ich kann aber versuchen, anders mit ihr umzugehen. Manchmal klappt das, aber je näher der Termin kommt, desto unmöglicher wird es. Noch sind die Gedanken von „oh Gott, was soll ich machen, wenn …“ selten. Dafür habe ich Phasen tiefer Traurigkeit, weil ich überzeugt bin, dass sich nächste Woche wieder mein Leben umkrempeln wird. Wie anders ist das alles zu erklären?

Und immer wieder der Gedanke – hatte ich diese Angst nicht gerade erst? Wo sind die drei, vier Monate geblieben nach dem letzten Staging? Vergangen, so schnell …

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12 Kommentare

  1. 22. Oktober 2013 um 00:00

    Wie soll man denn anders mit der Angst umgehen? Das würde mich mal interessieren. Ein Trost ist, dass, wenn man die Angst spürt, man das Leben spürt.
    Liebe Jenneke, ich werde an Sie denken. Herzliche Grüße!

    • 28. Oktober 2013 um 19:15

      Liebe Perdita, bei mir ist es mehr eine Frage des Akzeptierens. Ich kann das nicht gut, die Angst als Teil der Erkrankung, als Teil von mir zu akzeptieren. Ich mache mir dann immer noch Vorwürfe, weil ich Angst habe. Das klingt nicht logisch, aber so ist es. Und daran arbeiten wir. Es ist zäh, alte Gewohnheiten kriegt man nicht so schnell weg …
      Liebe Grüße! Jenneke

      • 30. Oktober 2013 um 11:27

        Hallo Jenneke, ich habe derzeit ein viel gravierenderes Problem: Ich habe keine Angst mehr. Irgendwie befinde ich mich jenseits davon. Was für einen Prozess, der den Körper zur Verbesserung einer metastasierten Situation führen soll, sicher nicht hilfreich ist. Denn keine Angst ist nicht Mut. Keine Angst ist Gleichgültigkeit.
        Für den MRT- Befund drücke ich fest die Daumen!

        • 31. Oktober 2013 um 13:37

          Hallo Perdita. Jenseits der Angst ist sicher auch nicht gut. Aber eines beruhigt mich immer wieder – das Ausmaß der Angst hat keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Es kommt, wie es kommt, egal ob ich mir vorher Sorgen mache oder nicht. Es ist meiner Meinung nach ein Mythos, dieses „positives Denken fördert die Heilung“. Ich war immer positiv eingestellt und habe doch Metastasen gekriegt. Ich ziehe mir den Schuh nicht an, dass ich da was verkehrt gemacht habe oder mich nicht genug bemüht, positiv zu sein. Ich bin nicht Schuld an meiner Krankheit!
          Und so sehe ich es bei Dir auch. Die Gleichgültigkeit ist ein Schutzmantel, die ganze Situation auszuhalten, weiterzumachen, die Therapie zu machen. Die Gleichgültigkeit hilft also, und vielleicht schafft sie es ja sogar, dass Du ab und an etwas von der Situation abschalten kannst.
          Alles Liebe! Jenneke

  2. sakarinevada said,

    22. Oktober 2013 um 05:41

    Liebe Jenneke

    Wie gut kann ich Deine Angst verstehen. Lernen damit umzugehen ist einfach nur schwer, und lernen anders damit zu leben ist schnell gesagt, umgesetzt ist es nicht so schnell.

    Ich denke an Dich und drück Dich mal ganz fest.

    Sei lieb gegrüsst
    Ursula

    • 28. Oktober 2013 um 19:16

      Danke, liebe Ursula. Ich sehe immerhin einen kleinen Fortschritt, das ist schon mal gut!
      Liebe Grüße! Jenneke

  3. babs said,

    23. Oktober 2013 um 16:59

    liebe jenneke,
    für montag und dienstag wünsche ich dir nur grüne haken….einen nach dem anderen.
    ja, die zeit rennt…….immer schneller.
    liebe grüße
    babs

    • 28. Oktober 2013 um 19:17

      Danke, liebe Babs! Ich habe vor, es Dir nachzumachen 😉
      Liebe Grüße! Jenneke

  4. Karl said,

    25. Oktober 2013 um 09:18

    Wir hatten am verganenen Wochenende unser Herbsttreffen, das immer wieder schön ist, um neue Leute kennzulernen, alte Bekannte wiedezusehen und das ein oder andere zu lernen.

    Diesmal war für einen Fachvortrag mal kein Arzt eingeldaen sonder eine forschende Psychoonkologin. Eigentlich ging es um ein etwas anderes Thema, aber es kam auch eine Folie mit Bewältgungsstrategien für „Laien“, also was man selsbt so tun kann abgesehen von Therapie und professioneler Unterstützung. Da kam alles, was sattsam bekannt ist, wie Sport, Entspannungtechniken und vieles andere mehr. und mittendrin: VERDRÄNGEN und in dem Zusammenhang auch Ablenkung.

    Da erstaunte zunächst mal, wird doch immer wieder gesagt, dass Verdrängen nichts bringt. Das ist auch völlig richtig, wenn man es im Hinblick auf die dauerhafte Verarbeitung sieht. Aber wir wurden belehrt, dass das phasenweise einfach eben auch eine Möglichkiet sein kann, ganz pragmatisch. Einfach mal eine Weile wegschieben, sich mit anderem beschäftigen, Ablenken, ohne schlechtes Gewissen, für „den anderen Umgang“ mit der Angst und die psychologisch oder psychotherapeutisch korrekte Aufarbeitung nichts getan zu haben.

    Alles hat seine Zeit, und wenn es mit der Aufarbeitung grad mal nicht so gut klappt, dann eben Verdrängen und Ablenken, darf man.

    • 28. Oktober 2013 um 19:19

      Ja, das hat meine Psychologin auch gesagt. Sie hat mich dieses Mal sogar „abgefragt“, ob ich alle meine Ablenkungen auch beisammen habe und alles bereit ist. In diesen akuten Phase versuche ich das immer, mich irgendwie abzulenken. Es nützt ja auch nichts, sich aufzureiben am „Was wäre wenn“. Wenn dann die Ergebnisse da sind, kann man immer noch darauf reagieren, falls nötig.
      Danke für die Bestätigung 🙂
      Liebe Grüße! Jenneke

  5. Wolfgang said,

    26. Oktober 2013 um 14:59

    Ich häng mich da mal ein bisschen an Karl an. Ich hab mal ein Sprichwort gelesen: „Der Sturm von morgen hindert die Rose nicht daran, HEUTE zu blühen“.

  6. 28. Oktober 2013 um 19:20

    Das ist ein toller Spruch, lieber Wolfgang! Er passt so gut zu „Carpe Tempus!“ 😀 Ich habe ihn mir aufgeschrieben und er hängt jetzt an meiner Wand.
    Danke und liebe Grüße! Jenneke