Es gibt so Tage …

… da frage ich mich, warum ausgerechnet mein Leben so kompliziert sein muss. Warum ich nicht so sorglos sein darf wie andere. Warum ich tüfteln muss, ehe ich einen Zeitraum von dreieinhalb Wochen finde, in dem ich nicht zu einem Arzt muss, keine Therapie bekomme. Warum ich überlegen muss, ob ich wegen der erhöhten Thrombosegefahr durch die Therapie überhaupt fliegen sollte.
Warum ich Angst haben muss, einen Urlaub zu buchen, der noch 9 Monate hin ist. Warum mein Leben in Drei-Monats-Abschnitten verlaufen muss, von Staging zu Staging, immer in der Gefahr, wieder aus den Bahnen zu geraten. Warum ich im Geiste Diskussionen mit meinem Arzt führe, warum ich den Urlaub antrete, auf jeden Fall, auch wenn die Metastasen wieder gewachsen sein sollten.

Es gibt keine Antworten auf diese Warum.

Es ist, wie es ist. Der Krebs ist Teil meines Lebens, die Therapie ist Teil meines Lebens. Ich kann es nicht ändern.

Aber es gibt so Tage, da stinkt es mir gewaltig.

Werbeanzeigen

8 Kommentare

  1. Masca said,

    17. Mai 2011 um 10:58

    😦
    Ich kann mir das vorstellen, dass es Dich das enorm belastet. Einen guten Rat, um damit umzugehen, habe ich leider nicht 😦 Aber ich wollte dir auf jeden Fall einen dicken Knuddel da lassen und dir sagen, dass ich dich verstehe. Weißt du, was einer trotz all diesem Mist nie genommen werden kann? Träume. Träume sind auch Pläne. Wenn du in den Urlaub fahren willst, dann nimm es dir vor! Träum davon und zwar so, dass es realistisch ist. Plane diesen Traum. Und entscheide, dann in der Realität – wenn du kannst – ganz spontan, nicht 9 Monate vorher, sondern 1 Monat vorher – ob du den Urlaub antretest. Und entscheide so, wie DU es für richtig hälst.
    Alles Liebe
    Masca

    • Carpe tempus said,

      17. Mai 2011 um 19:35

      Danke liebe Masca für Deine Worte. Ich habe so viele Träume, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll 🙂 Und einer davon ist es, wieder nach Neuseeland zu kommen. Nur geht das leider nicht so spontan, wenn zwei Arbeitnehmer gut 3 Wochen Urlaub zur gleichen Zeit nehmen wollen. Und der Flug ist so lang, da ist früh buchen Pflicht, sonst sitzt Du irgendwo in der Mittelreihe zwischen Fremden. Nein, das geht nicht. Ich will meine Zweierreihe mit meinem Mann daneben. Deswegen müssen wir jetzt buchen. Oder gar nicht.
      Ich habe keine Ahnung, ob das realistisch ist, das zu planen. Im Augenblick geht es mir körperlich so gut wie sein Jahren nicht mehr, seltsam wie das auch ist. Keine Ahnung, ob das so bleibt und wie lange. Aber wenn ich es nicht mache, werde ich es sicher bereuen. Im Schlimmsten Fall ist das Geld für den Flug weg, alles andere buchen wir eh erst dort. Damit kann ich leben. Nicht hinzufahren, nur weil ich Schiss habe, ist keine Option.
      Aber das mulmige Gefühl bleibt. 😉
      Liebe Grüße von Jenneke

      • Masca said,

        17. Mai 2011 um 21:58

        Neuseeland! Oh wie toll, ich möchte irgendwann in meinem Leben auch mal hin ♥ Und nach Australien 🙂
        Weißt Du? Wenn Du es verkneifen kannst, im allerschlimmsten Fall das Geld für den Flug zu verlieren – dann buche! Mach es! Besonders, da Du Dich jetzt so gut fühlst. Du kannst nicht wissen, wie Du Dich in 9 Monaten fühlen wirst. Aber Du kannst den Flug bereits in der Tasche haben: und auch das ist Träumen! Ein realistisches Träumen 🙂 Und ob du den Flug dann wahrnehmen kannst oder nicht – das wirst du dann sehen, sobald es soweit ist. Aber du hast zumindest eine reelle Chance, dass der Urlaub stattfinden wird. Und Du hast etwas, worauf Du Dich freuen kannst.
        Ich wünsche Dir von Herzen, dass dieser Traum dann auch in Erfüllung geht! 🙂

  2. Sue said,

    17. Mai 2011 um 11:06

    Da kann ich ganz mit Dir fühlen. Ich traue mich inzwischen kaum noch, für länger als drei Wochen zu planen und selbst dann, kommt mir noch immer irgendwelcher Scheiss (z. B. Nierensteine) dazwischen. Auch ich würde gerne mal wieder länger planen können, einfach mal länger als nur zwei, drei Tage raus aus dem Trott. Gerade in unserer Situation ist das mehr als lästig und reduziert die Lebensqualität noch zusätzlich. Ich bin da ganz Deiner Meinung und davon auch ganz schön genervt. Gesunde können das wohl nur sehr schlecht verstehen und auch da darf man sich den einen oder anderen blöden Spruch anhören.
    Ich habe inzwischen immer, wenn ich die Heimat mal verlasse, eine halbe Apotheke dabei und allen möglichen Papierkram…. für Notfälle. Man hat ja auch keine Lust, irgendwo in der Pampas, bei irgendwelchen ahnungslosen Medizinern zu landen. Alles verdammt nervig. Aber viel mehr, als darüber zu fluchen, fällt mir auch nicht ein 😉
    Lieben Gruss sue

    • Carpe tempus said,

      17. Mai 2011 um 19:41

      Liebe Sue,
      ich danke Dir. Ich habe vorhin meiner einen Kollegin mein Leid geklagt, aber die konnte das nicht nachvollziehen. Wieso, es geht Dir doch gut! Mach doch! Aber das dass keine Garantie ist, dass es in 9 Monaten auch noch so ist, das sehen die meisten nicht. Oder wollen es nicht sehen.
      Es geht mir ganz oft so, dass Leute von Terminen in ein paar Monaten sprechen und ich dann denke: „Keine Ahnung, was dann ist.“ Vielleicht ist alles gut. Vielleicht auch nicht. Diese Unsicherheit nimmt echt ein großes Stück der Lebensqualität. Aber so ist es halt, und solange ich keinen Anlass habe, dass sich mein Zustand ändert, gehe ich davon aus, stabil zu sein. Es wird gebucht, neun Monate hin oder her.
      Und was das Fluchen angeht – schon erledigt 😀 Und das hilft auch manchmal, auch wenn es die Tatsachen nicht ändert.
      Ganz liebe Grüße von Jenneke

  3. dreamsandme said,

    18. Mai 2011 um 20:40

    Liebe Jenneke,

    ja, der Blick in die Zukunft…er macht einfach Angst. Die Planerei rund um Arzttermine nervt, vor allem, wenn man einplanen muss, dass es einem nach diesem Termin ein paar Tage nicht gut geht. Da geht schon wieder Zeit verloren. Mich kotzt das so an! Während andere unbeschwert durch die Gegend hüpfen, versuche ich ein paar arztfreie Wochen freizuschaufeln und kann mir dann noch blöde Sprüche anhören oder ernte ein Kopfschütteln, wenn ich Angst habe, dass ich meinen Sohn nicht mehr aufwachsen sehe. Ich war immer ein Mensch voller Pläne. Wenn ich jetzt plane, dann denke ich immer, wer weiß, was dann ist, wie es mir geht. Das hemmt und lähmt total, nimmt Energie, kostet unnötig Kraft.
    Eine Lösung habe ich dafür auch nicht… 😦

    Knuddler,
    Sunny

    • Carpe tempus said,

      18. Mai 2011 um 20:54

      Liebe Sunny,
      danke für den Knuddler, den schicke ich gleich mal zurück.
      Nein, das ist alles nicht einfach. Und wie Sue schon schrieb, irgendwie versteht es keiner. Und das verstehe ich eigentlich nicht …
      Was unsere Reise angeht, ist der Zeitraum jedenfalls klar, eine Therapie wird zwei Tage vorgezogen, dann klappt das. Zumindest von der Seite aus. Mal sehen, wann die Dame aus dem Reisebüro sich meldet.
      Ich kann und werde mich davon nicht lähmen lassen, solange es mir körperlich so gut geht. Ich hätte 8 tolle Jahre verschenkt, wenn mich die Erstdiagnose ausgebremst hätte. Aber es braucht Zeit, ehe man nach so einem Schlag wieder etwas Zutrauen in die Zukunft fassen kann. Ich muss mir das nur immer wieder vor Augen halten, dass derzeit nichts dagegen spricht, den Kopf das entscheiden lassen und dann mit der Angst leben, dass es nichts wird. Aber es ginge mir schlechter, wenn ich es nicht versuchen würde.
      Liebe Grüße von Jenneke

  4. 19. Mai 2011 um 22:26

    […] Zeit mein Leben neu zu planen. Ich brauche Pläne, sie geben mir Halt! Dabei habe ich ähnlich wie Jenneke große Unsicherheiten, was das Planen der Zukunft betrifft. Impliziert es doch, dass ich damit […]