Monotasking

Schleichend war es schlechter geworden, und irgendwie ist es auch schleichend wieder besser geworden, bis es jetzt fast gut ist. Meine Störfaktoren haben sich in der Tat mit der Zeit verflüchtigt: Sonne scheint (manchmal), mein Mann ist gesund und Knie wieder lauffähig.

Stimmung? Besser. Irgendwie. 😉

Aber wie ist das passiert? Einfach so? Oder habe ich was gemacht? Ich glaube, es fing an, sich zu ändern, als ich Kall’s Einwurf vom 26. Juli über die Zen-Weisheit gelesen habe:

Wenn ich hungrig bin, esse ich, wenn ich müde bin, schlafe ich.

Klingt einfach. Ist es aber für mich nicht, denn es bedeutet, nur eine Sache zu machen, essen, schlafen, schreiben, surfen, lesen, was auch immer. Aber nur eines, und das dann auch bewusst. Das, was man tut, wirklich zu erleben. Im Jetzt zu sein.

Puh.

Zeit ist für mich etwas sehr Kostbares, ich will sie gut nutzen, nicht umsonst heißt mein Blog so. Also Multitasking: Musik hören beim Lesen, Essen beim Surfen, Twittern beim Gymnastik machen, Fotos bearbeiten beim Telefonieren … alles ganz normal.
Die Zen-Weisheit brauchte etwas, ehe sie in meinen Kopf einsank. Doch der Spruch klebte in meinen Gedanken, kam immer wieder. Irgendwann merkte ich, dass ich vielfach alles gleichzeitig mache, aber nichts richtig. Und dass ich dann an all diesen Sachen keinen Spaß hatte.

Ich habe also versucht, mich an diese Weisheit zu halten. Nur eines tun. Es bewusst machen. Essen, wenn ich esse. Und nicht zu Lesen, nicht zu rätseln, nicht zu telefonieren. Nur Essen. Malen, wenn ich male und nicht gleichzeitig noch DVD gucken.
Natürlich ging das nicht immer, die alten Gewohnheiten sind stark. Und mich für eine Sache entscheiden zu müssen, ist nicht so einfach, denn natürlich fällt dann was hinten runter. Aber es gelingt mit ab und an.

Und es fühlt ich gut an. 🙂

Mag ich auf einmal das Laufen so gerne, weil ich da nur das tue – Laufen? War ich deshalb so angenervt, weil ich das nicht konnte? Weil mir diese Auszeit von „alles gleichzeitig“ fehlte?

Wenn ich laufe, dann laufe ich. Kein Telefon, kein Internet, keine Musik, keine Menschen, keine Arbeit, keine Ansprüche.
Nur Laufen. Und meine Gedanken laufen mit, eilen hier hin und dort hin, und wenn sie zurück kommen, bringen manchmal interessante Freunde mit.

So wie die Erkenntnis, dass die Besserung mit diesem Spruch angefangen hat.

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11 Kommentare

  1. sakarinevada said,

    12. August 2011 um 21:40

    Liebe Jenneke

    Das Zitat hat etwas bestechendes. Deine Beschreibung der Umsetztung hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es birgt so viel Wahrheit, dass ich gerade ins Grübeln gekommen bin. Ich muss mir das ebenfalls durch den Kopf gehen lassen.
    Danke für den Anreiz.

    Grosse Umarmung
    Ursula

    • 13. August 2011 um 10:14

      Liebe Ursula,
      ja, so ging es mir auch, ich wurde ganz schön nachdenklich. Ich habe es einfach mal probiert, nein, mich gezwungen, das mal zu machen. Es ist schwer für mich, aber es geht. Und dann fühlt es sich richtig an.
      Zeit nutzen, ja, aber mit weniger statt mehr. Hmm.
      Ich habe (nach stundenlanger Recherche) ein Buch bestellt, das kommt heute hoffentlich mit der Post. Mal sehen, was da noch für Erkenntnisse zu finden sind.
      Ich wünsche Dir gute Gedanken und drücke Dich zurück!
      Liebe Grüße von Jenneke

  2. katerwolf said,

    13. August 2011 um 16:28

    meine liebe jenneke, ich habe hier leider nicht so viel zeit, deine einträge zu lesen, aber ich schicke dir die allerliebsten nordseegrüße und wünsche dir alles liebe und drück dich, deine katerwolf

    • 14. August 2011 um 10:38

      Danke, liebe Katerwolf, für die Nordseebrise! Konzentriere Du Dich mal lieber ganz auf Dein Reha! Und an dieser Stelle lieben Dank für die tollen Berichte!
      Sei gedrückt und lieb gegrüßt!

  3. Wolfgang said,

    14. August 2011 um 15:55

    Liebe Jenneke,

    wie recht Du doch hast. Auch ich muß mich immer wieder daran erinnern, daß man nur eine Sache, und eines nach dem Anderen tun kann.
    Dein Satz mit den Gedanken, die manchmal interessante Freunde mitbringen, ist übrigens wunderbar!!!!

    Alles Liebe,
    Wolfgang

    • Carpe tempus! said,

      16. August 2011 um 10:30

      Danke, lieber Wolfgang 🙂
      Es ist wirklich nicht so leicht, das zu vergessen, es kommt mir beinahe wie ein Automatismus vor. Und den muss man erstmal wieder abstellen …
      Liebe Grüße von Jenneke

  4. dreamsandme said,

    15. August 2011 um 15:26

    Liebe Jenneke,

    ja, Zeit ist etwas kostbares, deswegen versuche ich Dinge nicht nur halbherzig zu machen oder nur mit halber Aufmerksamkeit, weil eben die Zeit zu schade ist. Es geht mir immer mehr und mehr um Qualität statt Quantität und das fühlt sich so wie bei dir an, nämlich einfach nur gut!

    Wobei…zum Sport machen brauch ich schon Musik. Aber ich nenne das „meinen Schweinehund musikalisch austreiben“, ne Art Exorzismus! 😉

    Ich liebe die Zenweisheiten auch sehr! 😀

    Sei lieb umarmt,
    Sunny

    • Carpe tempus! said,

      16. August 2011 um 10:33

      Liebe Sunny,
      es ist toll, wenn Du das schaffst – Qualität statt Quantität. Ich versuche derzeit, mir das bewusst zu machen, und sei es nur, nicht noch zwei Absätze im Buch auf dem Klo zu lesen. Bringt es einfach nicht … da habe ich vom Buch auch nichts 😉
      Nein, keine Musik zum Laufen. Heute geht’s wieder raus, ich freue mich schon. Wobei … Sonntag war’s hart, da hätte ich auch musiklische Unterstützung brauchen können 😀
      Liebe Grüße von Jenneke

  5. drkall said,

    15. August 2011 um 23:55

    Hallo Jenneke,

    schön dass Du die Geschichte für Dich ein wenig nutzen konntest.

    Ich selbst habe damit im Moment meine Schwierigkeit., lasse mich ablenken, lasse mir meine Strukturen durcheinander bringen.

    Natürlich gibt es äußere Zwänge, die sich nicht abschalten lassen. Aber was hält mich davon ab, nach einer Störung wieder das, und nur das, zu tun, was ich tun wollte? Vermutlich nur ich selbst. Dabei habe ich Zeiten erlebt, wo ich immer weder in diesen wunderbaren „Flow“ kam, in dem man nicht mehr merkt, dass man angestrengt und konzentriert arbeitet sondern es einfach geschehen lässt, nicht ständig damals aber oft genug.

    Es scheint so einfach und ist doch manchmal so schwierig. Aber dass jemand diese schöne Zen-Geschichte aufgegriffen hat, sollte mir Anregung sein, es wieder und wieder zu versuchen, und so tut sie vielleicht auch bei mir wieder ihre Wirkung.

    Liebe Grüße
    Karl

    • Carpe tempus! said,

      16. August 2011 um 10:37

      Hallo Karl!
      Willkommen auf meinem Blog!
      Ja, der Spruch war toll. Er hat gleich Anklang in mir gefunden, obwohl es dann noch ein paar Tage gebraucht hat, ehe ich das so kapiert hatte, was das eigentlich alles bedeutet.
      Dieser Flow ist toll! Ab und an passiert das mal, und dann ist es herrlich! Wobei es erst dann richtig gut funktioniert, habe ich das Gefühl, wenn man nicht vorher drüber nachdenkt, wenn das umbewusst kommt. Aber das erreicht man erst dann, wenn man es vorher bewusst gemacht hat, schätze ich.
      Nicht so einfach alles … Ich drücke Dir die Daumen, dass Du auch wieder dahin zurückfindest!
      Liebe Grüße von Jenneke

  6. 19. August 2011 um 21:26

    […] von der Zen-Weisheit habe ich lange im Internet nach einem Buch gesucht, das in diese Richtung geht. Entschieden habe […]