Studienteilnahme – wie genau sieht das aus?

Ich bin alle 4 Wochen bei Professor Koryphäe in der Praxis. Dabei muss ich unterscheiden zwischen meinen Therapieterminen (alle vier Wochen Faslodex und Bondronat) und den Studienterminen für die LEA-Studie (im ersten Jahr alle 12 Wochen, danach alle 15 Wochen). Da ich im Vergleicharm bin und die „neue“ Prüfsubstanz Bevacizumab nicht kriege, wird zu den Therapieterminen nur Blut abgenommen und Blutdruck gemessen, die normalen Untersuchungen eben bei Therapiegabe. Wäre ich im Bevacizumab-Arm, hätte ich jeden Monat das, was ich jetzt nur zu den Studienterminen habe.

Zu jedem Studientermin gibt es: eine Blutabnahme mit vollem Labor (Hämatologie und klinische Chemie), Urinanalyse, Blutdruck, Gewicht, ECOG (das ist eine Skala, wie fit ein Patient ist) und eine körperliche Untersuchung (die aber recht knapp ausfällt, wenn ich angebe, dass es mir gut geht).
Unabhängig von Studienarm kommen die bildgebenden Verfahren (CT Thorax und MRT Abdomen) alle 12 Wochen im ersten Jahr, dann alle 15 Wochen.

Da die Studie neben der Wirksamkeit vor allem auch die Verträglichkeit testet, unterhalte ich mich an den Besuchen mit Studientermin nach den Untersuchungen lange mit der Studienassistentin darüber, wie es mir in der Zeit seit dem letzten Termin ergangen ist. Hier wird jeder Schnupfen abgefragt, jedes Zipperlein. Sind die Schlafstörungen besser geworden? Sind die Hitzewallungen noch wie zuvor? Ist etwas neu dazu gekommen? Kribbeln die Finger? Müde?
Das empfinde ich eher als störend, wenn das alles abgefragt wird, weil es doch sehr die Aufmerksamkeit darauf lenkt, was gerade nicht gut funktioniert. Da ich das unmöglich alles behalten kann, mache ich mir eine Liste, die ich dann mitnehme. Wenn ich mir die dann so ansehe, kommt in drei Monaten schon einiges zusammen. Macht ein wenig den Eindruck von „boh, geht es mir schlecht!“ Aber so ist es ja nicht, und für die Studie ist es natürlich wichtig, das zu dokumentieren. Wenn mehrere Patientinnen spezielle Nebenwirkungen haben, wird das dann mal auf dem Beipackzettel erscheinen.

Im Anschluss gibt es noch ein Gespräch mit Professor Koryphäe selbst. Da sprechen wir aber meistens nicht über die Studie sondern über CT und MRT und die generelle Situation. Aber auch er fragt nach, wie es geht und wie die Nebenwirkungen sind.

Und der Aufwand für mich?
Die Therapietermine hätte ich ja sowieso, so dass nur die Studientermine für mich zusätzlich sind: alle 12 / 15 Wochen 1-2 Stunden. Natürlich kostet es noch Zeit, die Nebenwirkungen für mich aufzuschreiben, aber das ist marginal. Eindeutiger Vorteil für mich persönlich ist, dass ich regelmäßig einen fixen Termin mit Professor Koryphäe habe, und alles mit ihm besprechen kann, was mich so umtreibt, auch unabhängig von der Studie.
Also wenig Aufwand für mich und hoffentlich großer Nutzen für die Studie und damit für Patientinnen, die später von diesen Erkenntnissen profitieren. 😀

Werbeanzeigen

4 Kommentare

  1. dreamsandme said,

    16. April 2011 um 08:34

    Liebe Jenneke,

    ich mag auch in eine Studie, weil genau so wie du es schilderst, habe ich es mir vorgestellt. Vor allem ist das ein Luxus immer in ein gleiches Gesicht blicken zu können! Das ist in großen Kliniken ja eher selten, dass man zweimal den selben Arzt hat. Von daher kann es wirklich nur von Vorteil sein, wenn die Psyche halt mitspielt. Aber ich fühle mich nach einen Komplettcheck immer irgendwie besser, wenn ich weiß, wie der Stand der Dinge ist. Manche wollen das ja lieber nicht wissen, also es ist sehr subjektiv, ob man so etwas gut findet oder nicht!
    Ich finds gut! 🙂

    Ja, das mit den Nebenwirkungen, wenn man sich das dann so durchliest, glaub ich dir, dass man sich da wundert noch aufrecht stehen zu können. 😆

    Und ist es nicht so, dass wenn das Medikament in der Studiengruppe gut wirkt, du da auch als erste davon profitieren wirst? So wie es mir mal erklärt wurde.

    Also alles in allem find ichs toll! 🙂

    Liebe Grüße und Umarmung,
    Sonja

    PS: Mein Studienarzt, der ja keine Studie für mich passend hat, meinte, dass eine Frau immer davon profitiert, egal in welcher Gruppe. Statistisch sogar signifikanter Überlebensvorteil. Klingt doch ganz gut!

    • Carpe tempus said,

      17. April 2011 um 12:14

      Liebe Sonja,
      in meinem Fall ist das etwas anders bezüglich des Bevacizumab. Das wird bei fortgeschrittenem Brustkrebs ohnehin eingesetzt, allerdings nicht first line (wie es jetzt bei mir wäre in der Studie) sondern dann später. Prof. Koryphäe meinte, wenn wir mal so weit sind, eine weitere Therapieoption zu brauchen, würde man das ohnehin dazu geben.
      Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich im Vergleichsarm bin, weil Bevacizumab alle 3 Woche verabreicht wird. Da hätte ich dann alle 3 und alle 4 Wochen Therapie und wäre viel mehr da in der Praxis (und sooo nah ist sie nicht bei mir dran). Das war für mich fast ein Grund zu sagen, ich mache doch nicht mit. Aber letztendlich wäre ich auch dazu bereit gewesen.
      Da ich ja in eine Privatpraxis gehe, hätte ich ohnehin immer die gleichen Leute, das würde mich auch sehr stören. So ist das immer sehr nett, wenn ich alle 4 Wochen da bin und kenne auch alle schon.
      Liebe Grüße von Jenneke

  2. katerwolf said,

    16. April 2011 um 18:43

    liebe jenneke, finde ich gut, dass du an einer studie teilnimmst. ich habe das nicht gemacht, wollte irgendwie nicht. aber was du schilderst hört sich so an, als würden beide seiten davon profitieren: die forschung und du 😆

    alles liebe, katerwolf

    • Carpe tempus said,

      17. April 2011 um 12:16

      Liebe Katerwolf,
      das ist ja das Schöne dabei – man kann das frei entscheiden. Und wenn man kein gutes Gefühl dabei hat, ist es gut, nicht mitzumachen. Überreden ist da nicht.
      Wie ich eben schon bei Sonja schrieb, ich hätte es auch fast nicht gemacht, weil ich unter Umständen noch eine Dauertherapie zusätzlich gemacht hätte (alle 3 Wochen Bevacizumab). Das wäre schon ein deutlicher Mehraufwand gewesen. Und solche Sachen wie Urlaub planen wäre dann auch viel schwieriger. Aber so ist es gut, wie es ist.
      Liebe Grüße von Jenneke