fliegen

Ich musste raus, musste laufen. Den Druck loswerden. Sofort.
Leider waren da erstmal diverse Dinge erledigen, ein bisschen Präsenz in der Firma zeigen, ein paar liebe Leute anrufen, die auf Nachricht warteten. Den Regen vorbeiziehen lassen.

Aber dann los, Sturmwarnung zum Trotz. Zuerst rumorten die Gedanken um den Krebs, um fiktive Gespräche mit Kollegen, um das MRT morgen, um meine Fragen an Professor Koryphäe am Freitag. Was würde ich ihm sagen wollen? Wie sollte ich das alles rüber kriegen?
Aber so langsam dröselte das davon. Der Wind blies ordentlich, mir mitten ins Gesicht. Die Bäume rauschten ohrenbetäubend, Blätter fegten über den Weg, meine Haare wirbelten nur so um meinen Kopf. Rau, so voller Energie.

Als ich 20 Minuten in meiner Strecke war, passierte etwas. Ich lief plötzlich schneller, meine Füße flogen nur so über den Boden, der Wind stemmte sich gegen mich, aber ich atmete ihn einfach ein, tief und schnell. Ich lachte, lachte mit jedem Ausatmen, und es war herrlich! Ich genoß die Bewegung, meine schnellen Schritte, den tiefen Atem, den Wind in meinem Gesicht. Da war nur ein Satz in meinem Kopf: Ich lebe. Ich lebe. ICH LEBE.

Das Leben ist rau, aber in dem Augenblick war es wunderbar!

19 Kommentare

  1. Sue said,

    10. Oktober 2011 um 19:55

    Mensch, dass Du die Energie hast / findest bei diesem Mistwetter loszulaufen, da kann ich mich nur anerkennend verbeugen.
    Toll.
    Ich habe wieder die Bärenzeit und würde soooo gerne Winterschlaf machen und erst miit den ersten Blumen wieder aufwachen.

    lieben gruss sue

    • 10. Oktober 2011 um 20:04

      Liebe Sue, die Leute haben mich auch etwas seltsam angesehen, bei dem Wetter raus zu gehen, aber das musste. Sonst wäre ich hier noch die Wände hoch gegangen. Getroffen habe ich auch nur ein paar unverwüstliche Hundbesitzer.
      Bärenzeit, das finde ich schön 😀 Ich werde mich heute Abend auf jeden Fall einmummeln und Schlaf nachholen. Hoffentlich klappt’s 😉
      Liebe Grüße! Jenneke

  2. Chaoskatze said,

    10. Oktober 2011 um 20:07

    Schön…

    Ich drück dir die Daumen für morgen…

    • 10. Oktober 2011 um 20:26

      Danke, liebe Katze. Und sobald ich dann meine Daumen morgen frei habe, drücke ich sie für Dich!
      Einen dicken Knuddel schickt Jenneke

  3. Kaktus said,

    10. Oktober 2011 um 20:58

    Daumen und Zehen sind gedrückt.
    Promise!
    Wunderbare Schilderung deiner Rennerei. Das sind die intensivsten Momente, die man haben kann, bin ja noch Neuläufer, aber sowas in der Art hatte ich in den Alpen beim Laufen. Das Lachen ist gleichzeitig ein Schluchzen, und wie du schreibst – ein Gefühl für das Gefühl Leben. wir leben!

    Run, Forrest, run ;-)))
    Kaktus

    • Carpe tempus! said,

      12. Oktober 2011 um 13:18

      Liebe Kaktus! Ja, das war ganz stark in diesem Augenblick! Da ist dann endlich die Erkenntnis eingesunken, dass derzeit alles gut ist. Wundervoll, war das!
      Liebe Grüße von Jenneke

  4. Masca said,

    10. Oktober 2011 um 22:11

    Toll beschrieben!
    Ich denke auch an Dich morgen. 🙂

    • Carpe tempus! said,

      12. Oktober 2011 um 13:19

      Danke, liebe Maska, es hat geholfen 😀

  5. drkall said,

    10. Oktober 2011 um 22:40

    Sehr schön. Ich vermute, das war ein Fall von „ganz und gar dabei“ 😉

    Alles Gute noch für morgen.

    Ähnliches hab ich an einem meiner letzten Tage auf Föhr erlebt. Der Sand in der Luft war schon fast schmerzhaft auf der Haut, die meisten Strandkörbe standen schon nicht mehr aufrecht, und es war soooo schön.

    • Carpe tempus! said,

      12. Oktober 2011 um 13:20

      Ja, lieber Karl, solche Augenblicke sind wertvoll, und irgendwie versuche ich immer, sie festzuhalten. In diesem Fall ging’s nicht gut, weil ich derlei Sprints nicht lange durchhalte … hatte gestern auch Muskelkater davon, aber das war mir egal.
      Liebe Grüße von Jenneke

  6. Wolfgang said,

    10. Oktober 2011 um 22:50

    Ich wünsche Dir auch alles Gute für morgen. Ich freu mich, dass Dir das Laufen so viel Schönes bringt!

    Alles Liebe,
    Wolfgang

    • Carpe tempus! said,

      12. Oktober 2011 um 13:21

      Danke, lieber Wolfgang! Heute kam endlich der Befund, alles unverändert und damit gut! Und ich hätte das nie, nie gedacht, dass das so toll ist, das Laufen! Ich hätt’s ja schon viel eher angefangen 😀
      Liebe Grüße von Jenneke

  7. sakarinevada said,

    11. Oktober 2011 um 05:18

    Das ist so schön geschrieben. Ich bin ganz glücklich für Dich. Das Laufen löst ja offenbar einen gehörigen Endorphinschub aus. Ja, auch bei schlechtem Wetter ist Bewegung für Körper und Seele Balsam. Mach weiter so!

    Sei lieb umarmt
    Ursula

    • Carpe tempus! said,

      12. Oktober 2011 um 13:22

      Liebe Ursula, in diesem Augenblick passte einfach alles zusammen. Die Erleichterung über den guten Befund hat da ganz sicher auch viel Endorphin ausgeschüttet 🙂 Und nach der Erfahrung wird mich das Wetter wohl nicht mehr abhalten, es sei denn, es regnet junge Hunde 😉
      Ich drück Dich zurück! Jenneke

  8. dreamsandme said,

    12. Oktober 2011 um 22:00

    Liebe Jenneke,

    dieses Gefühl von Leben…du hast es sehr schön beschrieben. Vielen Dank, dass du mich hast mitfliegen lassen!
    Ich hoffe, dein Onkologe nimmt sich viel Zeit und vor allem deine Fragen ernst!

    Bussi,
    Sunny

    • Carpe tempus! said,

      13. Oktober 2011 um 07:36

      Danke, liebe Sunny!
      Ich hoff’s auch, aber bisher war er immer aufgeschlossen und hat alles gut erklärt. Schau’n’mer mal. Ich bin jedenfalls froh, wenn diese Woche vorbei ist!
      Liebe Grüße! Jenneke

  9. katerwolf said,

    14. Oktober 2011 um 21:37

    ich kann das total nachvollziehen, was du schreibst.

    alles liebe und ein schönes WE 🙂

    • 15. Oktober 2011 um 16:43

      Das wünsche ich Dir auch, liebe Katerwolf.
      Ich gehe jetzt wieder raus, seit Montag war ich nicht laufen, jetzt wird’s wieder echt Zeit 🙂

  10. 23. Januar 2012 um 21:18

    […] Letztes Mal bin ich vor Erleichterung und Freude fast geplatzt, als ich das Ergebnis vom CT hatte. Ich war so aufgedreht, dass ich erstmal laufen musste, um wieder etwas runter zu kommen (und was war das für ein Lauf!). […]


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