Merkwürdigkeiten

Ein paar Stunden nach dem Schock, überstandenem Durchfall, nach einem eineinhalb-stündigem Spaziergang mit toller Begleitung, nach gestemmten Gewichten im Studio, funktioniert der Dankapparat wieder einigermaßen und strampelt sich langsam frei gegen die unkontrollierte Ausschüttung von Panik in mir.
Nein, ich bin nicht verloren, so schnell geht das nicht. Und als das Denken erst einmal wieder in einigermaßen normalen Bahnen lief, blieb es an einigen Dingen hängen, die nicht unbedingt schlüssig sind.
Warum zum Beispiel ausgerechnet Knochenmetastasen rasend schnell in drei Monaten entstehen, wenn sie doch auf antihormonelle Therapie am besten anschlagen. Selektiert? Aber dann nur da? Dabei wachsen die doch eher langsam, und Anfang Mai war nix. In den zwei Monaten 2010 zwischen Entdeckung des Ganzen und Therapiestart ließ sich kein Unterschied sehen.
Und dann der Befund:

Alle inneren Organe sind mustergültig clean – Leber (abgesehen von dem einen kleinen Teilchen, das sich seit 2010 nicht verändert), Gallenwege, Gallenblase, Milz, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren, Nieren, Harnwege, Uterus, Harnblase. Keine pathologisch vergrößerten abdominellen oder pelvinen Lymphknoten. Keine Peritonealkarzinose.
Selbst meine Ovarien werden als nicht auffällig beschrieben. Was kein Wunder ist, da sie sich nicht mehr in mir befinden.

Und dann der Hammer:
Ossäre Metastasen finden sich im Beckenskelett flächig in der Massa lateralis links, im linken Acetabulum, in den gelenknahen Anteilen es Os ilium (Darmbein), rechtsseitig im Os ilium nahe der Spina iliaca anterior sperior (auch am Darmbein), eine weitere Metastase im rechten Schambeinast, im Tuber ischiadicum im rechten Sitzbeinast.

Was auch immer da genau bezeichnet ist – das ist alles der untere Teil des Beckens. Alles, was nicht ist, wie es soll, liegt da. Alles im Vergleich zum letzten MRT vom 08. Mai.
Ich hatte es hier gar nicht geschrieben – ich hatte am 26. Mai einen kleinen Unfall. Ich fiel wie ein Baum, leider ungebremst auf meinen Steiß, dann weiter auf den Kopf. Die Platzwunde habe ich dann auch im Krankenhaus versorgen lassen, für den Steiß hat sich niemand interessiert. Fast vier Wochen lang musste ich aufpassen, wie ich mich hinsetze und noch vorletzte Woche beim Zumba habe ich bei einer bestimmten Bewegung gemerkt, dass es etwas ziept, auch wenn ich das sonst nicht mehr merke.

Tja.

Ich versuche gerade, nicht zu denken. Und doch taumele ich ständig zwischen Hoffnung und Hölle. Morgen Mittag hat mich Professor Koryphäe glücklicherweise in seinen vollen Plan schieben können. Ich werde ihm die ganzen Informationen geben und dann hören, was er sagt.

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4 Kommentare

  1. dreamsandme said,

    9. August 2012 um 23:22

    Gut, dass dich dein Professor noch reinquetschen konnte. Bin gespannt, wie er den Befund sieht! Ich drücke dir dafür alle erdenklichen Daumen!

    *knuddl*
    Sunny

  2. Karl said,

    9. August 2012 um 23:27

    Egal wie das ausgeht, schön dass so schnell das Denken wieder die Oberhand gewonnen hat. Auch wenn der Bauch wichtig ist, den Kopf muss man angeschaltet lassen.

    Und selbstverständlich, die Daumen sind mächtig gedrückt.

  3. Gabi said,

    10. August 2012 um 00:00

    Daumen drück!! Daumen drück!! Wie sagte meine Psychoonkologin zu mir: „Es ist gut, dass Sie Gefühle und Emotionen haben, aber der Verstand sollte doch die Oberhand behalten. Lassen Sie Ihren Verstand entscheiden, was richtig ist, dafür ist er da!“

    Bis auf diese Knochenmetastasen ist alles frei. Jenneke, das ist doch schonmal was. Damit kann man arbeiten. Du bist doch Wissenschaftlerin, Du weißt es doch, Du hattest doch diese Dinger schon, jetzt haste halt mehr. Alles andere ist clean.

    Du packst das!!

  4. sakarinevada said,

    10. August 2012 um 07:10

    Jennke, auch meine Daumen sind gedrückt. Du wirst auch damit klar kommen. Die Welt geht nicht unter. Der Schock war riesig. Jetzt bin ich gespannt was Dein Professor Koryhäe dazu sazgt.

    Sei ganz lieb gedrückt und*ganz viele Knuddler*
    Ursula