Liebeserklärung

Heute kamen die Preise für Flug und Mietwagen für unseren Urlaub. Puh. 20% teurer als beim letzten Mal.

Mein Mann sagt: „Hmm, wollen wir wirklich? Oder wir verschieben. Noch ein bisschen sparen.“
Ich schüttele heftig den Kopf, sage aber nichts.
Er: „Erklärst du mir diese vehemente Aussage?“
Ich: „Muss ich das wirklich?“
Er runzelt die Stirn. „Ja.“
Also erkläre ich (siehe letzter Post). Es war nicht böse von ihm gemeint, er hat das wirklich nicht erkannt, dass ich da an meine Krankheit denke. Aber was soll ich jetzt davon halten? Da ist gerade ziemliches Chaos in mir:

  • Unglaube: Wie kann der Mann mit mir zusammenleben und daran nicht denken, was wir schon zusammen durchgemacht haben?
  • Freude: Er sieht mich, nicht Krebs, nicht Metastasen, nicht Tod. Er sieht Zukunft.
  • Enttäuschung: Er versteht mich nicht.
  • Trauer: Ihn mit meiner Erklärung wieder ein Stück auf den Boden der Tatsachen zu holen.
  • Wut: Weil er mich zwingt, das auch noch zu erklären. Wieso weiß er das als mein Mann nicht?
  • Angst: Wenn er meine Krankheit so gar nicht an sich heran lässt. Wie soll er dann damit fertig werden, wenn es wieder bergab geht?
  • Neid: Er kann das so total ausblenden. Ich nicht.

Die Angst, ihn irgendwann allein lassen zu müssen, wird mich nie verlassen. Das ist meine größte Belastung mit dieser Krankheit. Das trifft mich immer, wenn ich daran denke. Es tröstet mich ungemein, dass er da zurzeit nicht so dran denkt. Es ist ein Zeichen, wie er mich sieht – plötzlich so sportlich und fit. Und derzeit spricht nichts dagegen, dass das so bleibt.
Wie kann ich ihm dann übel nehmen, dass er mich solche Sachen fragt? Wenn er mich mit leidendem Blick die ganze Zeit ansehen würde, wäre ich schon längst ausgetickt. Er behandelt mich nicht anders als vor der Krankheit oder den Metastasen. Kein „lieber nicht, du bist doch krank“. Kein „ich mache schon, das ist zu schwer für dich“. Und genau diese Normalität ist es, was ich von ihm brauche. Und auch seine Scherze („Hör doch einfach auf zu schwitzen“), auch wenn ich manchmal etwas schlucken muss. Genau das hilft mir mehr als jede Beileidsbekundung. Genau dafür liebe ich ihn.

Aber da zeigt es sich wieder – man kann nicht das eine (Normalität) ohne das andere (gelegentliche Enttäuschung) haben 😉

Sobald ich meine Kollegen überzeugt habe, meine Vertretung zu sein, wird gebucht. Fertig.

Werbeanzeigen

7 Kommentare

  1. dreamsandme said,

    20. Mai 2011 um 17:43

    Liebe Jenneke,

    es freut mich, dass ihr die Reise einfach macht, egal ob es mehr kostet oder nicht! Und ja, ich bin auch sehr zwiegespalten, wenn mein Mann meine Ängste nicht versteht oder nicht verstehen kann oder gar verstehen will. Oft sagt er auch Dinge, die mich treffen, er denkt sich ja gar nix dabei. Und dann denke ich auch, zum Glück sieht er mich so wie früher, wenn ich es schon nicht kann. Ja, sehr komplex dieses Gefühlschaos…
    Hab mich vorhin verlesen und gedacht, ihr hättet schon gebucht, also ich hoffe mal, das klappt noch und du überlegst es dir nicht anders! 😆

    Liebe Grüße,
    Sunny

  2. katerwolf said,

    21. Mai 2011 um 22:42

    liebe jenneke, ich kann deine gedanken und gefühle so gut verstehen. dieses sich-erklären-müssen ist schrecklich und man fühlt sich elend. kommt bei uns auch ab und an vor. kopf hoch. und bucht. ganz schnell. und los und ab mit euch 😆

    alles liebe, katerwolf

  3. Carpe tempus! said,

    22. Mai 2011 um 21:57

    Liebe Sunny, liebe Katerwolf!
    Danke für Eure lieben Worte, ist schön zu hören, dass es Euch auch so geht mit Euren Männers. Manchmal ist das nicht so einfach, das alles einzuordnen. 😉
    Seid lieb bedrückt und habt eine schöne Woche. Ich schaue mal, ob ich noch meine Fotos auf den Blog kriege.
    Liebe Grüße von Jenneke

  4. Brigitte said,

    24. Mai 2011 um 13:54

    Könnt Ihr denn nicht eine Reise-Rücktrittskosten-Versicherung abschließen? Lasst Euch doch mal im Reisebüro beraten!
    Liebe Grüsse von Brigitte

    • Carpe tempus said,

      24. Mai 2011 um 19:28

      Hallo Brigitte! Willkommen auf meinem Blog!
      Ich werde sicher danach fragen. Ich meine mich aber zu erinnern, dass es beim letzten Mal geheißen hat, Krankheit würde nicht mit versichert. Aber wir werden es hören. Morgen, hoffentlich, oder übermorgen.
      Ich werde berichten 😀
      Liebe Grüße von Jenneke

      • brigitte said,

        25. Mai 2011 um 10:28

        Hallo Jenneke,
        ich habe gestern abend extra nochmal meinen Mann gefragt (ist vom Fach) und es gibt eine Versicherung („Europäische“), die versichert, wenn vom Arzt eine Bescheinigung vorliegt, dass zum Zeitpunkt der Buchung keine Bedenken gegen diese Reise vorliegen.
        Hoffentlich hilft dir das. Wir reisen auch soooooo gerne und ich freue mich immer, wenn ich auf Gleichgesinnte treffe.
        Liebe Grüsse Brigitte

  5. Carpe tempus! said,

    25. Mai 2011 um 17:57

    Hallo liebe Brigitte,
    lieben Dank für den Tipp. Ich habe mir das mal angesehen und ein paar Sachen gefunden, die mich da nachdenklich stimmen: „unerwartete schwere Krankheit“ heißt es da und auch alles ist ausgenommen, was „schubweise“ auftritt. In meiner Situation = gesicherte metastasierte Krebserkrankung wird mich wohl keiner versichern oder vielmehr nicht zahlen, wenn ich denn die Versicherung in Anspruch nehmen wollte. Denn unerwartet ist da aus Sicht einer Versicherung keine Verschlechterung. Aber ich werde auf jeden Fall fragen, wenn wir da sind und mich eventuell noch weiter durch die Versicherungsbedingungen wühlen.
    Liebe Grüße von Jenneke