Notstrom

Irgendwie wird es schlechter, nicht besser. Diese Fahrerei zwischen Bürowohnung und Zuhause ist stressig, zehn Stunden mehr in der Woche, in denen ich in Zügen und Autos herumsitze und nicht tun kann, was ich will.

Und obwohl im Büro eigentlich nichts Besonderes passiert, bin ich platt abends. So viel, was ich tun möchte, tun könnte, und alles bleibt liegen. Ich kriege nichts mehr auf die Reihe. Selbst am Wochenende muss ich mich am Nachmittag hinlegen, weil ich so müde bin.

Ich habe Angst, dass es jetzt die ganze Zeit so weiter geht. Dass alles, was mir etwas bedeutet, auf der Strecke bleibt, bleiben muss, weil der neue Job und diese ganze Situation zu viel Energie frisst. In den letzten Tagen denke ich wieder häufiger an meinen Krebs, an das katastrophale letzte Staging. „Das geht hier alles nicht gut“, kommt immer wieder in meinem Kopf hoch. „Mach dir nichts vor, irgendwo in deinem Körper ist er munter am Wachsen.“ Sobald nur ein kleines Wehwehchen zu spüren ist, kommen die Gedanken an Metastasen hoch.
Der Kopf sagt, ich habe zu wenig Sport gemacht (deswegen zwackt es ab und an), war erkältet, die ganze Situation ist ungewohnt und stressig. Das ist nichts, sagt der Kopf, das letzte Staging war ätzend, aber in Ordnung. Du bist nur überempfindlich, denk nicht weiter darüber nach.

Aber das klappt nicht, und ich denke doch oft an meinen Krebs. Habe ein schlechtes Gefühl meinem Körper gegenüber, traue ihm nicht. Ich denke viel und habe doch eigentlich keine Kraft, mich gerade damit auseinander zu setzen. Ich will am liebsten nichts davon wissen. Selbst diesen Post zu schreiben, war eine enorme Anstrengung irgendwie.

Im Augenblick frage ich mich, was es mich kosten wird, diese Monate der Einarbeitung durchzuhalten. Und doch geht es nicht anders, ich muss da durch und halte mich an der Hoffnung fest, dass es nach der Eingewöhnung doch besser wird.

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8 Kommentare

  1. sakarinevada said,

    8. Oktober 2012 um 20:39

    Jenneke das tönt sehr verzweifelt. Ich nehm Dich mal ganz fest in meine Arme. Das was jetzt alles auf Dich einstürzt mit den langen Arbeitswegen und all den Gedanken an den Krebs der bei jedem Stechen Angst auslöst ist für Deinen Körper Schwerstarbeit.

    Ich denke an Dich und schicke Dir ein grosses Kraftpacket abgepackt in kleinere und grössere Einheiten.

    Sei ganz lieb gegrüsst
    Ursula

  2. Gabi said,

    8. Oktober 2012 um 21:43

    Weißt Du, ich denke, Du solltest Deine Gedanken an Deinen Krebs nicht so negativ sehen. Er erinnert Dich nur, Dich nicht zu verlieren. Die Zeit jetzt ist hart, aber Du kannst das schaffen, verliere Dich nicht. Du könntest doch vielleicht die zwei „nutzlosen“ Fahrtstunden nutzen, ruh Dich da aus, sei gut zu Dir, rede mit Dir, dann ist die Zeit gar nicht so nutzlos.

    Vielleicht eine schöne CD mit Meditationsmusik oder was täte Dir gut? Kannst nur Du wissen. Wie heißt es so schön: Nutze die Zeit 😉

    Allerliebste Grüße
    Gabi

  3. oliver2punkt0 said,

    9. Oktober 2012 um 07:00

    Es ist momentan allgemein eine müde Zeit. Es wird früher dunkrl, kalt ist es auch. Da muss sich der Körper auch erst wieder darauf einstellen. Gönn ihm einfach die Ruhephasen wenn er sie benötigt. Tu ich auch. 🙂 Viel Kraft!

  4. Sue said,

    9. Oktober 2012 um 10:11

    Liebe Jenneke,

    das mit dem zerstörten Vertauen in den Körper ist schon eine enorme Belastung.Ein Arbeitsplatzwechsel ist auch nicht ohne.

    Ansonsten möchte ich mich gerne dem was Gabi geschrieben hat, voll und ganz anschliessen.

    lieben gruss und ein Paket Entspannung für Dich
    sue

  5. dreamsandme said,

    10. Oktober 2012 um 00:06

    Liebe Jenneke,

    diese Zwiegespräche im eigenen Kopf sind manchmal schwer zu kontrollieren. Der Schock vom letzten Staging sitzt dir noch tief im Gedächtnis und die Einarbeitung fordert viel Energie von dir. Du denkst du schaffst kaum was, aber ich finde, du leistest sehr viel! Sei nicht so streng mit dir (ja, ich weiß, da redet die richtige 😆 ).

    Sei lieb gedrückt und ich hoffe mit dir, dass es bald besser wird!
    Sunny

  6. Chaoskatze said,

    14. Oktober 2012 um 16:10

    Ich kann dich gerade soooo gut verstehen…
    Aber vergiss nicht, dir selbst anzuerkennen, was du alles schaffst…. Das kann nicht jeder…

    *knuddel*

  7. katerwolf said,

    17. Oktober 2012 um 10:23

    Liebe Jenneke, eine anstrengende Phase ist das. Ich denke aber, es lohnt sich, durchzuhalten, Kopf hoch, ich drück dich *knuddel*

  8. 17. Oktober 2012 um 20:10

    Danke Ihr Lieben. Auch wenn ich derzeit nicht so viel antworte, Eure aufmunternden und lieben Worte bedeuten mir sehr viel ❤