Rezeptsammlung – oder wie halte ich die Denkmaschine im Zaum

Die lieben Kommentare zu meinem letzten Post haben mich auf eine Idee gebracht. Es ist wunderbar zu sehen, dass man verstanden wird. Andererseits – so schade, dass alle mit diesem Problem zu kämpfen haben:

Angst vor den Nachsorgeuntersuchungen

Diese Angst geht ganz tief, rührt an den Fundamenten der Existenz, denn ein negatives Ergebnis der Nachsorge … verkompliziert das Leben, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wir alle haben damit zu kämpfen, mal mehr, mal weniger, aber die Angst ist da.
Da kann man nichts machen. Ist halt so.

Wirklich?

Aus Euren Antworten und von mir selbst weiß ich jedoch, dass das nicht ganz stimmt. Und hier kommt meine Idee ins Spiel: eine Art Rezeptbuch, wie ich (oder auch Ihr?) es schafft, ein bisschen Ablenkung zu kriegen, das unweigerliche Grübeln ein bisschen einzudämmen, bis der Termin vorbei ist.

Hier also das, was mich ablenkt. Nicht immer, aber manchmal:

  • DVD hören.
    Überwiegend abends kommen die Gedanken, da es dann ruhiger wird und die Ablenkung durch das Tagesgeschäft fehlt. Wenn Einschlafen sowieso ein Problem ist, dann hält mich Grübeln ganz sicher vom Schlafen ab. Also was tun?
    Ich gehe bettfein auf das Sofa, tue mir eine DVD rein, vorzugsweise etwas, das ich schon kenne, mache den Ton nicht allzu laut, kuschele mich ins Sofa und mache die Augen zu. Höre nur auf den Ton, hole mir die Bilder aus meiner Erinnerung. Und meistens dauert es keine 10 Minuten, und ich bin eingeschlafen. Wenn ich dann aufwache, mache ich alles aus, tapse ins Bett und kann normalerweise gleich weiterschlafen. Wenn nicht? Dann stehe ich wieder auf und gehe aufs Sofa 😉
  • Aufschreiben.
    Was aufgeschrieben ist, spukt nicht mehr so im Kopf. Blog ist natürlich besonders geeignet, weil dann so liebe Kommentare kommen, die einen aufbauen 😀
  • Laufen.
    Ich hätte es ja nie geglaubt, aber das Joggen und ich nehme an Sport im Allgemeinen lenkt ab, weil es meine Gedanken auf den Körper zurück holt und damit die „Was wäre wenn“-Schleife durchbricht.
  • Zulassen.
    Vorgestern hatte ich ganz unverhofft ein Wort im Kopf, das nicht wieder weg ging. Das passiert mir manchmal, es schwirrt dann ständig herum, erinnert mich. Dieses Mal war es „Peritonealkarzinose“. Es ist schon ein paar Tage her, seit ich es gelesen hatte (auf dem Überweisungsschein zum CT), und plötzlich war es da und hämmerte sich in mein Gehirn.
    Ich habe versucht das abzublocken, nach „Peri…“ immer „nein, nein, nein“ gedacht, aber das nützte nichts. Irgendwann war es dann zu anstrengend und ich habe das Wort eine Weile in meinem Kopf herumgeschoben, mich an seinen Klang gewöhnt, wie man es ausspricht.
    Warum hat es mich so erschreckt? Keine Ahnung, dass ich Metastasen im Bauchraum habe, weiß ich seit einem Jahr. Nach einer Weile hatte ich mich gewöhnt an das Wort, es wurde mir klar, dass es nur etwas bezeichnet, das ich eh schon wusste, und dann verschwand es wieder. Weil ich es zugelassen habe, verlor es seinen Schrecken.

Das ist das, was mir jetzt spontan einfällt. Fällt Euch noch mehr ein, was Ihr macht? Ich bin gewillt, alles auszuprobieren 🙂

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13 Kommentare

  1. sakarinevada said,

    13. Juni 2011 um 18:56

    Eine wahrlich gute Idee. Wie halte ich meine rotierende Denkmaschiene im Zaum?

    Bis drei Tage vor dem Termin ist die Angst eigentlich sehr weit weg. Aber dann werde ich, ohne es manchmal selber zu merken, sehr nervös, launisch,ungeniessbar und manchmal auch verletzend.

    Aufs Bett legen, und meditieren, mir eine ganz bestimmte schöne Situation bildlich vor Augen kommen lassen, und dies noch mals erleben. Danach bin ich meist ganz entspannt.

    Selbstgesräche führen über das Gefühl der Angst in Form von Kopf- und Bauchmensch. Dabei kann ich mir selber mit Distanz zuhören.

    Und als Letztes, für mich wohl das Wichtigste, darüber sprechen, und die Nacht vor der Untersuchung meist nicht, bis schlecht schlafend verbringen, und mir dabei immer wieder sagen: Mein Körper hat so gute Antennen, der merkt vor dem Kopf ob was stimmt oder nicht. Ergo, die Angst wird vergeblich sein, und das Nächste Mal wird es wieder das Gleiche sein.

    Das gibt mir auch eine Gelassenheit, da ich die Angst zugelassen habe, und sie aber nicht mein ganzes Leben diktieren kann.

    Liebe Grüsse Ursula

    • Carpe tempus! said,

      13. Juni 2011 um 23:37

      Liebe Ursula,
      diese Gespräche mit mir selbst kenne ich auch gut. Allerdings lässt mich das nie so recht in Ruhe, wenn ich das nur im Geiste mache, ich muss das immer aufschreiben. Ich habe bücherweise das Zeugs. Und ja, das hilft mir auch, der Logik des Kopfes zuzuhören und nicht immer nur auf die Angst, die im Bauch hockt.
      Danke für die Erinnerung daran und liebe Grüße!
      Jenneke

  2. dreamsandme said,

    13. Juni 2011 um 23:19

    Wenn ich ein verlässliches Rezept hätte, würd ich es jetzt hier gerne schreiben. Aber ich lasse mich weder leicht ablenken, noch kann ich mich selbst austricksen. Wenn ich am Boden liege, dann liege ich und dann kann mich einfach nichts aufbauen. Ich sag dann immer, dass ich gern liegen bleiben möchte, bis ich wieder weiter kann.

    Also ist wohl mein Rezept einfach liegen bleiben, sich winden und wenn der gröbste Schmerz vorbei ist, aufstehn, weitermachen.

    Sei lieb umarmt,
    Sunny

    • Carpe tempus! said,

      13. Juni 2011 um 23:43

      Liebe Sunny,
      wenn es so richtig Dicke kommt, dann hilft auch nichts mehr. Nur weinen, zetern und darauf warten, dass es wieder etwas aufwärts geht. Aber das Wichtigste, das ist das Aufstehen, darauf kommt es an.
      Liebe Grüße und einen Knuddel zurück!
      Jenneke

  3. 14. Juni 2011 um 07:54

    Hi, ich hoffe, es waren schöne Pfingsten für Dich/Euch!

    Mein Rezept: feststellen oder festlegen: WOZU stehe ich wieder auf, wozu will ich fit sein? Was fang ich an, wenn ich nun garkeine Angst mehr haben muss. Ohne Motiv, ohne Ziel, wird das immer wieder Auf- und Durchstehen zur Qual.
    Vergleichbar mit einem Verkehrs- Stau: ich kann mir überlegen, wie ich nun dieses ätzende Rumstehen verbringe, kann heulen, schrei(b)en, entspannen und mit anderen Stauern quatschen – aber wenn ich nicht weiss, wohin ich nach Auflösung des Staus fahren will, bleib ich doch eigentlich lieber im Stau. Den kenn ich schon und da stehen viele, denen es genauso geht….
    Schöne Woche wünscht
    RR

    • Carpe tempus said,

      15. Juni 2011 um 11:14

      Liebe Renate,
      ja, man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass das Leben lohnt. Aufgeben ist nicht 🙂
      Liebe Grüße von Jenneke

  4. Wolfgang said,

    14. Juni 2011 um 22:32

    Ich finde Deine Idee mit der DVD sehr gut. Wenn ich nicht schlafen kann, lege ich ein Hörspiel in den CD Player (von Mankell bis zu den 3 Fragezeichen). Meistens funktioniert es.

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

    • Carpe tempus said,

      15. Juni 2011 um 11:16

      Lieber Wolfgang,
      die drei Fragezeichen sind Kult! Die kommen auch manchmal in meinen Schacht, dabei kann ich auch herrlich einschlafen, weil ich (gerade die alten Folgen) schon so in- und auswendig kenne.
      Ja, gute Idee. Da werde ich mir mal welche auf meinen mp3-Player machen, der am Bett liegt.
      Liebe Grüße von Jenneke

  5. dreamsandme said,

    15. Juni 2011 um 17:07

    Also gestern half mir eindeutig ein Miesmuscheltag! Einfach alle schlechten Gefühle zulassen, rauslassen und heute gehts eindeutig wieder besser, kein Vergleich zu gestern! Wie gehts dir? Montag und Dienstag, wenn ich mich recht erinnere?

    Liebe Grüße,
    Sunny

    • Carpe tempus said,

      17. Juni 2011 um 11:07

      Liebe Sunny,
      solche Tage kommen und sie gehen auch glücklicherweise wieder. Schade nur, dass man das immer vergisst, wenn wieder gerade einer da ist.
      Ja, Montag und Dienstag, und mir geht’s ganz gut. Nach der nicht so guten Phase Anfang der Woche habe ich mich wieder etwas gefangen. Bis auf diese „Oh Gott, was soll ich machen, wenn da wieder was gewachsen ist??“-Gedanken. Aber dann kommt der Kopf und sagt: „Dann sei froh, dass es früh gefunden wird und wir machen eine andere Therapie.“
      Ja, da sollte man froh sein, wenn entdeckt wird, dass die Therapie nicht mehr greift. Aber es wäre mir doch sehr, sehr viel lieber, wenn ich erstmal so weiter machen könnte. Aber meinem Körper mehr Gutes tun als jetzt, kann ich nicht. Also abwarten.
      Und manchmal gibt es sogar die Augenblicke, in denen ich mich auf nächste Woche freue. Einfach weil ich dann wieder eine Weile Ruhe habe. Hoffentlich …
      Ich drücke Dich!
      Liebe Grüße von Jenneke

  6. katerwolf said,

    15. Juni 2011 um 19:52

    liebe jenneke, das ist eine genauso liebe wie sinnvolle idee. ich hätte noch beizusteuern: lieblingsessen kochen 😆

    • Carpe tempus said,

      17. Juni 2011 um 11:08

      Liebe Katerwolf,
      das ist auch eine schöne Idee. Bei mir würde die in richtig viel Arbeit ausarten, weil ich nicht kochen kann so recht. Da wäre ich dann gut beschäftigt, das Essbares hinzukriegen. Vielleicht teste ich das mal am Wochenende 😀
      Liebe Grüße von Jenneke

  7. Carpe tempus! said,

    24. Juni 2011 um 17:53

    Ich habe eine neue Ablenkung gefunden: Malen nach Zahlen. Ich habe schon immer gerne den Pinsel geschwungen (Aquarell), aber jetzt selbst ein Bild zu entwerfen, ist mir schlicht zu anstrengend. Aber malen tue ich gerne.
    Und wenn ich mich hinsetze, Pinsel, Farben, Malkarton, dann geht auf einmal der Kopf leer, weil ich nur noch nach den Zahlen suche und bedächtig ein Feld nach dem anderen ausmale. Das hat irgendwie meditative Wirkung.
    Klappt bei mir wunderbar 😀