Fokus

Da will ich einfach nur abschalten, hänge auf dem Sofa und gucke DVD. Science Fiction. Jemand bekommt die Chance, etwas in seiner Vergangenheit zu ändern, was er schon immer bereut hat. Er vermeidet also die lebensbedrohliche Situation und sein Leben geht weiter. Doch es ändert sich, er wird zu einem anderen Mann.
Und dann kommt diese Erklärung dazu:

This man never had a brush with death, never came face to face with his own mortality, never realized how fragile life is or how important each moment must be. So his life never came into focus. He driftet through much of his life with no plan or agenda, going from one day to the next never seizing the opportunities.
[Das Zitat ist leicht verändert, weil sonst der Zusammenhang unklar ist.]

Ja, das ist so. Die Erfahrung einer (potentiell) tödlichen Krankheit hat mich verändert, hat meine Aufmerksamkeit auf das gelenkt, das mir wichtig ist. Und so waren die Jahre nach der Diagnose gute Jahre, besser sogar als die vorherigen. My life came into focus.
Ich frage mich manchmal, wie mein Leben ohne Krebs ausgesehen hätte die letzten Jahre. Wäre ich weiter so herumgeeiert? Hätte ich mich auffressen lassen von Dingen, die mir nicht wichtig sind? Hätte ich so sehr im Jetzt gelebt wie ich es getan habe?

Keine Ahnung. Aber es ist nicht alles schlecht, was aus so einer Erkrankung entsteht.

Es ist gut, sich daran immer mal wieder zu erinnern.

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10 Kommentare

  1. Sue said,

    25. Juli 2011 um 17:10

    Liebe Jenneke,

    was Du da schreibt, sehe ich genauso. So beschissen das mit dem Krebs auch ist, das Ganze hat auch gute Seiten.
    Bei mir hat sich die Einstellung zu manchem auch drastisch geändert. Das ´in sich hinein hören` hat einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Die Prioritäten haben sich verändert und das ist bei mir mit Sicherheit nicht nur negativ zu werten.
    Bei allem Negativen was da eben auch dazu gehört, bin ich davon überzeugt, dass es ganz wichtig ist, die postiven Dinge die diese Krankheit mit sich bringt, nicht aus den Augen zu lassen.
    Da bin ich doch gerne unverbesserlicher Optimist 😉

    Lieben Gruss sue

    • Carpe tempus! said,

      25. Juli 2011 um 22:22

      Wie wahr, liebe Sue. Nur manchmal ist es so leicht, das aus den Augen zu verlieren. Mich hat das mal wieder in die richtige Richtung gestupst, ab und an scheint das bei mir mal nötig zu sein 😉
      Ich bin auch ein Optimist, bisher unverbesserlich. Hoffentlich bleibt’s so 😀
      Liebe Grüße von Jenneke

      • Sue said,

        26. Juli 2011 um 08:43

        Ich glaube, ob man optimistisch oder pessimistisch ist, läßt sich nicht ändern und ist eine angeborene Eigenschaft.
        Mein Sohn z. B. ist als Pessmist geboren, da hatte ich so gar keinen Einfluss und er ist das auch heute noch. Ich dagegen lasse mich durch noch so beeindruckende Ereignisse nicht am Optimismus hindern 😉
        Diese beiden Gegensätze waren manchmal sehr aufreibend und schwierig, aber auch spannend für uns Beide.

        lieben gruss sue

        • 27. Juli 2011 um 13:09

          Ja, da hast Du wohl recht. Mein Mann ist auch eher auf der pessimistischen Seite angesiedelt, und wir haben da schon viele, viele Diskussionen drüber gehabt. Aber ich glaube schon, dass es möglich ist, das auch ein bisschen zu steuern. Aber auch das ist vermutlich eine Typsache.
          Liebe Grüße von Jenneke

  2. sakarinevada said,

    25. Juli 2011 um 18:48

    Liebe Jenneke

    Genau das beginne ich jetzt zu realisiern. Es ist nicht alles nur schlecht, es hat auch viele positive Seiten. Ich werde allerdings noch Zeit brauchen, um das so richtig zu begreifen.

    Aber die Frage was wäre ich geworden ohne diese Krankheit, die stelle ich mir natürlich auch. Aber es ist für mich im Moment nur Spekulation.
    Ich lebe jetzt und im Hier.

    Liebe Grüsse
    Ursula

    • Carpe tempus! said,

      25. Juli 2011 um 22:26

      Liebe Ursula,
      das ist auch alles nicht so leicht. Man braucht, glaube ich, auch wieder etwas Abstand zur Krankheit, um das sehen zu können. Es hat bei mir eine Weile gedauert, ehe ich das begriffen habe. Oft erkennt man das erst in der Rückschau.
      Ich versuche normalerweise das „was wäre wenn“ zu vermeiden, da es mir nichts bringt. Das Jetzt ist wichtig, genau wie Du schreibst.
      Liebe Grüße von Jenneke

  3. dreamsandme said,

    26. Juli 2011 um 15:15

    Liebe Jenneke,

    ich tu mir recht schwer die Krankheit positiv zu sehen mit all ihren Folgen. Die Leichtigkeit des Seins, ich vermisse sie einfach. Das unbeschwerte „Abfeiern“, dieses „Chillen“, das muss ich alles erst wieder lernen, für mich ist es sehr schwer als überzeugter Pessimist! 😉

    Das Leben zu ändern kostet viel Kraft und ehrlich gesagt, fand ichs davor gar nicht mal so schlecht. Es hat mich viel Mühe gekostet all das aufzubaun und jetzt liegt es in Schutt und Asche vor mir und ich muss von vorne anfangen, von meinen tollen Plänen mal ganz zu schweigen.

    Aber ich weiß, dass es an einem selbst liegt, wie das Leben weitergeht und dass es nicht schlecht sein muss. Aber etwas von der Krankheit bleibt eben immer über und das macht es mir schwer.

    Mir wäre es lieber, es wäre alles nur ein böser Traum. Ich würde erwachen, hätte die Erkenntnis, dass das Leben kostbarer ist als bisher gedacht, aber die Krankheit, sie wäre nicht mehr da.

    Ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann. Ich hoffe, du verstehst irgendwie…

    Aber der Fokus aufs Leben…ja, das ist gut! 😀

    Sei lieb umarmt,
    Sunny

    • 27. Juli 2011 um 13:22

      Liebe Sunny,
      ja, die Krankheit bleibt immer ein Teil des Ganzen, und sich zu wünschen, es wäre nicht so, vertreibt sie leider nicht. Klar wäre ich auch lieber gesund, ich habe mir das nicht ausgesucht, so wie keine von uns. Aber so ist eben. Der Krebs ist da. Aber beschissen wie das ist, sich mit der Situation auseinander zu setzen hatte für mich auch positive Effekte. Ich für mich empfinde das zumindest so, dass das veränderte Lebensgefühl positiver ist als vorher. Intensiver. Mehr im Jetzt.
      Aber ich verstehe sehr gut, was Du meinst. Das erste Jahr war alles andere als schön, aber es wurde immer besser, und irgendwann ging mir auf, wie gut mein Leben doch geworden war. Aber das braucht Zeit, ehe das Zutrauen ins Leben und die Zukunft wiederkommt. Aber es kommt.
      Liebe Grüße von Jenneke

  4. katerwolf said,

    26. Juli 2011 um 20:22

    liebe jenneke, da gebe ich dir voll und ganz recht. dennoch, ich wünscht, ich hätts nicht bekommen. ändern lässt es sich aber nicht und auch ich empfinde das leben jetzt intensiver.

    liebe grüße, katerwolf

    • 27. Juli 2011 um 13:25

      Liebe Katerwolf!
      Ja, das wünschen wir uns wohl alle. Um so wichtiger, finde ich, auch die positiven Seiten zu sehen.
      Liebe Grüße von Jenneke