Teil des Ganzen

Es hat mir sehr geholfen, mein Gewissen zu beruhigen, die lieben Kommentare im letzten Post zu lesen. Und auch von Familie und Freunden kam Bestärkung. Das tut gut! Lieben Dank, Euch allen! 😀

Mittlerweile denke ich nicht mehr daran, dass ich bewusst gelogen habe. Das ist halt so und ich stehe dazu.
Ich grübele mehr darüber nach, warum mich das so stört, es verschwiegen zu haben. Ich sollte doch froh sein, dass es so problemlos über die Bühne ging … Doch ich bin kein Mensch für Heimlichtuerei, und mir fällt das schwer, nichts zu sagen. Meine Psychologin wird nicht müde, herauszustellen, wie gut sie es findet, dass ich jetzt in einer Umgebung arbeite, wo niemand Kenntnis von meiner Krankheit hat. Aber seit dem Gespräch mit dem Betriebsarzt wird mir immer klarer, dass mich das irgendwie stört.

Der Krebs und die ganzen Erfahrungen sind ein Teil von mir, den ich zwar nicht gerade liebe, der mich aber stark geprägt hat (und das nicht unbedingt im schlechten Sinne). Ich komme mir nicht komplett vor, wenn ich meine Krankheit so verleugne. Sie gehört seit über 10 Jahren zu mir dazu. Und ich mag es einfach nicht, so einen entscheidenden Teil meiner Selbst auszuklammern in meinem Umgang mit anderen.

Blöd, und doch ist es so. Derzeit „tröste“ ich mich damit, dass ich auch andere Teile meiner Selbst nicht unbedingt ausbreite, und da reihe ich jetzt halt den Krebs mit ein. Fertig.

Und doch …

Ich schätze, es wird leichter, wenn ich nach der Einarbeitung wieder zuhause bin und Herrin in meinem eigenen Office. Und solange halte ich locker durch 🙂

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6 Kommentare

  1. dreamsandme said,

    5. November 2012 um 18:42

    Ich kann sehr gut verstehen, wie du das meinst! Die Krankheit gehört dazu und man will sich nicht dafür schämen müssen oder deswegen ausgegrenzt werden, dennoch verändert sie vieles und man hat das Bedürfnis dies auch mitzuteilen. Also zumindest geht es mir so…

    Hoffe, du hältst tapfer durch,
    Bussi,
    Sunny

    • 11. November 2012 um 22:28

      Liebe Sunny, es wird jeden Tag einfacher, nichts zu sagen. Außer an den Gelegenheiten, wenn mir andere erzählen, ihre Mutter/Schwester/Tante/Freundin/wasauchimmer ist an Brustkrebs erkrankt/geheilt/gestorben. Da habe ich manchmal schon das Bedürftnis, was zu sagen, wenn die Gespräche zu … seltsam werden. Aber ich halte mich da sehr bedeckt.
      Liebe Grüße! Jenneke

  2. Karl said,

    8. November 2012 um 13:35

    Es ist und bleibt in Balanceakt, den ich wohl kenne. Einerseits ist da diese Erfahrung, die einen geprägt hat und wohl auch weiter prägen wird, die einen verändert hat, die Probleme bereitet hat und vielleicht auch reifer gemacht hat, und die ma irgendwie teilen möchte, weil man denkt, dass das eben ein Teil von einem ist, ohne den andere einen eigentlich nicht verstehen können. Andererseits ist das aber eben nur die eigene Seite der Medaille. Obwohl ich im Großen und Ganzen gute Erfahrung mit einem offensiven Umgang mit meiner Geschichte gemacht habe, gibt es doch immer wieder Personen und Situationen bei denen dieser offensive Umgang Grenzen haben muss, und manchmal habe ich diese Grenzen zu spät bemerkt, nachdem ich sie bereits überschritten hatte. Es ist eine lange Entwicklung, undsie wird wohl nie zuende sein.

    • 11. November 2012 um 22:30

      So halte ich es auch, lieber Karl. Offensiv. Normalerweise. Vielleicht ist es deswegen so ungewohnt. Aber bisher funktioniert es ganz gut, und ich hoffe, dass ich meine neuen Kollegen noch ganz, ganz lange von dem Thema verschonen kann 🙂
      Liebe Grüße! Jenneke

  3. Chaoskatze said,

    11. November 2012 um 23:10

    Ich muss sagen, ich könnte es auch nicht. Das Verschweigen. Aber habe auch die Erfahrung gemacht, dass es meist besser ist, wenn die Leute es erst mitbekommen, wenn sie einen schon besser kennen. Und einen nicht darüber definieren….

    • 18. November 2012 um 22:21

      Ja, liebe Katze, das habe ich auch festgestellt, dass ich das überhaupt nicht haben kann – wenn einer nur den Krebs sieht. Ach, irgendwie ist das alles widersprüchlich. Es gehört dazu, ich will es nicht verschweigen. Aber dominieren soll es auch nicht 😉
      Unlösbar, aber das bedeutet ja nur, dass es kein Patentrezept gibt. Wir müssen uns also weiter durchschlagen wie zuvor.
      Liebe Grüße! Jenneke