Ganz da und sich selbst genug

Weiter ging es in meinem Buch über die Muße mit dem Thema Meditation. Der wichtigste Satz, wie ich finde stand ziemlich am Ende des Kapitels, denn er beschreibt, warum Meditation wichtig ist:

„Das Glück der Meditation besteht in der ebenso schlichten wie wunderbaren Erfahrung, einmal ganz da und sich selbst genug zu sein.“

Klingt gut. Und wie geht das?
Ich hatte immer gedacht, Meditation hat mit Rumsitzen zu tun, aber es ist eher so, dass das Grundprinzip der Meditation darin besteht, sich vollständig auf etwas zu konzentrieren, und das immer zu wiederholen. Meditation sei nicht eine Frage der Tätigkeit sondern der Einstellung.
Jede Tätigkeit sei dazu geeignet, wichtig sei, eine Technik bis zur völligen Beherrschung zu erlernen, bis sie automatisch zur Verfügung steht. Das gilt für Rumsitzen ebenso wie Bogenschießen, Tanzen, Malen.

Oder Joggen?

So habe ich das noch nie betrachtet, und doch habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass nach etwa 20 Minuten, wenn das Laufen sich so richtig rund anfühlt, die Gedanken davontreiben und mir die putzigsten Ideen kommen.
In der Meditation heißt es, sich nicht von diesen Gedanken ablenken zu lassen, sich nicht mitreißen zu lassen. Bei manchen Gedanken ist das ja sinnvoll, sie ins Leere laufen zu lassen (vorzugsweise die irrationalen Gedanken über den Brustkrebs oder das Lamentieren über die Arbeit). Aber einigen Ideen folge ich doch ganz gerne, um zu sehen, was dabei heraus kommt.
Aber manchmal … manchmal ist da gar nichts in meinem Kopf, da laufe ich nur, atme, höre meine Schritte auf dem Kies, das Plätschern des Kanals und die singenden Vögel. Und das ist auch herrlich und immer willkommen.

Meditiere ich also schon?

Möglich. Es kommt allerdings doch recht selten vor, diese Ruhe im Kopf. Und das ist schade. Das Ende des Kapitels stellt noch eine Atemmeditation vor, bei der man sich aufrecht und bequem hinsetzen soll, nur auf seinen Atem konzentrieren.
Ich werde es also doch mal mit dem Rumsitzen ausprobieren und das bis zur völligen Beherrschung üben 😉

6 Kommentare

  1. drkall said,

    21. September 2011 um 23:50

    Rumsitzen und auf den Atem konzentrieren ist nichts anderes als eine Form von Zazen.

    Und Bügeln und nichts weiter als Bügeln auch. Oder gehen, oder laufen …

    Letztich meditiert man immer, wenn man etwas ganz und gar tut, ganz und gar dabei ist. Du könntest also auch einfach _nur_ laufen …

    • Carpe tempus said,

      22. September 2011 um 11:53

      Ja, das funktioniert ja auch manchmal, aber ich genieße auch die ausuferndern Gedanken und deren Verfolgung, wenn ich laufe. Nach der Beschreibung in dem Buch, müsste ich das aber lassen, wenn ich es als Meditation betrachte. Und das möchte ich nicht. Wenn es passiert, ist’s schön, aber anstreben tue ich das nicht. Zumal ich nicht jeden Tag eine Stunde laufen kann, um zu meditieren. Da probiere ich lieber das Zazen aus als Ergänzung.
      Heute morgen war es … nun ja … war ja das erste Mal 😉
      Macht Du das, Karl? Das Zazen?
      Liebe Grüße von Jenneke

      • drkall said,

        22. September 2011 um 13:47

        Ich hab’s früher (ziemlich früher) mal gemacht, und es war als regelmäßiger Teil des Tages sehr gut, auch wenn ich dieses Nichtverfolgen irgenwelcher Gedanken nur selten während des Sitzens erreicht habe, hatte es schon allein als kleine Disziplinübung seinen Sinn. Zu dieser Zeit hatte ich mich etwas intensiver mit Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, einem Jesuiten und Zenn-Meister, beschäftigt. Diese Praxis ist mir leider schon lange abhanden gekommen, obwohl ich weiß, dass es mir sicher gut täte, das wieder aufzunehmen. Für mich funktioniert es aber nur, wenn es mit ziemlich strenger Regelmäßigkeit verbunden ist, und ich habe dabei große Probleme mit meinen sehr unregelmäßigen Tagesabläufen (ich arbeite selbst und ständig ;-). Aber vielleicht bedingt ja das Fehlen des einen (Zazen-Praxis) auch das andere mit?
        Ich habe ein paar neue Dinge in der Reha gelernt, die mir dort, in der geschützten Umgebung, auch sehr viel gegeben haben (dynamische Meditationen mit Bewegung, Trance-Reisen), die ich aber ebenso zum Teil wieder verloren habe. Hin und wieder erlebe ich allerdings noch diesen Zustand des nicht aktiv Denkens und des vollkommenen Aufgehens in einer Tätigkeit, eine Form des Zanmai, während der Arbeit. Das ist eine wunderbare Erfahrung, die immer dann, wenn man sie wahrnimmt, bereits vorbei ist 😉 Immerhin bin ich wieder ein wenig mehr auf dem Weg nach innen, der mir früher mal wichtig war, was aber nicht Rückzug bedeuten soll. Vermutlich ist es mit der Meditation, auf welche Weise auch immer, genauso wie mit dem Sport, man muss es einfach mal eine Weile regelmäßig tun und dann dabei bleiben. Und wahrscheinlich muss man sich auch immer etwas beschränken oder zumindest die neuen Sachen erst dann anfangen, wenn man die alten fest integriert hat. Aber da bin ich auch noch (wieder mal) sehr am Anfang des Weges.

        • 23. September 2011 um 07:23

          Ja, das denke ich auch, regelmäßig muss es sein. Bisher habe ich da noch keinen geeigneten Zeitpunkt gefunden, vielleicht muss ich da etwas experimentieren.
          Aber vielleicht hast Du Recht, erst das Neue intetrieren, meinen Mittagsschlaf zum Beispiel. Und dann weiter … bisher funktioniert das noch nicht so mit dem durchziehen …
          Der Weg nach innen, das gefällt mir 🙂
          Liebe Grüße von Jenneke

  2. dreamsandme said,

    24. September 2011 um 11:59

    Ich versuche beim Yoga ganz bei mir zu bleiben, ohne die Gedanken laufen zu lassen! Ich finde das sehr schwierig auch, besonders, wenn der Magen von jemanden knurrt oder ich jemanden atmen höre. Aber hin und wieder gelingt es mir, einfach abzuschalten und ganz bei mir zu sein. Es gibt eigentlich nichts, was vergleichbar ist mit dem, was ich dabei fühle. Leider sind es nur kurze Momente, ich werde weiter daran arbeiten.

    Dieses Gedanken laufen lassen mach ich auch sehr gern beim Sport! Erstens vergeht die Zeit dann dabei 😆 und zweitens kann ich mich da sehr gut sortieren, Ideen finden etc.

    Ich denke, egal was man macht, man sollte sich wohl fühlen dabei und vor allem auch das Gefühl haben, dass man das Richtige macht!

    Alles Liebe dir,
    knuddel
    Sunny

    • Carpe tempus! said,

      24. September 2011 um 23:36

      Liebe Sunny,
      ja, es muss sich gut anfühlen, da gebe ich Dir recht. Bisher hat sich das noch nicht eingestellt, ich bin immer noch unsicher, wie ich das in meinen Alltag einbauen soll. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif dafür?
      Ich werde es jedenfalls im Auge behalten. Und das mit dem Yoga … ich arbeite dran 😉
      Liebe Grüße von Jenneke


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